Mittwoch , 28. Oktober 2020

Der Wahlkampf hat begonnen

Lüneburg. Im Herbst kommenden Jahres wählt Deutschland einen neuen Bundestag, die Niedersachsen neue Kommunalparlamente – und die Lüneburger im Landkreis vier hauptamtliche Rathauschefs: In den Samtgemeinden Dahlenburg, Amelinghausen, Ostheide und Ilmenau. Amtsinhaber und mögliche Herausforderer bringen sich langsam, aber sicher in Stellung. Und dabei zeichnet sich eines jetzt schon ab: Nicht alle derzeitigen Bürgermeister werden auch in der nächsten Ratsperiode wieder auf dem Bürgermeisterstuhl sitzen. Die LZ hat sich umgehört – und ein erstes Stimmungsbild eingefangen.

Dahlenburg

Für den wohl größten Paukenschlag – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – sorgt in der Samtgemeinde Dahlenburg Bürgermeister Christoph Maltzan (47). Als Nachfolger von Joachim Dassinger, der von Beginn an glücklos im Dahlenburger Rathaus agiert hatte und 2012 vorzeitig aus dem Amt gewählt worden war, wollte Maltzan vieles anders und vor allem besser machen.

Aber die Samtgemeinde Dahlenburg, finanziell schon immer chronisch knapp bei Kasse, ist offenbar nur schwer zu führen. Erhalt und Modernisierung des alten Schützenhauses, Bau der Feuerwache-Nord oder die Modernisierung und Erweiterung des Samtgemeinderathauses … Das sind nur einige Projekte, die bei Maltzan ganz oben auf der Agenda stehen, beziehungsweise standen, aber keine Chance auf Realisierung hatten. Und bei Maltzan, der 2013 mit 81,6 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen von den Dahlenburgern ins Amt gewählt worden war, legte sich die Bürde des Amtes immer mehr wie ein Mühlstein um den Hals. Jetzt will der 47-jährige Familienvater die Konsequenzen ziehen und kündigt auf LZ-Nachfrage an: „Ich werde im nächsten Jahr nicht mehr für eine zweite Amtszeit kandidieren!“

Die Entscheidung, den Rathausstuhl zu räumen, sei während der Sommerferien gefallen. Zuvor hatte ihn die CDU gefragt, ob er erneut für das Amt des 29Bürgermeisters kandidieren wolle. „Mein Entschluss, aufzuhören steht“, bekräftigt Maltzan, der sich nach Ende seiner Dienstzeit verstärkt „der Familie und der Gesundheit“ widmen möchte.

Dafür werfen jetzt schon mehr oder minder offen andere Bewerber ihren Hut in den Ring: Etwa Stefan Mondry, seit 2010 Kämmerer der Samtgemeinde Dahlenburg. Der 54-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er seinen „Noch-Chef“ beerben will und vor allem – dass er sich das Amt des Bürgermeisters durchaus zutraut. „Hier in der Samtgemeinde muss endlich was passieren!“, sagt Mondry.

„Wir befinden uns in der Findungsphase bei der Suche nach einem Kandidaten“, hält sich Uwe Meyer (CDU) dagegen noch bedeckt. Er bedauert aber, dass Maltzan nicht mehr antreten will.

Franz-Josef Kamp (SPD) sagt in einem kurzen Statement gegenüber der LZ: „Zweimal hat es mit den Kandidaten nicht geklappt, jetzt werden wir als SPD das selbst in die Hand nehmen.“ Die Sozialdemokraten planen, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen. Namen will Kamp noch nicht nennen.

Amelinghausen

Spannend wird die Personaldiskussion auch in der Samtgemeinde Amelinghausen: Tritt Claudia Kalisch (Grüne) im September 2021 wieder an – oder wirft sie das Handtuch? Die Bürgermeisterin selbst hält sich bedeckt: „Ich werde mich zu dieser Frage frühestens im November äußern, wenn der Samtgemeindehaushalt verabschiedet ist“, erklärt die Rathauschefin gegenüber der LZ.

Kritiker halten ihr vor, dass sie keine Verwaltungsfachfrau sei, sich mit vielen Leuten überworfen habe und es nicht schaffe, die Reihen zu schließen. Die so Gescholtene sieht das anders: „Ich bekomme von Bürgern und Mitarbeitern viel Zuspruch“, hält sie dagegen. Die Situation in Amelinghausen ist – finanziell gesehen – ähnlich angespannt bis dramatisch wie in der Samtgemeinde Dahlenburg. Und wo das Geld knapp ist, liegen naturgemäß die Nerven blank.

Ein Herausforderer von Kalisch könnte Felix Petersen heißen: Der 32-Jährige ist nicht nur gelernter Verwaltungsmann, sondern auch als Mitglied im Samtgemeinderat und als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes bestens vernetzt. Eine Kandidatur lehnt Petersen trotzdem ab: „Ich sehe meine Rolle in Amelinghausen dort, wo ich jetzt auch schon sitze – im Rat! Und nicht im Rathaus“, weist er Spekulationen gleich im Vorfeld zurück. Für ihn sei jetzt auch nicht die entscheidende Frage, wer künftig im Rathaus regieren wird, „sondern wie wir die vielen ungelösten Probleme der Samtgemeinde gelöst bekommen. Neben der Corona- haben wir auch eine Finanzkrise zu bewältigen“, mahnt der Christdemokrat, was die Überschuldung unserer Kommune betrifft ist es ‚Eine Minute vor zwölf!“.

