Dienstag , 27. Oktober 2020
Neben der Petition übergaben Karina Timmann (l.) und Anja Franke (im Hintergrund) auch eine wasserspeichernde Pflanze an Oberbürgermeister Ulrich Mädge (m.) und Landrat Jens Böther. Foto: Michael Behns

Petition: 92.000 Stimmen gegen Coca-Cola-Brunnen

Lüneburg. Dürre, Grundwasser, Coca-Cola – diese Mixtur sorgt in Lüneburg seit Monaten für Gesprächsstoff. Die Bürgerinitiative „Unser Wasser“ will eine „weitere Kommerzialisierung“ des Lüneburger Grundwassers stoppen und den Bau eines dritten Brunnens verhindern. Auch die Lüneburgerin Karina Timmann sorgt sich um die Trinkwasser-Reserven. Zum Schutz des Grundwassers hat sie die Petition „Unser Trinkwasser gehört uns – nicht Coca-Cola” auf Change.org gestartet. Rund 92.000 Menschen haben ihre Forderung bereits unterstützt. Am Montag hat sie ihre Petition an Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge übergeben, der in Begleitung von Landrat Jens Böther erschien.

Lüneburger Brunnen-Gegner bei Kundgebung vor dem Rathaus

Gemeinsam mit der Schauspielerin Anja Franke („Rote Rosen”) übergab Timmann auf dem Marktplatz in Lüneburg die Unterschriften, mit dabei waren rund 30 Lüneburger, die sich ebenfalls gegen einen dritten Brunnen aussprechen. Im Rahmen der Übergabe fand vor dem Rathaus eine Kundgebung statt, Timmann betonte: „Sauberes und jederzeit verfügbares Trinkwasser ist besonders in Zeiten des Klimawandels und der vermehrten Hitze-Sommer ein schützenswertes Gut und muss für viele Generationen vorgehalten werden.“ Das Grundwasservorkommen gehöre der Allgemeinheit und „darf nicht verkauft werden“.

Die Auswirkungen auf Umwelt und zukünftige Generationen durch die Wasser­entnahme sei nicht absehbar. „Wir brauchen ein Wassermanagement, welches solche regionale Entnahmen zukunftsfähig und generationengerecht reguliert und im Zweifel unterbindet”, forderte Karina Timmann.

Coca-Cola: „Wir wissen, dass jeder Tropfen zählt“

Coca-Cola-Betriebsleiter Thorsten Kiehn nahm zu den Forderungen Timmanns und der Unterstützer Stellung. „Die Petition fordert im Grunde bereits geltendes Recht beziehungsweise behördliches Vorgehen bei der Vergabe von Wasserrechten.“ Klar sei: Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung habe immer Vorrang vor gewerblicher Nutzung. Trinkwasser sei zudem nicht gleichzusetzen mit Mineralwasser. „Wir verwenden kein Trinkwasser, sondern fördern natürlich reines Mineralwasser. Mineralwasser ist das einzige Lebensmittel in Deutschland, das einer amtlichen Anerkennung bedarf. Es darf quasi nicht behandelt werden.“ Und weiter: „Coca-Cola fördert derzeit in Lüneburg über zwei bestehende Brunnen mit Erlaubnis der zuständigen Behörden 1,6 Prozent der insgesamt im betreffenden Grundwasserkörper genehmigten Entnahmen.“

Für Kiehn ist klar: „Wir wissen, dass jeder Tropfen zählt. Der Schutz und der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource sind uns besonders wichtig und gehören zu den Schwerpunkten unseres Umweltmanagements.“ Jahr für Jahr würde sein Unternehmen den Wasserverbrauch in der Produktion verringern: „Seit 2010 haben wir in Deutschland den Wasserverbrauch pro Liter Getränk um 17 Prozent gesenkt.“

Konzern will nun weniger Wasser hochpumpen

Unterdessen hat die Bürgerinitiative „Unser Wasser“ auf eine kürzlich bekannt gewordene Idee des Konzerns reagiert. Eigentlich sollen für den umstrittenen, aber vorgeschriebenen Pumpversuch, der im Oktober starten soll, 118.000 Kubikmeter Grundwasser hochgepumpt werden und im Bachlauf des „Kranken Hinrich“ versickern. Doch nun hat der Konzern vorgeschlagen, weniger Wasser hochzupumpen: 60 statt 85 Kubikmeter pro Stunde über sieben Wochen. „Das wären insgesamt 40.000 bis 50.000 Kubikmeter weniger“, betonte Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt, bei der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses. Anschließend könnte Coca-Cola einen Antrag stellen, eine wasserrechtliche Genehmigung erhalten, Leitungen von der Bohrstelle bis zum Betriebsgelände bauen und später einen neuen Antrag mit höherer Pumpleistung stellen.

Der Pumpversuch würde also quasi weitergeführt werden – nur dass das Wasser nicht versickert und verschwendet wird, sondern in Flaschen abgefüllt werden kann. Die Bürgerinitiative sieht das in einem Brief an Stefan Bartscht, der der LZ vorliegt, sehr kritisch: „Besonders erstaunlich ist, dass diese Antragsänderung zu einem Zeitpunkt erfolgt, in der die SPD ein unabhängiges Gutachten gefordert hat.“

Unterm Strich fordert die Bürgerintiative einen Aufschub der Erlaubniserteilung, bis die von der Landesregierung geplante Änderung der Verordnungen an die Gegebenheiten wie dem Klimawandel erfolgt ist. Zudem müsste die Gebühren, die Coca-Cola für die Wasserentnahme zu entrichten hat, erhöht werden.

Von Lea Schulze und Werner Kolbe