Dienstag , 27. Oktober 2020
Die Purena ist für die Trinkwasserversorung in der Region Lüneburg zuständig. Geschäftsführer Thomas Meyer fordert ein „modernes Tarifsystem“. Foto: t&w

Die große Herausforderung

Lüneburg. Thomas Meyer bringt es auf den Punkt. „Wir müssen die Negativ-Trends durchbrechen“, sagt der Purena-Geschäftsführer. Er ist an diesem späten Nachmittag einer der Referenten auf der Sondersitzung des Umweltausschusses der Stadt. Das Thema Wasser treibt ihn seit mehr als 30 Jahren um. Meyer, den man auch als „Wächter des Lüneburger Grundwassers“ bezeichnen könnte, spricht von einer „großen Gemeinschaftsaufgabe“. Einer Aufgabe, der sich Stadt und Landkreis Lüneburg bereits stellen.

Die Sondersitzung soll den Ausschussmitgliedern und den rund 30 Gästen die große Aufgabe, die große Verantwortung verdeutlichen, vor der die Gesellschaft steht. Denn die Trinkwasser-Versorgung ist angesichts des Klimawandels auch in Lüneburg längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Sparsamer Umgang als Gebot an die Industrie

„Es gibt immer noch Klimawandel-Leugner“, sagt Meyer. Dabei seien die Veränderungen unübersehbar. Als Beispiel nennt er einige seit Jahren sinkende oberflächennahe Grundwasser-Stände – zum Beispiel an der Messstelle Niendorf im Kreis Uelzen. „Tendenziell gehen die Grundwasser-Pegel zurück.“ Für ihn hat das mit dem Klimawandel zu tun. Eindeutig. Wer das nicht damit in Verbindung bringt, müsse aber zugeben: „Da hat sich etwas verändert“. Diesen Veränderungen soll und muss begegnet werden.

Meyer erntet Applaus, als er betont: „Wir wollen keine Konkurrenten im Einzugsbereich unserer Trinkwasser-Brunnen“. Für ihn ist klar: Trinkwasser muss immer und überall Vorrang haben. Dezernent Markus Moßmann skizziert diesen Vorrang in seinem Bericht über die „Benutzung von Grundwasser im Zusammenhang mit Wasserrecht“. Die Liste der Grundwasser-Nutzer in Lüneburg ist lang. Coca-Cola, Dr. Paul Lohmann, dedon, Marwitz, und Yangfeng stehen ebenso darauf wie das Freibad Hagen.

„Wir werden genau hinschauen“

Für die Industrie gilt ganz klar das Gebot des sparsamen Umgangs mit Wasser, sagt Moßmann. Wasserentnahmen dürfen keine negativen Auswirkungen haben. Bei neuen Anträgen soll die Öffentlichkeit beteiligt werden. Das gilt für Coca-Cola, das gilt aber auch für die Firma Lohmann, die pro Jahr rund 1,1 Millionen Kubikmeter Grundwasser entnehmen darf. 90 Prozent davon dient als Kühlwasser – und wird dann in den Elbe-Seitenkanal geleitet. Die wasserrechtliche Erlaubnis endet am 31. Dezember 2024, aber das Unternehmen bringt schon jetzt eine Verlängerung mit gleichen Konditionen auf den Weg.

Das dürfte allerdings kein Selbstläufer werden. Moßmann kündigt an, genau hinzuschauen. Zum Gebot der Sparsamkeit gehört auch, dass man neue Technologien nutzt, um den Grundwasser-Bedarf zu reduzieren. Klar ist auch, dass Wasserschutzgebiete neu abgesteckt werden müssen. Markus Moßmann zeigt einen Entwurf, bei dem die Grenzlinie mitten durch den Einzugsbereich der Lohmann-Entnahme läuft. Ob und welche Konsequenzen das haben könnte, steht noch nicht fest. Aber im Oktober wird es einen sogenannten Scoping-Termin geben. Dabei wird es dann auch um neue Messstellen gehen. Thomas Meyer will dabei sein. „Wir werden genau hinschauen“ sagt er. Denn das sei seine Aufgabe.

Angemessene Preise für Grundwasser

Eine Aufgabe soll auch die Landesregierung erhalten. Nach dem Landkreis will auch die Stadt eine Resolution zum Thema Wasser auf den Weg bringen und das Land dazu bewegen, das Wasserhaushaltsgesetz endlich den Veränderungen und Herausforderungen anzupassen. Nach der Vorstellung der Resolution aus der Feder der SPD hakt es zwar etwas. Das ernste Thema scheint im „wer wann wo was zuerst oder auch nicht gesagt hat“ in den Hintergrund zu rücken. Es gibt Kritik: Der Resolutionsentwurf sei nicht konkret genug, sagt Ausschussmitglied Frank Soldan (FDP), er sei viel zu vage, moniert Christoph Podstawa (Linke). Zudem sei einmal mehr die überragende Bedeutung der Ilmenau nicht einbezogen worden, mahnt das beratende Mitglied Thomas Mitschke (Nabu).

Als Oberbürgermeister Ulrich Mädge versichert, dass auch das Thema Ilmenau an den Resolutionstext angehängt und bald komplettiert wird, ist der Konsens, der rote Faden auf dieser Sitzung wieder sichtbar: Ein modernes Wassermanagement ist unabdingbar, muss schnell erarbeitet und umgesetzt werden, muss die Auswirkungen des Klimawandels ebenso im Blick haben wie den sparsamen Umgang mit der Lebensgrundlage.Dazu gehöre auch, dass etwa Unternehmen endlich angemessene Preise für Grundwasser-Entnahmen zahlen sollen. Meyer nennt das „kluge, moderne Tarifsysteme“. Wer Wasser verschwendet oder falsch nutzt, müsse zur Kasse gebeten werden.

Von Werner Kolbe