Freitag , 30. Oktober 2020
Inge Prestele, Vorsitzende des Vereins Stadttauben Lüneburg, lockt die Tauben mit Genehmigung der Stadt durch gezieltes Füttern zum Behördenzentrum. Hier entstehen zwei Taubenschläge, die dabei helfen sollen, den Tierbestand zu kontrollieren. Foto: fr

Der Tausch-Trick

Lüneburg/Hittbergen. Es gurrt in Inge Presteles Hinterhof. Rund 60 verletzte Tauben päppelt die Vorsitzende des Vereins „Stadttauben Lüneburg“ in ihrer Voliere in Hittbergen auf. Sie sind ein kleiner Teil der rund 1000 Tauben, die in Lüneburg leben. Damit sich die Vögel in den Volieren nicht weiter vermehren, wendet Prestele einen Trick an – den Eiertausch. Damit will sie auch den Taubenbestand in der Innenstadt regulieren.

Inge Prestele betreibt sozusagen „Geburtenkontrolle“. Das Prinzip ist einfach: Immer, wenn eine ihrer Tauben ein Ei gelegt hat, tauscht es Prestele durch eine Attrappe aus. Ein Griff unter das Gefieder der Taube – und schon hat sie das echte durch ein Kunststoff-Ei ersetzt. Ein bis zwei Tage hat sie Zeit, dann erst entwickelt sich Leben in dem Ei. Im Monat kommen etwa 30 Eier zusammen, die Prestele einsammelt, denn die Tauben sind eifrige Brüter: Sechs Mal im Jahr legen sie Eier, jeweils meistens zwei Stück.

In der Lüneburger Innenstadt steigt momentan die Zahl an Tauben, weil deren Nester noch nicht kontrolliert werden können. Die Vögel tummeln sich am Stint oder auf dem Marktplatz – eigentlich überall dort, wo es etwas zu fressen gibt. Rund 50 Gramm Körner brauchen die Vögel am Tag, das ist so viel wie ein Brötchen. Weil sie selten so viel zu fressen finden, werden sie krank oder verletzen sich wegen des langen Herumlaufens an den Füßen, erläutert Prestele. Der Lüneburger Stadttauben-Verein arbeitet deshalb seit dem vergangenen Jahr durch gezielte Fütterung daran, das Problem zu lösen. Der nächste große Schritt steht jetzt an.

Eigentlich ist Taubenfütterung in der Stadt verboten

Fünf Taubenschläge sollen entstehen, in denen der Eiertausch möglich wird: Zwei bis zum November an der Bardowicker Mauer, zwei am Behördenzentrum Auf der Hude, einer an der Oberschule am Wasserturm. Pro Schlag sollen 200 Tauben Platz haben. Sie werden dort gefüttert, können in Ruhe brüten – aber ihre Eier werden stets gegen Attrappen ausgetauscht. So soll weiterer Nachwuchs verhindert werden. „Unser oberstes Ziel ist es, ein System zu installieren, in dem die Tiere kontrolliert leben können“, sagt Prestele.

Den ersten Schritt hat der Verein bereits getan: Die Vögel sind zum großen Teil von den Hotspots in der Innenstadt verschwunden. Stück für Stück hatten Prestele und ihre Kollegen die Tauben durch Fütterung an die Stellen herangeführt, wo die Taubenschläge gebaut werden sollen. Eigentlich ist Taubenfütterung in der Stadt verboten, aber für diesen Zweck habe es das Ordnungsamt erlaubt.

Zum Bau der Schläge müssen nun noch der Denkmalschutz und die Stadtbildpflege zustimmen. Die Finanzierung übernehme die Stadt Lüneburg: Rund 25.000 Euro stelle sie dieses Jahr dafür zur Verfügung, so Prestele. Aus eigener Tasche und mithilfe von Spenden zahlt der 20 Mitglieder starke Verein die Fütterung der Tiere – zwischen 600 und 800 Euro im Monat.

Wichtig zur Vorbereitung des Projekts ist laut Inge Prestele die Mithilfe der Lüneburger. Die Vereinsvorsitzende sagt: „Es ist wichtig, dass sich jeder traut, die Eier auszutauschen, sobald er ein Nest bei sich entdeckt.“ Auf der Internetseite www.stadttauben-lueneburg.de gibt es eine Anleitung, wie der Eiertausch funktioniert. Gegen eine Spende können dort die Kunststoff-Eier bestellt werden.

Von Franziska Ruf