Der Kreidebergsee gilt als höherwertiger Bereich im Grünband Lüneburg. Foto: Archiv

Und wo bleibt die Natur?

Lüneburg. Parkanlagen, Wege und Spielplätze neu gestalten, die biologische Vielfalt fördern – so sieht es das Konzept für das „Grünband Innenstadt“ vor, ein Fünf-Millionen-Euro-Förderprojekt für das Zusammenwachsen sechs grüner Inseln in Lüneburg. Doch der Naturschutzbund (Nabu) Lüneburg hat Sorge, dass Natur und Artenvielfalt hierbei zu kurz kommen. Die LZ hat bei der Stadtverwaltung nachgefragt, die Antworten aber bleiben schwammig.

So wollte die Redaktion wissen, wie die Mittelverwendung für das 2017 auf den Weg gebrachte Grünband aussieht und welche Beträge aus dem Millionen-Paket für Verbesserungen in Natur und Artenvielfalt vorgesehen sind. Statt konkreter Zahlen teilt die Verwaltung nur mit: „Die Natur- und Artenschutzrechtlichen Belange werden nicht als Einzelmaßnahmen aufgeführt, sondern sind in der Umsetzung aller Projekte zu bedenken.“

Eines von sechs Zielen: Schaffung von Biotopstrukturen

Auch wurde nach einem Ablaufplan gefragt, der Auskunft über die einzelnen Maßnahmen des auf zehn Jahre angelegten Projekts gibt. Die Verwaltung verweist dazu auf einen vom Umweltausschuss abgesegneten Rahmenplan. Doch auch dieser gibt weder Auskunft darüber, wann welche Maßnahmen realisiert werden sollen noch welche Mittel für Umwelt und Artenvielfalt vorgesehen sind.

Zwar werden im Rahmenplan die „Schaffung, Erhalt und Aufwertung naturschutzfachlicher hochwertiger Biotopstrukturen“ als eines von sechs Zielen genannt, im weiteren Verlauf ist dann aber nur noch von Blühstreifen die Rede. Den weit überwiegenden Schwerpunkt bilden die Umgestaltung von Straßen, Wegen und Plätzen, Gestaltung von Aussichtspunkten, Erneuerung von Spielplätzen, Ergänzung des Stadtmobiliars und anderes. Die Kosten dafür werden mit 4,2 Millionen Euro ohne weitere Untersetzung angegeben.

Zwar unterstützt der Nabu das bislang vorliegende Konzept und beteiligte sich auch an zwei bereits durchgeführten Begehungen. Hinsichtlich der weiteren Umsetzung aber gibt es Bedenken. „Wir machen uns ganz berechtigt Sorgen, dass das in die falsche Richtung läuft“, sagt Nabu-Vorsitzender Thomas Mitschke. Er habe bislang noch „keinerlei Mehrwert“ für Natur und Artenvielfalt erkennen können.

Kosten: 28.000 Euro

Nabu-Mitstreiter Stefan Blancke wiederum zeigt sich irritiert über eine Biotoptypenkartierung, die die Verwaltung speziell für das Grünband erstellen ließ. Kosten: 28 000 Euro. „Warum hat man nicht auf die Kartierung zurückgegriffen, die vor drei Jahren erstellt wurde?“, fragt der Umweltschützer. Man habe eine sehr viel kleinteiligere Kartierung benötigt, erklärt die Verwaltung. Die Kartierung im Maßstab 1:1000 werde benötigt, um für die zwei höherwertigen Bereiche Kreidebergsee und Kalkberg jeweils einen Pflege- und Entwicklungsplan zu erstellen. „Aus diesem Plan gehen Empfehlungen hervor, wie die naturschutzfachlichen Belange mit der von uns gewünschten städtischen Erholungsnutzung der Bürger in Einklang gebracht werden können“, teilt die Verwaltung mit.

Dass die Stadt die Infrastruktur verbessern muss, wird auch vom Nabu nicht infrage gestellt. „Der Nutzungsdruck durch die Bevölkerung ist hoch“, sagt Mitschke. Er befürchtet aber, dass für die Natur letztlich „nur wenig übrig bleibt“. Das zeigten aus seiner Sicht nun auch die Antworten der Verwaltung.

Von Ulf Stüwe