Freitag , 30. Oktober 2020
Bahnübergänge ohne Schranken gelten als Sicherheitsrisiko. In Lüneburg werden einige dieser Gefahrenstellen – wie hier am Kunkelberg in Oedeme – entschärft. Foto: t&w

Das lästige Pfeifen wird bald ein Ende haben

Lüneburg. Spötter könnten behaupten, die Corona-Pandemie habe für manche Lüneburger durchaus ihr Gutes. Denn das Virus und seine Folgen beschert ihnen mehr Schlaf. Denn seit Wochen fährt coronabedingt auf der Bahnstrecke Soltau-Lüneburg nur noch an drei statt wie zuvor an fünf Tagen pro Woche ein Güterzug, der zwischen der Firma Schnellecke Logistics an der A7 in Soltau und dem Hamburger Hafen pendelt – je einmal pro Tag in jede Richtung. Und weil der Zug morgens zwischen 4.45 und 6 Uhr durch Oedeme, Rettmer und Häcklingen rumpelt, reißt er regelmäßig Anwohner der Bahnstrecke aus dem Schlaf. Entweder durch die lauten Fahrgeräusche oder durch das vorgeschriebene Pfeifen vor jedem unbeschrankten Bahnübergang. Doch für die lärmgeplagten Anlieger kündigen sich weitere Verbesserungen an – ganz unabhängig von Corona.

Die Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) als Eigentümerin will ihre Bahnstrecke ertüchtigen. Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen sämtliche Schienen zwischen Lüneburg und Amelinghausen ausgetauscht werden. Die gute Nachricht dabei: Überall dort, wo Häuser zehn Meter oder näher an der Bahnstrecke stehen, sollen Betonschwellen mit elastischer Kunststoffsohle verlegt werden. Die OHE geht von einem etwa 600 Meter langen Abschnitt aus. Dadurch seien die Fahrgeräusche deutlich leiser, machte Rainer Garbers von der OHE jetzt im Ortsrat Oedeme deutlich, wo er die Pläne für die Strecke vorstellte. Darüber hinaus würden an allen Übergängen Gummiplatten eingebaut, um den Lärm zu reduzieren. Im August 2021 könnten die ersten Arbeiten am Kunkelberg in Oedeme beginnen.

Verbessern soll sich auch die Sicherheit

An allen bislang unbeschrankten Bahnübergängen in Lüneburg werden Halbschranken gebaut. Dafür fließen Fördermittel vom Bund, die einen erheblichen Teil der Kosten abdecken. Garbers nannte dafür auch einen Zeitplan:

  • Am Kunkelberg will die OHE 2021 loslegen, die Stadt habe ihren Anteil aber erst im Etat 2022 eingeplant – hier laufen allerdings Gespräche;
  • an der Lüneburger Straße in Rettmer 2022 „oder eher 2023“;
  •  am Häcklinger Weg im Zeitraum 2023 bis 2025;
  • am Wischfeld im Jahr 2022, auch hier laufen noch Gespräche mit der Stadt, die ihren Anteil erst für 2023 im Haushalt eingestellt habe;
  • am Drögenkamp ebenfalls 2022 – mit derselben Einschränkung wie am Wischfeld. Zugleich sollen den Bahnübergang künftig nur noch Radfahrer und Fußgänger passieren dürfen, außerdem landwirtschaftliche Fahrzeuge. Eine abschließbare Schranke soll den übrigen Autoverkehr aussperren;
  • an der Uelzener Straße gibt es noch keinen Zeitplan, weil die Stadt die Straßenführung umgestalten und die OHE das erst abwarten will.

Kreis hofft auf Personenverkehr

Eine weitere gute Nachricht: Mit der Installation der jeweiligen Schranke entfällt dort dann das vielen Anwohnern lästige Pfeifen. Allerdings wird es dafür ein Glockensignal geben, das exakt 13 Mal ertöne, bis die jeweilige Schranke geschlossen ist, das zwischen 22 und 6 Uhr aber leiser eingestellt sei als tagsüber, sagte Garbers, der zudem zusicherte: „An der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf der Strecke wird sich nichts ändern.“ Angehen will die OHE zudem in absehbarer Zeit die Sanierung einiger Eisenbahnbrücken, etwa die über den Hasenburger Weg. Gerade dort sei es besonders laut: Wenn der Güterzug fahre, entstünden metallische Geräusche, die schon mal 85 Dezibel und mehr erreichten, will ein Anwohner gemessen haben.

Da Lärmschutz eigentlich nur bei einem Streckenneubau, nicht beim Ausbau bestehender Strecken gesetzlich vorgeschrieben ist, brächten die Pläne der OHE für die Anwohner viel Positives. Allerdings müssten sie im Gegenzug vielleicht eine andere Kröte schlucken: Auf der dann sanierten Strecke könnte auch wieder regelmäßiger Personenverkehr stattfinden. Ob als Schulbusverkehr für das Schulzentrum Oedeme und die IGS Embsen, für touristische Zwecke wie den Ausflug in die Heide nach Bispingen, ein Abstecher zum Bauckhoffest oder eben auch ganz regelmäßig mit Fahrtzeiten im Stundentakt, wie ihn sich der Erste Kreisrat Jürgen Krumböhmer gut vorstellen könnte, sei noch dahingestellt.

Der Landkreis habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, er selbst sei zuversichtlich, dass am Ende die Vorzeichen gut stünden für einen regelmäßigen Personenverkehr., sagte Krumböhmer. Abzuwarten bliebe, wo dann Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten entstünden. Am Kunkelberg? In Rettmer? In Häcklingen? All das sei noch Zukunftsmusik.

Von Alexander Hempelmann