Mittwoch , 28. Oktober 2020
Jana Hora-Goosmann ist ab Mitte Oktober in der Rolle der Mona Herzberg in der ARD zu sehen. Foto: Michael Behns

Als Heimwerkerin mehr Talent als beim Singen

Lüneburg. Den Weg nach Lüneburg kennt sie inzwischen gut. In den vergangenen Jahren war Jana Hora-Goosmann immer mal wieder in der Stadt, mehrmals war sie im engeren Kreis derer, die für die Hauptrolle der Roten Rosen infrage kamen. Auch für die 18. Staffel, die Mitte Oktober startet, war sie im Rennen. Vier, fünf Mal reiste sie zum Casting an. „Mein Mann hat sich immer extra freigenommen, um mich zu fahren“, verrät sie. Der Aufwand und der partnerschaftliche Beistand sollten sich auszahlen. Diesmal setzte sich die 52-Jährige durch, die Produktionsfirma Serienwerft verpflichtete sie als neue Hauptdarstellerin.

Plötzlich musste alles ganz schnell gehen

„Dass es jetzt endlich geklappt hat, hat mich natürlich riesig gefreut“, gibt „die Neue“ zu. „Als ich den Anruf mit der Zusage bekommen habe, bin ich erstmal in lauten Jubel ausgebrochen. Da fällt auch der ganze Druck von einem ab.“ Dann ging alles ganz schnell, auch weil durch die Corona-Pause die Zeit zwischen Castings und Drehstart noch kürzer war als sonst. „Zwischen Zusage und erster Szene lagen keine drei Wochen.“ In der kurzen Zeit musste sie den Lebensmittelpunkt von Berlin nach Lüneburg („ein total süßes Städtchen“) umorganisieren, reichlich Text lernen, einen Corona-Test absolvieren, zur Kostümprobe – „alles ging zack-zack“.

Und noch etwas ist anders in der neuen Staffel: Erstmals dreht sich die Hauptgeschichte nicht um eine Frau, sondern um zwei. Neben Jana Hora-Goosmann spielt Judith Sehrbrock die zweite Hauptrolle. Dass sie nicht allein im Mittelpunkt steht, womöglich die Aufmerksamkeit teilen muss, ist für Jana-Hora Goosmann aber kein Problem, im Gegenteil: „Ich fand es eine schöne Idee, auch die Geschichte ist toll. Und ich habe gerade auch nicht das Gefühl, dass ich deshalb weniger zu tun haben.“

Das Arbeitspensum sei schon enorm: 4.45 Uhr aufstehen, kurz nach 6 Uhr in der Maske, Dreh bis 18.30 Uhr, danach kurz runterkommen, dann Text lernen für den nächsten Tag. „All das wusste ich zwar vorher, aber in der Realität ist das dann nochmal was anderes“, gibt sie zu. „Es ist schon eine enorme Herausforderung, bei dem Pensum die Qualität zu halten.“

Was sie antreibt, ist vor allem die Rolle: „Als ich das Drehbuch gelesen habe, habe ich sofort gedacht: Ich bin Mona Herzberg. Sie ist mir gleich so nah gewesen. Das Temperament, die Fairness, die Vielschichtigkeit, all das fühlte sich gleich so vertraut an. Und sie ist auch Vorbild: Mir imponiert, dass sie mit Anfang 50 nochmal ganz neu anfängt.“

Partner führte jahrelang ein Doppelleben

Mona Herzberg ist eine warmherzige, optimistische Frau. Als Tochter eines Lüneburger Tischlermeisters kann sie zupacken, alles Praktische geht ihr leicht von der Hand. Als sich ihr Vater einst neu verliebte war sie mit ihrem Lebensgefährten Andreas nach Münster gegangen, um einen Neuanfang zu wagen. Doch kurze Zeit später tauchte ihr Vater bei ihr auf – im Arm einen Säugling, Sara. Seine neue Freundin war unerwartet verstorben, er völlig überfordert mit dem Baby. Mona nahm ihre Halbschwester bei sich auf. Zwanzig Jahre läuft alles rund, dann wird Andreas ein Job in Lüneburg angeboten. Mona entschließt sich, zurück in ihre alte Heimat zu ziehen. Dort trifft sich nicht nur alte Bekannte wie Thomas Jansen, auf dessen Kinder sie einst aufgepasst hat, sie entdeckt auch, dass ihr Partner jahrelang ein Doppelleben führte und eine zweite Familie hat…

„Ich mag die Geschichte von zwei starken Frauen, die sich nicht an die Gurgel gehen und an den Haaren ziehen, als sie erfahren, dass sie vom selben Mann betrogen wurden“, sagt Jana Hora Goosmann. Dazu die vielen Parallelen zwischen ihr und der Rollenfigur. Auch das Handwerkliche, das zur Rolle gehört, ist ihr nicht fremd. „Ich komme zwar aus einem Arzthaushalt. Aber mein Vater hatte viel Spaß daran, am Wochenende unser Haus auszubauen. Und ich habe mir auch schon mal selbst zu Weihnachten einen Akkuschrauber geschenkt“, erzählt sie mit einem Lächeln. Handwerklich sei sie also durchaus nicht unbedarft, doch auch bei der Frage, was sie denn nicht so gut kann, ist sie um eine ehrliche Antwort nicht verlegen: „Dialekte und Gesang.“ Da passt es gut, dass ihre neue Rolle beides nicht erfordert.

Karrieredaten

Schauspielerin, Schriftstellerin, Bloggerin

Mit Anfang 20 hat sich Jana Hora-Goosmann für die Schauspielerei entschieden. Unterricht nahm sie in Köln, später auch in Los Angeles. Seit Anfang der 90er-Jahre ist sie immer wieder in Serien und Filmen zu sehen. Viele Zuschauer kennen sie als Polizistin Stefanie Vorath in der RTL-Serie „Die Wache“. Sie spielte im Kölner Tatort mit, war bei „Nesthocker – Familie zu verschenken“ im ZDF zu sehen, zählte zum Cast beim Drama „Suchkind 312“, wirkte bei „Für alle Fälle Stefanie“ ebenso mit wie bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

Eine besondere Erfahrung waren für sie Dreharbeiten für den Film „Kryger bleibt Krüger“ an der Seite von Horst Krause in Tschechien, der Heimat ihrer Eltern, die sie verließen, als Jana Hora-Goosmann zehn Monate alt war. „Da habe ich zum ersten Mal vor der Kamera Tschechisch gesprochen.“

Neben der Schauspielerei hat sie zwei Romane im Eigenverlag veröffentlich: „Wenn einer geht, folgen alle anderen“ und „Skin-Slip: Berlin ist ein Dorf!“. Zudem schreibt sie in ihrem eigenen Blog „Trötgedanken“ Anekdoten von A bis Z.

Von Alexander Hempelmann