Freitag , 30. Oktober 2020
Für eine Überprüfung des Bauwerks wurde die stillgelegte Ilmenau-Schleuse in Bardowick trocken gelegt. Foto: t&w

Die Zukunft der Schleuse

Bardowick. Nur noch Pfützen stehen in der Kammer der Schleuse Bardowick. Stattdessen lehnt ein Baugerüst an der Wand zwischen den beiden Toren in der trockengelegten Schleusenkammer. Das Wasser der Ilmenau staut sich an den beiden Toren, ein Zaun schützt die Baustelle. „Was hat das zu bedeuten? Soll die Schleuse saniert werden oder hat man beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Angst, dass die Tore brechen und ganz Bardowick überflutet wird?“, fragt der Förderverein Historische Ilmenau auf seiner Internetseite.

Die Antwort darauf, was sich hinter der Baustelle an der stillgelegten Bardowicker Schleuse verbirgt, liefert Tilman Treber, Leiter des WSA in Lauenburg. „Es handelt sich bei den Arbeiten um eine routinemäßige Bauwerksprüfung. Diese muss auch bei Anlagen durchgeführt werden, die nicht mehr in Betrieb sind“, erklärt er. Bei der Überprüfung kontrollieren die Experten derzeit, ob von der Schleuse etwa eine Gefahr für Umwelt und Umgebung ausgeht.

Die Arbeiten in Bardowick sind zurzeit die einzigen an der Bundeswasserstraße Ilmenau im Abschnitt zwischen Lüneburg und Hoopte und ihren Bauwerken, den Schleusen und den unter Denkmalschutz stehenden Nadelwehren in Bardowick, Wittorf und Fahrenholz. Zum Bedauern von Gustav Rieckmann. „Es tut sich rein gar nichts. Die Bauwerke werden immer maroder, ohne dass deren Zukunft und die des Flusses klar ist“, kritisiert der Vorsitzende des Fördervereins Historische Ilmenau.

Scoping-Termin seit drei Jahren in Aussicht gestellt

Seit nunmehr drei Jahren werde der sogenannte Scoping-Termin in Aussicht gestellt. Bei der Ankündigung ist es aber bislang geblieben. Bei einem Scoping-Termin legen die beteiligten Behörden fest, in welchem Umfang Gutachten nötig sind für den Planungsverlauf bei Bauvorhaben.

Hintergrund ist, dass das zuständige Bundesverkehrsministerium plant, die Ilmenau als Bundeswasserstraße zu entwidmen und die Verantwortung für die Unterhaltung an das Land Niedersachsen abzugeben, Schleusen und Wehre zu entfernen und stattdessen Sohlgleiten einzubauen.

„Der Scoping-Termin muss jetzt endlich stattfinden“, fordert Rieckmann. Weil durch diesen erst klar werde, wie sich die Anrainer in die Planung einbringen können. Denn: „Für uns zählt nur, dass der Wasserstand im Fluss auch künftig regulierbar ist. Mit Sohlgleiten klappt das jedenfalls nicht“, meint er. Die Schiffbarkeit sei zunächst nachrangig, aber nicht unwichtig.

Die Folgen wären für Landschaft, Menschen und Tiere deutlich spürbar, sollte der Flusspegel nicht mehr anpassbar sein. Rieckmann: „Die Ilmenau würde je nach Wetterlage über die Ufer treten oder trockenfallen.“ Die Wasserbauer früher hätten sich etwas dabei gedacht, Bauwerke zu errichten, mit denen die Höhe des Wasserstandes steuerbar wird. „Es ist ein funktionierendes System, das nicht einfach so entfernt werden kann“, verdeutlicht er.

Wäre es dem Bund egal, hätte er längst Fakten geschaffen

Den direkten Draht zum Verkehrsministerium in Berlin hält der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols (CDU). Auch er bedauert, dass die Zukunft der Ilmenau weiterhin offen ist, es zu dem Thema in den vergangenen Monaten keine Gespräche mehr gegeben habe – auch wegen der Corona-Pandemie.

„Das muss aber nicht negativ sein, dass es derzeit nicht weiter geht“, sagt er. Wäre dem Bund die Ilmenau egal, hätte er schon längst Fakten geschaffen und es gäbe keine Gedankenspiele wie etwa, dass der Bund bereit sei, 50 Prozent der Kosten für die Instandsetzung der Bauwerke zu übernehmen, laut Machbarkeitsstudie von 2012 wären das 22 bis 24 Millionen Euro, so der Abgeordnete.

„Das Thema ist auf der Agenda. Die Ideen sind da, die Konzepte fehlen aber noch. Genauso wie der letzte Kick, endlich den Scoping-Termin durchzuführen“, sagt Pols.

Von Stefan Bohlmann