Freitag , 30. Oktober 2020
Der Rohbau entspricht nicht den Festsetzungen im B-Plan. Deshalb wurde die Bauaufsicht des Kreises tätig und legte die Baustelle still. Foto: Michael Behns

Wendisch Evern: Ärger um eine stillgelegte Baustelle

Wendisch Evern. Heidemarie Apel muss nicht lange suchen: „Hier liegen überall diese Plastikschnipsel herum…“, ärgert sich die Biologin und sammelt zum Beweis einen weiteren Fetzen auf. Woher der stammt, ist nach Ansicht der Nachbarn keine Frage – vom halbfertigen Rohbau im Wendehammer des Hedwig-Schulz-Weges, der so gar nicht in die gepflegte Neubau-Siedlung in Wendisch Evern passt. Auf dieser Baustelle nämlich hat schon lange kein Handwerker mehr gearbeitet. Das einzige, was sich hier bewegt, sind die Planen, mit denen der Dachstuhl notdürftig abgedeckt wurde und die sich nun immer mehr auflösen.

Drei Tage später wurde der Bau stillgelegt

Mit jedem Windstoß verteilen sich die Fetzen der maroden Gewebeplanen nun auf der Straße, den Gräben und in den Gärten – zum Unmut der Nachbarn, die die Behörden mit Nachdruck zum Handeln auffordern. „Das geht so nicht weiter“, formulierte Heidemarie Apel ihren Ärger in der Bürgerfragestunde während der jüngsten Ratssitzung in Wendisch Evern.

Dabei ist das Problem in der Gemeinde hinlänglich bekannt. Die Bauaufsicht des Landkreises hatte den Rohbau im Frühjahr vergangenen Jahres stillgelegt – weil er gegen den gültigen Bebauungsplan verstößt: Statt eingeschossig – wie im Plan vorgesehen – sollte der Bau zweigeschossig werden. Nachbarn fiel der Verstoß im Frühjahr vergangenen Jahres auf. Sie wandten sich an die Bauaufsicht des Landkreises – „und drei Tage später war der Bau stillgelegt“, erinnert sich Christian Striepe, der auch im Gemeinderat sitzt.

Mit geänderter Planung soll es weitergehen

Bauherr ist Herbert Sievers: „Die Situation tut mir leid“, zeigt sich der Wendisch Everner gegenüber der LZ verständnisvoll. Er sieht die Schuld freilich vorrangig bei seinem ersten Architekten. „Eine zweigeschossige Bauweise war nie geplant“, beteuert er. Nun habe er einen neuen Planer beauftragt. In der Hoffnung, das mit einer geänderten Planung die Bauaufsicht des Kreises doch noch grünes Licht für den Weiterbau gibt.

Bei der Gemeinde hatte Sievers zudem eine Befreiung vom gültigen Bebauungsplan beantragt – ohne Erfolg: „Das hat der Rat abgelehnt“, berichtet Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer, der auch das Amt des Gemeindedirektors in Wendisch Evern wahrnimmt. Den Vorschlag des Bauherrn, die Spitze des Dachstuhls zu „kappen“, um so die Höhe des Gebäudes zu reduzieren, lehnten die Anwohner ab. Auch ein Gespräch mit den Beteiligten im Frühjahr dieses Jahres in der Turnhalle – initiiert von Gemeindedirektor Meyer – brachte keine Einigung.

Bauherr will die Schnipsel aufsammeln

Also flattern vorerst auf der Baustelle weiter nur die Planen im Wind – und rauben den Nachbarn den letzten Nerv und die Nachtruhe: „Die schlagen bei Sturm wie große Segel“, moniert Anwohnerin Ute Besold – „das macht richtig Lärm.“

Dazu sagt Sievers: „Ich würde gerne die Planen runternehmen und weiterbauen, aber wir kämpfen mit dem Bauamt.“ Das habe sich seinen Worten zufolge noch nicht zu den geänderten Plänen seines neuen Architekten geäußert. Und zur Umweltbelastung, die durch seine marode Planen entsteht, sagt Sievers: „Die Schnipsel können von uns eingesammelt werden.“ Ein Vorschlag, der bei den betroffenen Anwohnern wohl noch mehr Ärger hervorrufen wird. Dafür aber will jetzt das Ordnungsamt der Samtgemeinde wegen der umherfliegenden Schnipsel gegen den Bauherrn tätig werden.

Von Klaus Reschke