Dienstag , 27. Oktober 2020
Michelle Bicko (vorn, l.) ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Steuerfachangestellten, wird am Tablet von Klassenlehrerin Janine Wedekind unterstützt. Im Hintergrund (stehend) Wirtschaftslehre-Lehrerin Britta Hagemann. Foto: be

Kanzleien spendieren Tablets für den Nachwuchs

Lüneburg. Es gibt Schulen, an denen bringen die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Laptop oder ihren Tablet mit, um dann im Unterricht mit dem modernen Gerät zu arbeiten. Es gibt Schulen, die stellen das notwendige elektronische Gerät zur Verfügung. An den Berufsbildenden Schulen I auf dem Lüneburger Schwalbenberg sind zwei Klassen jetzt einen ganz anderen Weg gegangen: Für die angehenden Steuerfachangestellten des zweiten Ausbildungsjahrs stellen dort deren Arbeitgeber die Tablets.

Auf den Weg gebracht hat das Projekt Lehrerin Janine Wedekind, die in beiden Klassen als Klassenlehrerin eingesetzt ist. „Als Mathematiklehrerin arbeite ich bereits seit drei Jahren begeistert mit einem iPad im Unterricht“, sagt sie. Wedekind ist von den Vorteilen der Arbeit mit den elektronischen Medien überzeugt – und machte sich in diesem Sommer auf den ganz besonderen Weg dorthin. „Ich habe die Steuerberater-Kanzleien aller 40 Auszubildenden angerufen und um ihre Unterstützung gebeten – und alle haben mitgemacht.“

„Eine ganz schön große Umstellung“

Janine Wedekind sagt: „Die Erfahrungen der letzten Wochen haben bereits gezeigt, dass die Arbeit mit Tablets zwar manchmal etwas hakelig ist, aber dass bereits jetzt ein großer Mehrwert für den Unterricht entsteht.“ Jeweils an einem Tag in der Woche lernen die Auszubildenden in der Schule. Steuerlehre, Rechnungswesen und Wirtschaftslehre stehen dann auf dem Lehrplan.

Wedekind sieht viele Vorteile bei der Arbeit mit dem Tablet: „Wir haben jetzt nicht nur die Möglichkeit, im Unterricht auf das Wissen der Welt zuzugreifen. Die Schüler können in Echtzeit Daten austauschen, sich gegenseitig beim Lernen unterstützen – auch außerhalb der Schule, etwa durch Videoanrufe.“

Gerade auch in Zeiten von Corona bringe die Arbeit mit dem Tablet noch einen weiteren großen Vorteil, so Janine Wedekind: „Schülerinnen und Schüler, die aufgrund der verschärften Coronaregelungen, etwa wegen eines Hustens, nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, können sich per Livestream in unseren Unterricht dazuschalten.“

Zu den künftigen Steuerfachangestellten, die an der BBS I mit den von ihren Arbeitgebern gestellten Tablets arbeiten, zählen Lisa Richter aus Lüchow und Niklas Wilken aus Lüneburg. „Vorher hatten wir klassischen Unterricht“, erinnert sich Niklas. „Für viele, die bisher nicht damit gearbeitet haben, ist die Arbeit mit dem Tablet eine ganz schön große Umstellung“, berichtet Lisa.

Eigene Plattform mit interaktiven Übungen

BBS-I-Schulleiter Heiko Lüdemann freut sich über das Engagement von Janine Wedekind und den Tableteinsatz in den Klassen der künftigen Steuerfachangestellten: „Was da passiert ist, passt genau in unsere Digitalstrategie. Unser Dank geht natürlich auch an die Steuerberater-Kanzleien. Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass die so mitziehen.“ Seit 2019 lernen die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums an der BBS I standardmäßig mit dem Tablet.

Janine Wedekind denkt schon über das laufende Schuljahr hinaus: „Wünschenswert ist, dass zukünftig alle Auszubildenden zum Steuerfachangestellten mit einem Tablet und Pencil ausgestattet werden und dass mehr digitale Lehr-Lern-Arrangements und Lernvideos entwickelt werden. Die Steuerberaterkammer hat inzwischen eine eigene Plattform mit interaktiven Übungen eingerichtet. Diese Plattform werde ich mit meinen Schülern erproben.“

Von Ingo Petersen