Das Resultat wenig fachgerechter Arbeit ist selbst für den Laien offensichtlich. Foto: t&w

Teures Schlüsselerlebnis

Barendorf. Den Schlüssel hatte sie dabei, doch irgendwie wollte sich das Schloss der Haustür damit nicht mehr öffnen lassen. Also rief die Frau den Schlossnotdienst. Das sollte sie am Ende teuer zu stehen kommen – und ihren Vermieter erst Recht.

Dieter Harneit schildert den Fall, der ihn noch immer fassungslos macht. Der Neetzer besitzt ein Haus in Barendorf, das er an eine türkische Familie vermietet hat. Als die Frau vorige Woche die Haustür aufschließen wollte, hakte das Schloss. Mehrere Versuche brachten keinen Erfolg. Sie blieb ausgesperrt. Da er selbst nicht auf Anhieb zu erreichen gewesen sei, habe die Frau einen Schlossnotdienst angerufen. Doch dabei geriet sie an ein dubioses Unternehmen, da besteht für Harneit kein Zweifel. Zwar habe die Frau extra darauf geachtet, dass die Firma eine Lüneburger Vorwahl habe, in der Annahme, dass so auch keine weiten Anfahrtskosten entstehen würden, gekommen sei dann aber jemand aus Hamburg in einem Auto mit Moerser Kennzeichen.

Vermeintlicher Fachmann nicht ganz geheuer

Harneit kam später hinzu, da war fast alles gelaufen. Ihm kam der vermeintliche Fachmann aber gleich nicht ganz geheuer vor. Doch auf Nachfragen habe der ausfallend und beleidigend reagiert. Am Ende habe der vermeintliche Fachmann für seine Dienste nicht nur happige 345 Euro verlangt und von der eingeschüchterten Mieterin auch bekommen – wohlgemerkt war der Notfall weder zu nächtlicher Stunde noch am Wochenende –, und zudem nicht nur das Schloss zerstört. Harneit ist mächtig sauer: „Der ist so diletantisch vorgegangen, dass die Haustür hin ist. Da muss eine neue her.“ Weil es sich um Sondermaße handelt, fällt der Kostenvoranschlag entsprechend üppig aus: „Für mich bedeutet das einen Schaden von rund 2000 Euro.“

„345 Euro für eine Türöffnung während des Tages ist eindeutig zu teuer“, sagt Sabine Oppen-Schröder von der Lüneburger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Da kann man schon von Wucher sprechen.“ Ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen von 2017 habe ergeben, dass die Preise in Niedersachsen dafür im Durchschnitt zwischen 70 und 115 Euro liegen.

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Dass hier ganz offensichtlich kein seriöses Unternehmen am Werk war, sondern jemand in einer kleinen Notlage groß abkassiert hat, belegt für Hausbesitzer Harneit auch die Tatsache, dass seine Mieterin keine Rechnung oder eine Quittung mit Firmenadresse für das in bar gezahlte Geld erhalten habe. Er habe bei der Polizei noch eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten wollen, doch von dort habe es geheißen: Wenn zuvor ein Auftrag zur Türöffnung erteilt wurde, sei da kaum was zu machen.

Polizeisprecher Kai Richer bestätigt den Grundtenor: „Natürlich kann der geschädigte Hausbesitzer in diesem Fall trotzdem eine Anzeige erstatten, der Sachverhalt wird dann auch verfolgt. Aber wenn es den Auftrag gab, wird es schon problematisch, den Nachweis zu führen.“ Die Masche, mit der unseriöse Firmen schnell und reichlich Kasse machen wollen, ob mit der einer Türöffnung, mit Dacharbeiten, mit der Pflaster- oder Rohrreinigung, ist der Polizei bestens bekannt. „Wir hatten gerade einen ähnlichen Fall in Uelzen. Da wurden wir aber hinzugezogen, weil es Streit wegen einer horrenden Geldforderung gab. Da ist der beauftragte Handwerker – wenn man ihn denn so nennen darf – lieber ohne Geld davongefahren, ehe wir vor Ort waren.“

Es sei für die Polizei aber schwierig, generell zu warnen, „weil wir ja nicht ganze Gewerke unter Generalverdacht stellen wollen“, sagt Richter. Schließlich gebe es durchaus genügend seriöse Anbieter, auch in Lüneburg. Daher empfiehlt der Polizeisprecher grundsätzlich: „Auch in einer solchen Notlage lieber ein bisschen mehr Zeit dafür investieren, um dem Leumund eines Unternehmens auf den Grund zu gehen. Eine Lüneburger Vorwahl allein verhindert nicht, dass man in einem Call-Center in einer anderen Ecke Deutschlands landet.“

Ortsansässige Firmen bevorzugen

Auch Verbraucherschützerin Sabine Oppen-Schröder empfiehlt, vor der Beauftragung genau hinzuschauen, wen man da zurate zieht: „Bevorzugen Sie ortsansässige Firmen, um die Fahrtkosten gering zu halten. Überregionale Anbieter, die kein Ladengeschäft haben, sollte man meiden. Kunden sollten einen Festpreis vereinbaren. Bevor man unterschreibt, sollten sie die einzelnen Posten genau prüfen und Passagen streichen, die sie nicht wünschen oder nicht vereinbart haben. Wenn man nicht genügend Bargeld zur Verfügung hat, sollte man auf eine Zahlung per Rechnung bestehen.“ Ihr dringender Rat: „Fahren Sie nicht mit dem Monteur zum nächsten Geldautomaten.“ Denn oft werde von unseriösen Firmen Druck ausgeübt, dass angeblich nur Barzahlung möglich sei.

Wenn Kunden den Betrag bereits gezahlt haben, bleibe nur das Klageverfahren, um das Geld wieder zu bekommen. In solch einem Fall können sich Kunden bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.“

Harneit hat sein Geld schon abgeschrieben, doch eines ist ihm wichtig: „Ich möchte wenigstens andere vor solch einem Vorgehen warnen, damit die nicht auch auf derartige Betrüger reinfallen.“

Von Alexander Hempelmann