Rund 20 Wohneinheiten entstehen im Baugebiet „Altdorf“ in Wendisch Evern. Schwierig wird es aber offenbar, die neuen Häuser mit Breitband auszustatten. Foto: Michael Behns

Kein Interesse am Breitband-Ausbau?

Wendisch Evern. Wer neu baut, plant gemeinhin für die Zukunft: Moderne Baumaterialien, Wärmedämmung, Kollektoren auf dem Dach. So wie im Baugebiet „Altdorf“ in Wendisch Evern. Rund 20 Einfamilien- und Doppelhäuser sollen dort entstehen. Doch bei der Breitband-Versorgung müssen die künftigen Bewohner offenbar Abstriche hinnehmen. Kein Glasfaser, nicht mal ein Kupferkabel will die Telekom aktuell laut Gemeindedirektor Norbert Meyer legen.

Der Verwaltungschef kann das noch immer kaum fassen. Momentan finden die Erschließungsarbeiten im Baugebiet statt. Der Regen- und der Schmutzwasserkanal wird verlegt, ebenso Leitungen und Rohre für Gas, Wasser und Strom. Bald ist alles da. Nur eben kein Kommunikationskabel. Weder als Glasfaser, noch aus Kupfer.

Auch andere Anbieter (Vodafone, Lünecom) lehnen Anfragen ab

Aber es ist nicht nur die Telekom, die der Gemeinde die kalte Schulter zeigt. Auch andere Anbieter –Vodafone und Lünecom – lehnten eine entsprechende Anfrage des Gemeindedirektors ab. Jedesmal heißt es: Kein Interesse.

Meyer weiß: „Für die Bürger ist das nur schwer nachvollziehbar, wenn eine Straße, kaum das sie fertig ist, kurze Zeit später wieder aufgerissen werden muss, damit irgendwann wieder eine Leitung verlegt werden kann.“ Damit wenigstens das nicht passiert, habe die Avacon, die zurzeit ihre Leitungen verlegt, vorgesorgt – und bei den Erdarbeiten auch gleich ein Leerrohr mit verlegt.

Fassungslos macht Gemeindedirektor Meyer aber vor allem die Auskunft eines Telekom-Mitarbeiters: Danach müssten die künftigen Anlieger erst einen entsprechenden Antrag bei der Telekom stellen. Der werde dann allerdings abgelehnt – und dann erst könne die Bundesnetzagentur ein Unternehmen mit dem Breitbandausbau beauftragen. Das müsse nicht zwingend die Telekom sein, der Auftrag könne auch an einen Mitbewerber gehen. Ein kompliziertes Vorgehen, über das auch Norbert Meyer nur den Kopf schütteln kann.

Telekom: "Unternehmen müssen auch wirtschaftlich handeln“

Dieses Vorgehen bestätigt Telekom-Sprecherin Stefanie Halle in einer ersten Stellungnahme auf LZ-Anfrage: „Die Unternehmen müssen auch wirtschaftlich denken und handeln“, gibt die Öffentlichkeitsarbeiterin zu bedenken. Vom Grundsatz her sei es daher immer ratsam, möglichst früh schon im Vorfeld mit Investoren zu sprechen.

Eine genauere Aussage zu dem speziellen Fall in Wendisch Evern konnte Halle am Montag nicht treffen. Sie bat darum, Fragen per E-Mail zu bekommen. Eine Antwort der Telekom aber blieb bis Redaktionsschluss am Montag aus.

Immerhin: Als Norbert Meyer die Telekom darauf hinwies, dass schon Leerrohre für die künftige Telekommunikationsleitung im Baugebiet verlegt werden, zeigte der Telekom-Bedienstete doch noch Interesse: Das sei ein neuer Aspekt. Eine mögliche Versorgung mit der geforderten Kommunikationstechnik wolle man nun neu kalkulieren.

Von Klaus Reschke