Sonntag , 25. Oktober 2020
Inzwischen hat der Bagger große Löcher in das alte Bowling-Center gerissen. (Foto: t&w)

Bagger beißen sich durch

Lüneburg. Es ist ein gefräßiges Teil, das Holger Diestel im Innenhof des ehemaligen Bowling-Centers, Ecke Lindenstraße/Barckhausenstraße steuert. Der Longfront-Bagger hat einen Ausleger, mit dem bis zu einer Höhe von 29 Metern gearbeitet werden kann. Mittels seines vollhydraulischen Systems bedarf es nur eines Klicks und schon ist die Schere angekoppelt. Dann rollt der Bagger auf das Gebäude-Skelett zu, die Schere beißt ein weiteres Deckenteil ab.

Seit vergangenem Montag laufen die Abrissarbeiten des Gebäudekomplexes am Eingang zum Roten Felde. Der war dort entstanden, nachdem die MTV-Turnhalle mit ihren beiden markanten Türmchen der Abrissbirne 1976 zum Opfer gefallen war. Die Architektur wurde immer wieder kritisiert, Worte wie „Schandfleck“ oder hässlicher Klotz“ fielen immer häufiger. Im vergangenen Dezember gab der Rat grünes Licht für den Bebauungsplan, wonach dort ein Komplex mit 48 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten entstehen soll.

„Vor zwei Jahren haben wir den Auftrag zum Abriss bekommen“, sagt Jan-Heinrich Schuldt, Bauleiter bei TIRS Abbruch und Recycling GmbH, Vastorf. Da habe man mit den Vorbereitungen begonnen, dazu gehörten auch umfangreiche Planungen in Absprache mit der Stadt zur Verkehrsführung. Im Vorfeld des maschinellen Abbruchs erfolgte die Entkernung und Schadstoffsanierung.

Neben dem Longfront-Bagger ist auch ein Abbruch-Bagger angerückt. Die beiden arbeiten sozusagen im Team. Während sich die Allroundschere des einen Betonstützen und Decken vornimmt, sortiert der Abbruch-Bagger Beton, Stahl, Holz, Bauschutt, Plastik. „Die sortierten Baumaterialien werden recycelt. Beton und Bauschutt wird zum Beispiel zu Straßenbaustoffen, Stahl wird wieder eingeschmolzen“, erläutert Schuldt.

Wenn die Bagger ihrer Arbeit nachgehen, ist es krachend laut und es rumpelt gewaltig. Auf die Frage, ob es zu Erschütterungen kommen kann, mit Folgen für angrenzende Gebäude, verweist Schuldt darauf, dass im Vorfeld ein Bodengutachten erstellt worden sei. Es sei davon auszugehen, dass wenig Erschütterungen zu erwarten seien. Bei den angrenzenden Gebäuden wurde eine Beweissicherung gemacht.

Abriss bedeutet Staub. Um den möglichst zu begrenzen, hat der Longfront-Bagger an der Spitze seines Auslegers eine Wasserdüse. Zerrt die Schere an einem weiteren Deckenteil und Staubschwaden machen sich breit, heißt es Wasser marsch. Das herabgefallene Material wird außerdem von TIRS-Mitarbeitern wie Rami Dervishi händisch bewässert. Abgebaut wird auch die Mobilfunkantenne, ein Ersatz sei in Richtung Theater montiert, sagt Schuldt.

Vier Wochen soll der oberirdische Abriss dauern

Am morgigen Freitag kommt noch ein Telekran dazu, der ebenfalls im Innenhof Position bezieht. „Dann beginnt nämlich der Abbruch der sensiblen Bereiche zur Straße hin. Dorthin hält der Telekran eine Abbruch-Matte, damit keine kleinen Teile auf die Straße fallen“, macht der Bauleiter deutlich.

Insgesamt vier Wochen wird der oberirdische Abbruch dauern. In dieser Zeit öffnet der Abbruch-Bagger mit einem Stemmhammer auch die Kellerdecke, verfüllt den unterirdischen Teil des Gebäudes komplett mit Bauschutt. Ist das geschehen, baut eine andere Firma an den Außenseiten Träger ein. „Danach können wir mit dem unterirdischen Abbruch beginnen. Kellerwände und Bauschutt kommen raus und die Baugrube bekommt einen äußeren Rahmen.“ Auch für die Arbeiten sind vier Wochen eingeplant. Wann diese genau abgeschlossen sind, hänge davon ab, wie lange der Trägereinbau dauert, so Schuldt.

Der Bauleiter hat auch ein Anliegen: „Radfahrer und Fußgänger mögen bitte die ausgeschilderte Verkehrsführung beachten. An der Barckhausenstraße ist extra ein provisorischer Zebrastreifen geklebt. Teilweise werden leider die Absperrungen ignoriert. Das kann zu gefährlichen Situationen führen.“

Ein Video ist im Internet auf www.LZplay.de zu finden.

Von Antje Schäfer

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