Und zur Kandidatenfrage: „Der Fahrplan steht. Wir werden jetzt eine Findungskommission bilden, die das Anforderungsprofil für einen Kandidaten erarbeiten wird.“ Anfang nächsten Jahres will die CDU dann auch konkret über mögliche Kandidaten sprechen.

Wie die SPD in Amelinghausen denkt, darüber war gestern bis Redaktionsschluss nichts in Erfahrung zu bringen.

Ostheide

Seit November 2006 sitzt Norbert Meyer (SPD) unangefochten auf dem Stuhl des Bürgermeisters. Und amtsmüde ist der Chef der Samtgemeinde Ostheide noch lange nicht. Bei der Bürgermeisterwahl im Herbst 2021 will Meyer erneut antreten – und dabei mit großer Wahrscheinlichkeit wieder auf einen Gegenkandidaten der CDU treffen, der schon bei der letzten Bürgermeisterwahl gegen ihn angetreten war: Den Neetzer Christdemokraten Karsten Johansson. Der hat gegenüber der LZ bekräftigt, dass er durchaus Lust hat, ein zweites Mal seinen Hut in den Ring zu werfen.

Ein Wahlkampfthema könnte der Schulneubau in Neetze werden – von der Mehrheit des Samtgemeinderates gegen die Stimmen der SPD in der jüngsten Samtgemeinderatssitung beschlossen. Insofern erstaunlich: Vorher hatte noch breiter Konsens darüber bestanden, die alte Grundschule zu modernisieren und zu erweitern. Ein Plan, der auch von der Lehrerschaft ausdrücklich gelobt wurde. Es kann also durchaus spannend werden in der Samtgemeinde Ostheide.

Ilmenau

Keine ernsthaften Sorgen um seine Wiederwahl muss sich, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, der Bürgermeister in der Samtgemeinde Ilmenau, Peter Rowohlt, machen: Der Sozialdemokrat kann auf eine beeindruckende Bilanz in seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister verweisen: Ein neues Rathaus, eine neue gemeindeübergreifende Kinderkrippe, ein neues Feuerwehrhaus in Kolkhagen und nicht zu vergessen: Schulneu- beziehungsweise Erweiterungbauten in Deutsch Evern und Melbeck. Um nur einige Investitionen zu nennen.

„Läuft“, könnte Rowohlt sagen, und selbst von der CDU mag ihm da kaum einer ernsthaft widersprechen. Auch Hubert Ringe nicht, der bei der letzten Wahl zum Samtgemeindebürgermeister Rowohlt unterlegen war. Längst arbeiten die beiden vertrauensvoll zusammen. Hubert Ringe als Bürgermeister der Gemeinde Deutsch Evern und als Samtgemeinderatsmitglied, Rowohlt als Rathauschef.

Ob die CDU in dieser Situation überhaupt einen Gegenkandidaten stellen wird? Jörg Lietzke, Vorsitzender des CDU-Samtgemeindeverbandes Ilmenau, äußerst sich denn auf LZ-Anfrage nur vorsichtig: „Bis zum Frühjahr werden wir diese Frage geklärt haben.“

Von Klaus Reschke

Strabs-Gegner will in die Politik

Dahlenburg: Wilfried Reiser will bei den „aktiven Bürgern“ mitmachen

Dahlenburg. Angedeutet hatte sich dieser Schritt schon seit längerer Zeit – jetzt macht es Wilfried Reiser offiziell: Der 71-jährige Dahlenburger, der seit 2019 als Sprecher das Gesicht der Bürgerinitiative (BI) gegen die Straßenausbaubeitragssatzung in Dahlenburg ist, will sich nun auch kommunalpolitisch im Flecken Dahlenburg betätigen. Die bei vielen Bürgern umstrittene Straßenausbaubeitragssatzung habe sich zu einem beherrschenden gesellschaftlichen Thema entwickelt. „Aber sie ist nicht alles“, so Reiser. „Es gibt viel mehr Themen, für deren Umsetzung ich streiten möchte. Mitdenken, mitreden, mitgestalten und mitentscheiden sind unabdingbare Aufgaben für Demokraten“, betont der ehemalige Betriebs- und Marktwirt in einer Pressemitteilung.
Deshalb habe er sich dazu entschieden, den aktiven Bürgern (aB) im Flecken Dahlenburg beizutreten. „Auch die aktiven Bürger stehen geschlossen hinter der Abschaffung der Strabs. Ihr Fraktionsvorsitzender, Viktor Trautmann, war einer der Ersten, der sich im Gemeinderat für die Abschaffung der Satzung stark machte“, gibt Reiser zu bedenken, der sich aber auch weiterhin im Niedersächsischen Bündnis gegen Straßenausbaubeiträge (NBgS) engagieren will.

Reiser will bei den Kommunalwahlen 2021 für die aktiven Bürger antreten, so er von der Fraktion aufgestellt wird. Auf deren Jahreshauptversammlung sei er bereits einstimmig zum Öffentlichkeitsreferenten der aktiven Bürger in der Samtgemeinde Dahlenburg gewählt worden. Und er kündigt an: „Das soll erst der Aufgalopp sein.“ kre

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Die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen