Freitag , 30. Oktober 2020
Die Gewässer im neuen Naturschutzgebiet bieten zahlreichen geschützte Arten eine Heimat. Foto: Landkreis

Wertvoller Verbund von Biotopen

Lüneburg/Radbruch. Biber sind hier ebenso anzutreffen wie das Bauchneunauge. Oder Schmetterlinge. Und viele weitere geschützte Tier- und Pflanzenarten. Die Bäche mit ihren Randstreifen und die umliegenden Waldbgebiete bei Radbruch sind wertvolle Biotope, die es zu schützen gilt. Der Landkreis hat nun im zweiten Anlauf den erwarteten und erhofften Schritt gemacht: Der Umweltausschuss des Kreistages hat auf der Sitzung im Kulturforum mehrheitlich dafür gestimmt, das „Naturschutzgebiet Hohes Holz mit Ketzheide und Gewässern“ auszuweisen. Neben den Waldflächen, die im Eigentum der Niedersächsischen Landesforsten sind, und ausgewählten Grünlandflächen wurden insbesondere Gewässer und nur ein schmaler Randstreifen in die Verordnung aufgenommen.

„Wir haben hier ein weites Interessenfeld zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, das wir abwägen müssen“, hatte Maja Züghart vom Fachdienst Umwelt zuvor erklärt. Bei der Sitzung betonte sie erneut die besondere Bedeutung der Biotope. Mit der nun gefundenen Lösung habe man „auch die Bedenken der Landwirte berücksichtigt“.

Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten

Mitte Juli hatte der Kreistag die Bedeutung der Biotope zwar auch gesehen, aber den Beschluss über die Naturschutzgebietsverordnung vertagt. Seither wurden weitere Gespräche mit Landwirten, Unterhaltungsverband und der Gemeinde Radbruch zu den Inhalten der Verordnung geführt. Dabei ging es vor allem um die Gewässer Hausbach, Düsternhopenbach, Roddau und Bornbach. Sie haben eine große Bedeutung für den Wasserabfluss und für die Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen. Gleichzeitig dienen sie als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten und haben eine große Bedeutung für den Biotopverbund, für den Wasserhaushalt und für das Landschaftsbild.

Klar war: Der Landkreis Lüneburg hat die Verpflichtung, die FFH-Gebiete zu sichern und zu entwickeln. Dieser Verpflichtung ist der Kreis nun nachgekommen. Ob Biotopverbund oder Wasserhaushalt – „mit dem Naturschutzgebiet wollen wir beides für die Zukunft sichern“, sagte Züghart. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird ein mit der Naturschutzbehörde einvernehmlich abgestimmter Unterhaltungsplan erstellt. In diesem Plan wird der Umfang der abflusssichernden Maßnahmen sowie die Inhalte der Pflege und Entwicklung detailliiert und ortsbezogen geplant, dokumentiert und für die Zukunft festgelegt.

Neue Regeln für Besucher

„Soweit ein für diese Gewässer einvernehmlich abgestimmter Unterhaltungsplan vorliegt, können für alle Beteiligten aufwändige Zustimmungen in der Zukunft vermieden werden“, heißt es im Entwurf. Damit liegt eine einheitlich abgestimmte Grundlage vor, die die Basis für die künftige Zusammenarbeit bildet. Aus Sicht der Verwaltung sei die wirtschaftliche Betroffenheit einzelner Landwirte sehr gering, sagte Züghart. Kommt innerhalb von zwei Jahren ein Einvernehmen bezüglich des Unterhaltungsplans nicht zustande, entscheidet der Kreisausschuss.

Klar ist auch: In und rund um das Naturschutzgebiet werden neue Regeln für Besucher in Kraft treten. Hunde gehören hier an die Leine, Spaziergänger und Radfahrer sollen in den Wäldern auf den Wegen bleiben.

Von Werner Kolbe

Weitere Eingliederungen in FFH-Gebiete

Lückenschluss im Landkreis

Der Umweltausschuss des Kreistages hat auch die Änderung der „Landschaftsschutzgebietsverordnung des Landkreises Lüneburg“ beschlossen. Damit werden Lücken geschlossen, sagte Maja Züghart. Denn in diesem Verfahren würden die restlichen, noch nicht anderweitig geschützten Teilbereiche von Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH), die 2011 im Verfahren für Landschaftsschutzgebiete aus verschiedenen Gründen nicht mit einbezogen worden, gesichert. Es handelt sich um folgende Gebiete:

Ilmenau Stadtgebiet (FFH 71)

Neetzekanal (FFH 212)

Neetze und Gräben bei Horburg (FFH 212)

Barumer Schöpfwerkskanal (FFH 212)

Reihersee und Neetze bei Lüdershausen (FFH 212)

Bei den privaten Bau- und Gartengrundstücken wurde konsequent die Flurstückgrenze als Landschaftsschutzgebietsgrenze angewendet.