Dienstag , 27. Oktober 2020
In den vergangenen Wochen musste aufgrund der Corona-Regeln beim theoretischen Unterricht viel improvisiert werden, sagt Cem Aksoy, Vorsitzender des Lüneburger Kreisfahrlehrerverbandes. Foto: t&w

Rückstau bei den Fahrprüfungen

Lüneburg. In der Schule waren sie wochenlang ausgebremst, da wollten die jungen Erwachsenen plötzlich woanders Gas geben: Die coronabedingte Schließung der Bildungseinrichtungen beschert Lüneburgs Fahrschulen seit Sommer einen ungewohnten Eifer seitens der jungen Kundschaft. Und das stellt die Fahrlehrer bis zum heutigen Tag vor gewaltige Herausforderungen.

Der Hintergrund: Viele der Fahranfänger sind jetzt eigentlich so weit, um ihre Prüfungen ablegen zu können. Doch auch der dafür zuständige TÜV musste aufgrund des Shutdowns gewissermaßen eine Vollbremsung hinlegen und verzeichnete einen neunwöchigen Stillstand. Entsprechend lang war der Rückstau bei den Prüfverfahren – und er verkürzt sich jetzt erst nach und nach.

Von „Wochen voller Herausforderungen“ spricht Cem Aksoy, Kreisvorsitzender des Lüneburger Fahrlehrerverbandes. Denn nach der wochenlangen Zwangsschließung der Fahrschulen war der Andrang auch auf den theoretischen Unterricht entsprechend groß – dem gegenüber stand ein aufgrund der neuen Abstandsregelungen deutlich eingeschränktes Platzangebot. Aksoy und seine Kollegen bewiesen Kreativität, wichen zum Beispiel auf große Säle in Lüneburger Hotels aus.

45.000 Prüfungen im Jahr in der Region

Derweil versuchte der TÜV Nord gewissermaßen alles was möglich war auf die Straße zu bringen, um die Bugwelle an ausgefallenen Prüfungen abzuarbeiten und dem dazu noch größeren Aufkommen in Theorie und Praxis gewachsen zu sein. „Da gab es anfangs natürlich viele Fragen bezüglich der Hygienevorschriften“, schildert Martin Schreiber, Regionalleiter des TÜV Nord. Spuckschutz, provisorische Trennwände – nach und nach habe die Zahl der Plätze für die theoretische Prüfung auf früheres Niveau aufgestockt werden können.

Der hiesige TÜV musste dabei nicht nur den Standort Lüneburg im Auge behalten, Schreibers Zuständigkeit bezieht sich auf die gesamte Region mit den Landkreisen Lüneburg, Harburg, Celle, Uelzen, Lüchow-Dannenberg sowie den Heidekreis. Jährlich rund 45.000 Prüfungen verschiedener Art nimmt das TÜV-Team an diesen Standorten ab.

Fahrschüler bittet auch ungeduldige Eltern um Verständnis

Für die praktische Fahrprüfung gibt es in diesen sechs Kreisen insgesamt acht Startpunkte, entsprechend viel sind die 15 Prüfer unterwegs. Unterstützt werden sie derzeit von weiteren Mitarbeitern, die ebenfalls die Lizenz haben, Fahrprüfungen abzunehmen. Ergänzend wurden zeitweilig auch sonnabends Prüftermine angeboten. „Wir liegen derzeit bei rund 120 Prozent der sonst üblichen Kapazitäten“, sagt der Regionalleiter.

Bei den Fahrschulen weiß man dieses Angebot des TÜV durchaus zu schätzen: „Die versuchen da schon alles“, sagt Aksoy. Doch neun Wochen Rückstand könne man nicht mal eben aus dem Handgelenk wieder abbauen, weiß er: „Da kann es heute schon mal vier Wochen dauern, bis man einen Termin zur Prüfung auch bekommt.“

Im Namen des Fahrlehrerverbandes bittet er daher Fahrschüler und auch ungeduldige Eltern um Verständnis, wenn es derzeit alles etwas länger dauert und improvisiert werden muss: „Auch für uns alle waren die vergangenen Wochen eine Ausnahmesituation.“ Alltag wird so schnell nicht wieder einkehren, das ist schon äußerlich an der Maskenpflicht zu erkennen, die im Auto für Fahrlehrer und -schüler weiterhin gilt.

Von Thomas Mitzlaff