Montag , 19. Oktober 2020
Beim Lesen gibt es neben dem Schreiben die größten Defizite. Foto: AdobeStock

Jetzt ist Nachholen angesagt

Lüneburg. Durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Schulschließungen und das Homeschooling sind besonders Grundschüler nicht so weit, wie sie eigentlich sein sollten. Das Kultusministerium hat den Schulen deshalb einen Leitfaden zum Umgang mit diesen Lernrückständen an die Hand gegeben. Außerdem haben Studenten der Lüneburger Uni ein Projekt gestartet, um benachteiligten Kindern zu helfen.

Vor allem die jetzigen 2. Klassen sind im Nachteil

An der Anne-Frank-Schule in Kaltenmoor zum Beispiel sind die Rückstände zwar geringer als erwartet, verdeutlicht Schulleiterin Daniela Tiesing, aber doch klar zu beobachten. Vor allem im Lesebereich und im Schreiben sind die jetzigen 2. Klassen, die noch gar nicht schreiben und lesen konnten, als der Lockdown ausgerufen wurde, sowie viele Kinder mit Migrationshintergrund ganz klar im Nachteil: „Die Eltern können größtenteils nicht mit den Kindern lesen, weil sie selbst nicht gut genug Deutsch können.“

Genau um diese Basiskompetenzen geht es auch dem Kultusministerium, das den Schulen deshalb die Möglichkeit gegeben hat, andere Fächer zu streichen. „Das ist sehr gut, ansonsten könnte das gar nicht funktionieren“, findet Daniela Tiesing. Außerdem sollen die Basiskompetenzen so gut wie möglich in andere Fächer eingebunden werden: Etwa Formen und Strukturen der Mathematik im Kunstunterricht, Liedtexte im Musikunterricht oder Texte und Tabellen im Sachunterricht.

Die Anne-Frank-Schule plant zudem in den Nachmittagsstunden ein spezielles Förderangebot. „Die Klassenleitung kann dabei schauen, welche Kinder besonders gefördert werden müssen und diese dann den Kursen zuweisen“, erklärt die Rektorin das Vorhaben, dem noch von den Gremien der Schule zugestimmt werden muss. So soll versucht werden, alle Kinder möglichst schnell auf einen Stand zu bringen – aber die Schulleiterin sagt auch: „Ich bin mir sicher, dass uns das noch länger als ein Schuljahr beschäftigen wird.“

Studenten sammeln gebrauchte Geräte

Ein weiteres Problem, das sich während der Schulschließungen abzeichnete, war die teils fehlende digitale Ausstattung der Schüler. Schnell war klar: Ohne Tablet, Laptop oder wenigstens ein Smartphone geht gar nichts. Dort setzt das Projekt „Equal Tech“ an, das von einigen Studenten der Leuphana ins Leben gerufen wurde. „Im Mai hat sich schon ein großer Bedarf an technischen Geräten abgezeichnet“, erklärt André Reinhold Cohn, der an dem Projekt mitwirkt. Daraus entstand die Idee, Laptops auf Spendenbasis zu sammeln, diese aufzubereiten und anschließend an bedürftige Schüler zu verteilen.

„Unsere Anforderungen sind relativ niedrig“, erklärt Cohn. Die Sachspenden müssen nicht der neuesten Generation angehören, auch recht alte Geräte könnten noch gut weiter genutzt werden. Von der Universität haben die Studenten bereits 15 Laptops bekommen und einige davon schon an Schüler verteilt. Dafür arbeiten sie mit dem Bund für Lernförderung zusammen, der auch in Lüneburg aktiv ist. Sherine König betreut das Projekt und erklärt: „Wir haben viele Kontakte zu Lehrern und Familien und können so gut einschätzen, wo diese Geräte gebraucht werden.“

Wer sein Gerät für das Projekt spenden möchte, findet weitere Informationen unter www.enactus.de/lueneburg/projekte/equaltech im Internet.

Von Lilly von Consbruch

Vernetzung der Unterstützer

Initiative aus der Politik

Lerndefizite, die durch die coronabedingte Schulschließung entstanden sind, beschäftigen auch die Lokalpolitik. Bei den Grünen gibt es nun den Vorstoß, einen runden Tisch zum Thema zu initiieren. Es gelte, jene Anstrengungen, die zur Verringerung der Lernrückstände schon auf den Weg gebracht wurden, zu fördern und eine Vernetzung der verschiedenen Unterstützungsprojekten zu erreichen. Die Arbeitsgemeinschaft Bildung, Soziales & Gesundheit der Kreistags-Grünen hat Vertreter von Projekten, von der Uni und vom Jugendamtes zu einem Gespräch am Dienstag, 22. September, eingeladen. Hier können Informationen ausgetauscht werden, Kontakte geknüpft und gegenseitige Unterstützung geboten werden.

Von Lilly von Consbruch