Dienstag , 27. Oktober 2020
Uni-Vize Christian Brei vor dem Zentralgebäude. Foto: Leuphana

Kein Spargroschen, sondern verplantes Geld

Lüneburg. Zwei Mal nahm der Finanz- und Haushaltsausschuss des Landtages das Thema „Finanzierung des Zentralgebäudes der Leuphana“ kurzfristig von der Tagesordnung. Grund waren LZ-Berichte über ein ehemaliges Konto der Uni in London und deren bemerkenswerte Rückstellungen. Grund genug für Leuphana-Vize Christian Brei, im Interview die Dinge aus seiner Sicht zu schildern, bevor der Ausschuss vermutlich am 30. September abschließend über den dritten Nachschlag für den Libeskind-Bau entscheidet.

Im Jahr 2003 hatte die Leuphana auf einem Londoner Konto zwei Millionen Euro als Festgeld angelegt, 2016 knapp 51 Millionen. Ist der Landeszuschuss für die Uni zu üppig bemessen, wie der Landesrechnungshof argwöhnt?

Christian Brei: Da vergleichen Sie Äpfel mit Birnen und verleiten zu einem falschen Schluss. Die Universität hatte im Jahr 2003 eine Festgeldanlage bei der Nord/LB in Höhe von 2 Millionen Euro bei einer Gesamtliquidität von 7,6 Millionen. 2016 betrug diese Liquidität tatsächlich 50,8 Millionen Euro, aber keineswegs auf einem Festgeldkonto bei der Nord/LB. Die Höhe dieses Betrages rührt einerseits daher, dass die Universität, inzwischen fusioniert mit der Fachhochschule, finanziell gesehen heute etwa viermal so groß ist wie 2003. Außerdem war 2016 ein Ausnahmejahr, denn damals gingen viele Zuwendungen für den Bau des Zentralgebäudes auf unser Konto ein. Normal sind etwa 40 Millionen Euro. Diese Mittel sind aber, zum Teil über mehrere Jahre, nahezu komplett verplant. Das Geld ist also keinesfalls etwa als Spargroschen zu verstehen, das gibt der Landeszuschuss nicht her, und das entspräche auch nicht unserer Aufgabe.

Wieso landete Leuphana-Geld an der Themse?

Die Universität hat zu Zeiten, in denen man mit Festgeld noch Zinsen erwirtschaften konnte, Teile ihrer liquiden Mittel als Festgeld angelegt. Die Nord/LB als Hausbank der Universität hatte zwischen 2003 und 2008 angeboten, das Geld wegen eines besseren Zinssatzes über ihre Londoner Filiale zu verwalten. Die Uni selbst hat nie ein Konto in London gehabt, sondern immer nur bei niedersächsischen Instituten, hier konkret bei der Nord/LB als landeseigener Bank in Hannover.

Warum bildet die Universität solche Liquiditätsreserven?

Natürlich müssen auch wir Vorsorge treffen und einen Teil unserer Mittel für unvorhergesehene Ausgaben bereithalten. Nehmen Sie etwa die Bewältigung der Corona-Krise. Hier wurden kurzfristig erhebliche Investitionen in die technische Ausstattung erforderlich, um den Vorlesungsbetrieb auf Online-Formate umstellen zu können. Der Löwenanteil unserer Mittel ist aber – wie gesagt – fest verplant und für Maßnahmen vorgesehen, die in der Regel mehrjährig laufen. Das sind zum Beispiel projektbezogene Personalmittel oder Sachmittel für Forschung und Lehre, für Projekte von Professuren oder für Investitionen in Baumaßnahmen oder IT. Bei einem jährlichen Finanzvolumen der Universität von über 110 Millionen Euro geben wir 40 Millionen schließlich in nur rund vier Monaten aus.

Ist eine derart hohe Liquiditätsquote für Stiftungsunis normal?

Wenn man sich im Land Niedersachsen umschaut, stellt man fest, dass andere Hochschulen eine ähnlich hohe oder sogar höhere Liquidität haben, sowohl was absolute Zahlen angeht, als auch in Relation zu ihrem Landeszuschuss. Dass Universitäten über ausreichende Liquidität verfügen, ist zur Erfüllung ihrer Aufgaben zwingend notwendig, denn sonst könnten sie keine Projekte mehr planen und umsetzen.

Wurde das Geld bei Forschung und Lehre eingespart, um es in das Libeskindsche Betongold umzuleiten?

Einsparungen bei Forschung oder Lehre hat es nicht gegeben und wird es auch nicht geben. Selbst Mittel aus Stellen, die zeitweise unbesetzt sind, z.B. nach einem Weggang oder vor einer Neuberufung einer Professur, stehen den Fakultäten in vollem Umfang zur Verfügung und werden für keine anderen Zwecke verwendet. An der Leuphana sind zu keinem Zeitpunkt Stellen gestrichen worden, um damit etwa eine Querfinanzierung von Baukosten vorzunehmen. Wir haben in unserem Haushalt eine klare Trennung zwischen Personal- und Investitionsmitteln.

Sind die Immobilien das eigentliche Tafelsilber der Leuphana, das man über Vermietungen vergolden kann?

Die Immobilien bilden das Grundstockvermögen der Stiftung, die die Universität trägt. Sie zu bewirtschaften, ist unsere Aufgabe, und zur Finanzierung des Zentralgebäudes war dies auch schon immer vorgesehen. Nicht mehr benötigte Immobilien wollen wir jetzt aber nicht mehr verkaufen, wie es zunächst vorgesehen war, sondern vermieten, und damit langfristig zusätzliche Einnahmen für den Universitätshaushalt erzielen. Das verschafft uns zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Wo steht die Uni im niedersächsischen Vergleich, was eingesetztes Geld und wissenschaftlichen Ertrag angeht?

Die Leistungsbilanz der Leuphana kann sich sehen lassen. Nach den uns vorliegenden Daten des Landes gehört die Leuphana zur Spitzengruppe der niedersächsischen Universitäten, wenn es um das Verhältnis der Leistungen in Forschung und Lehre und dem vom Land eingesetzten Geld geht. So konnte die Leuphana zum Beispiel ihre Forschungsdrittmittel in den letzten Jahren mehr als vervierfachen; die Publikationsleistungen sind dabei noch deutlich stärker gestiegen. In der Lehre verzeichnen wir eine sehr hohe und gerade in diesem Jahr erneut deutlich gestiegene Nachfrage nach Studienplätzen; alle unsere Studiengänge sind ausgelastet, und bei der Stipendiatenquote der Studienstiftung des deutschen Volkes liegen wir unter den Top 10 Universitäten in Deutschland. Das alles sind Spitzenwerte für Niedersachsen.

Von Joachim Zießler