Samstag , 31. Oktober 2020
Anja Wölk (l.), Hendrik Harwege und Lena Bettin sind überzeugt, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell eine Marktlücke gefunden haben. Saisonalität und Regionalität lautet ihre Devise. Foto: t&w

Vom Acker auf den Teller

Ahndorf. Hendrik Harwege ist Landwirt. Biobauer, um genau zu sein. Einer, der sich nicht scheut, auch Neues anzugehen. Im vorigen Jahr beispielsweise nutzte er einen Teil seines Gewächshauses für den Artischocken-Anbau. Warum? „Weil ich schon lange Bock darauf hatte, das auszuprobieren“, sagte der 40-Jährige vor einem Jahr im Gespräch mit der LZ. Jetzt hat der gelernte Gemüsegärtner erneut auf seinen Hof gebeten. Dort warten bereits Markus und Anja Wölk sowie Lena Bettin – Harweges Geschäftspartner für ein neues Projekt: Die drei haben die „Trust your food GmbH“ gegründet. Übersetzt heißt der Firmenname: Vertraue Deinem Essen.

Alle Produkte aus einem Umkreis von 70 Kilometern

Harwege, der als Landwirt die Lebensmittel produziert und als Gesellschafter mit in das Unternehmen eingestiegen ist, erläutert: „Wir wollen nachhaltige Ernährung so einfach wie möglich gestalten.“ Die Kernbotschaft der Jungunternehmer lautet Saisonalität und Regionalität: „Unsere Produzenten und Lieferanten leben, arbeiten und produzieren alle in einem Umkreis von maximal 70 Kilometern“, verdeutlicht Lena Bettin. Die 22-Jährige studiert Umweltwissenschaften an der Leuphana. „Wir verkaufen nur, was wir auf unseren Feldern und in unseren Gewächshäusern auch selbst produzieren“, verspricht Harwege, „wir kaufen nichts vom Großmarkt dazu.“ Das zum Beispiel unterscheide das Trust-your-food-Konzept etwa von Bioläden oder Gemüsekisten, in denen auch Südfrüchte zu finden sei.

Das Unternehmen ist noch jung, wurde erst vor wenigen Monaten gegründet. In Zeiten wie diesen, trotz – oder gerade wegen der Corona-Krise – aber offenbar zum richtigen Zeitpunkt: Denn die Kunden müssen nicht erst zum Supermarkt um die Ecke oder auf den Wochenmarkt laufen, um Gemüse einzukaufen. Das bekommen sie wöchentlich nach Hause geliefert. Vom Acker direkt auf den Teller. Und zwar in Mehrwegtaschen. „Bei der nächsten Lieferung tauschen wir die leeren Taschen gegen neue, gefüllte aus“, berichtet Anja Wölk.

Intelligente Lebensmittelverteilung

Vermeidung von Verpackungsmüll ist das eine Ziel, ein weiteres skizziert die 35-Jährige, die zuvor in der Berliner Startup-Szene unterwegs war: „Lebensmittelverschwendung reduzieren durch intelligente Lebensmittelverteilung.“

Um in den Genuss der Gemüselieferungen zu kommen, muss man Anteile erwerben. „Ein Anteil etwa kostet monatlich 107 Euro“, rechnet Anja Wölk vor – das sind zum Beispiel vier Kilogramm Gemüse, verschiedene Salate, Kartoffeln und Kräuter aus der Region. Wem das mengenmäßig zu viel erscheint, kann auch nur einen „halben Anteil“ buchen.

Bio-Eier kann man jetzt schon dazu kaufen, auch Schlacht-Aktionen sollen bald stattfinden. Backwaren sollen demnächst ebenfalls zum Portfolio gehören. Harwege ist überzeugt: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Von Klaus Reschke