Sonntag , 25. Oktober 2020
Anja Köhler dekoriert den Hof jedes Jahr aufs neue liebevoll mit ihren prachtvollen Kürbissen. Foto: t&w

Dachtmissen: Farbenfrohe Kürbis-Pracht

Dachtmissen. Gelb, grün, orange, pickelig, prall oder länglich, auf dem Hof der Köhlers in Dachtmissen kann man sie dieser Tage in allen Formen, Farben und Größen bewundern: Kürbisse. „‘Dein Hof sieht schön aus, Anja‘, hat heute ein kleines Mädchen zu mir gesagt. Wenn das wahrgenommen wird, freue ich mich schon“, sagt Anja Köhler, die den Hof liebevoll mit einem Teil ihrer Ernte dekoriert hat.

Seit 1991 betreibt sie den Hof gemeinsam mit ihrem Mann, dessen Familie hat ihn schon seit dem 16. Jahrhundert in ihrem Besitz. Die Köhlers bauen auf 100 Hektar Land Getreide, Kartoffeln, Rüben, Mais und eben Kürbisse an, haben außerdem 1500 Hühner in Freilandhaltung. „So liebevoll und intensiv gepflegt wie der Kürbis wird hier keine Pflanze“, verrät Klaus Köhler. „Jeder von ihnen wird von Hand geerntet und gebürstet.

Das warme Wetter tat den Kürbissen gut

Kürbisse sind wärmeliebend, deswegen werden sie auch erst im Mai in die Erde gesetzt. Außerdem benötigen sie viel Feuchtigkeit und einen gut versorgten, humusreichen Boden. Die Köhlers sind froh über das warme Wetter momentan, hoffen, dass es noch eine Weile so bleibt. Denn: „Es gibt Sorten, die nicht mehr richtig nachreifen, wenn sie jetzt nicht mehr viel Wärme bekommen, der Butternut-Kürbis zum Beispiel“, erklärt Anja Köhler. „Das Schlimmste ist Bodenfrost, der zerstört die Zellen und schränkt die Haltbarkeit der Kürbisse ein.“

50 verschiedene Sorten Kürbisse bauen die Köhlers an, „immer mal wieder schleicht sich eine Zucchini ein, die wir gar nicht gepflanzt haben – durch Rückkreuzungen.

Die Resonanz der Kunden bislang sei sehr gut, erzählt das Ehepaar. Besonders beliebt seien die Speisekürbisse Hokkaido, Butternut und Rondini, aber auch zahlreiche ungenießbare Zierkürbisse verkaufen sich gut. Trotzdem ist in diesem Jahr alles anders: „Besonders viel Spaß haben mir immer die Schnitzgruppen gemacht. Mit den Kindergarten- und Grundschulkindern habe ich jedes Jahr gemeinsam die Kürbisse ausgehöhlt, mit den eigenen Kindern fing es an und wurde dann zu einem echten Highlight.

Bis zu 12 000 Kürbisse pro Jahr

Wegen Corona wird das, zumindest in der gewohnten Form, wohl nicht stattfinden“, sagt Anja Köhler bedauernd. „Wenn dann nur mit Mundschutz, so richtig helfen dürfte ich den Kleinen auch nicht. Es ist gerade schwer vorstellbar, wie das funktionieren könnte, aber warten wir es erst mal ab.“

Wieviele Kürbisse sie pro Jahr genau ernten, können die Köhlers schwer einschätzen, 3000 Sämlinge haben sie eingepflanzt. „Irgendwas zwischen 8000 und 12 000 vielleicht“, tippt Landwirt Klaus Köhler.

Die Köhlers freuen sich auch über das aufpolierte Image des Kürbisses, der gerade wieder in aller Munde ist. „Da ist viel passiert“, sagt Anja Köhler. „Es gibt einerseits ganz viele tolle, neue Rezepte, andererseits kramen die Leute auch mal wieder ganz alte Rezepte raus, süß-sauer einlegen zum Beispiel.“ Die Köhlers haben vor vielen Jahren in Namibia den Squash-Kürbis für sich entdeckt. „Gefüllt mit Fetakäse, Olivenöl und Kräutersalz ist der ein Genuss“, so Anja Köhler. Den Hokkaidokürbis isst die Familie am liebsten in Form einer fruchtig-scharfen Suppe, den Butternutkürbis mit Süßkartoffeln und Zucchini im Ofen gegart.

Der Hof bleibt in Köhler‘scher Hand

Höhepunkt der Kürbis-Saison ist Halloween Ende Oktober, sie endet etwa nach Weihnachten. „Das hängt ganz davon ab, wie lange wir es schaffen, den Hokkaido zu lagern, weniger als 5 Grad verträgt er nicht, außerdem darf die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch sein“, so Klaus Köhler.

Der Ackerbau-Hof wird übrigens noch mindestens eine weitere Generation in Köhler‘scher Hand bleiben: „Wir haben sogar zwei Aspiranten“, sagt Klaus Köhler schmunzelnd. „Zwei unserer drei Kinder studieren Landwirtschaft.“

Von Lea Schulze