Samstag , 24. Oktober 2020
Katharina Grünauer und Pastor Matthias Forchheim freuen sich, dass der Genezareth-Fairteiler gut bestückt ist und auch schon gut genutzt wird. Foto: phs

Ein Schrank mit Lebensmitteln

Lüneburg. Viele Lebensmittel werden in Geschäften und Privathaushalten aussortiert und weggeschmissen, weil sie zum Beispiel nicht den optischen Ansprüchen genügen oder vermeintlich nicht mehr gut sind. Etwas gegen diesen Wegwerf-Wahnsinn tun will „Foodsharing Lüneburg“. In Kooperation mit der Selbständigen Evangelisch-Luherischen St. Thomasgemeinde (SELK) ging nun der „Genezareth-Fairteiler“ am Gemeindezentrum Am Springintgut 6a offiziell an den Start. Das ist ein Schrank, der mit Obst, Gemüse, Backwaren und vielem mehr bestückt ist, an den Waren kann sich jeder bedienen.

Foodsharing ist eine Umweltbewegung, die sich bundesweit gegen die Lebensmittelverschwendung einsetzt. Diese macht laut der Initiative in Produktion, Vertrieb und Privathaushalten einen Anteil von 30 Prozent aus. „Wir holen Lebensmittel, die aussortiert werden, bei den mit uns kooperierenden Märkten ab“, sagt Katharina Grünauer von der Lüneburger Gruppe. Die Waren werden dann auf Fairteiler verteilt.

„Im Frühjahr sind die Lüneburger ‚Foodsharer‘ an uns herangetreten mit dem Wunsch, auf unserem Grund einen ‚Fairteiler‘ aufzubauen“, berichtet Pfarrer Matthias Forchheim von der SELK. „Wir unterstützen die gute Idee gerne, weil es unserem christlichen Menschenbild entspricht, auf die zu achten, die in unserer Gesellschaft zu kurz kommen und die auf die Unterstützung zum Beispiel der Tafeln, Kirchen und sozialen Einrichtungen angewiesen sind.“ Forchheim und Grünauer betonen aber auch, dass Foodsharing unabhängig von der Bedürftigkeit agiere und keine Konkurrenz zu den Tafeln sei.

Kühlschrank soll Angebot schon bald ergänzen

In ehrenamtlicher Arbeit und mit Spenden finanziert wurde ein Schrank gebaut, der nun im überdachten Eingang des Gemeindezentrums steht. Er enthält Kisten mit Waren, die die Mitglieder der Foodscharing-Gruppe eingesammelt haben. Aber auch jeder Privatmensch kann dort Waren deponieren, wenn er zum Beispiel in den Urlaub fährt und nicht mehr alles selber verbrauchen kann. Ein Kühlschrank soll demnächst eingebaut werden. Was in den Fairteiler darf und was nicht, steht auf einem Plakat in der rechten Innenseite des Schrankes.

Der Name „Genezareth-Fairteiler“ wurde mit Blick auf die Speisung der Füntausend gewählt, Matthäus-Evangelium, Kapitel 14, Verse 13-21. Dort heißt es: Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll. Darin stecke die Idee, das zu verteilen, was übrig bleibt, sagt Forchheim.

Bereits seit 2017 gibt es den „Bethlehem-Fairteiler“ an der St.-Marien-Kirche, Friedenstraße 8. Einen weiteren auf dem Kirchplatz der Paul-Gerhardt-Gemeine, Bunsenstraße 82, sowie einen in einem Hauseingang an der Ritterstraße 3.

Von Antje Schäfer