Mittwoch , 21. Oktober 2020
Erweitert und modernisiert werden muss die Schäfer-Ast-Schule in Radbruch. Auch in Vögelsen gibt es Handlungsbedarf. Foto: be

Aussprache über Schulpläne

Bardowick. Bei Silke Rogge ist der Kampfgeist erwacht. Das betonte die Bürgermeisterin von Vögelsen und SPD-Ratsfrau bei der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderates Bardowick. „Weil die Diskussion über die Zukunft der Schulstandorte Vögelsen und Radbruch durch die Verwaltung hinter verschlossenen Türen begonnen wurde.“

Nachdem das Thema jedoch publik ist, bei Sitzungen und in der Presse öffentlich darüber gesprochen wird, glühen die Drähte im Gemeindebüro Vögelsen, wie Rogge erzählte. Die Debatte hatte nun auch am Dienstagabend den Weg in den Samtgemeinderat gefunden. Als Aussprache, ohne Beschluss.

Wie berichtet, gibt es seitens der Verwaltung erste Überlegungen, wie sich die Zukunft der beiden Schulstandorte gestalten lässt, wenn 2025 der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen kommt. Die Vorschläge: Umbau und Erweiterung der bestehenden Gebäude, Neubau an beiden Standorten, ein gemeinsamer Grundschul-Neubau für Mechtersen, Radbruch und Vögelsen an einem Standort.

Der von Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) favorisierte Weg ist, dass eine Steuerungs- und mehrere Arbeitsgruppen die Grundlage für eine Entscheidung schaffen. Bürgermeister, Schulleitungen, Samtgemeindeausschuss und Elternvertreter waren bereits informiert, im Oktober sollte die Steuerungsgruppe das erste Mal tagen.

Bedürfnisse der Kinder müssen Priorität haben

Er betonte bei der Ratssitzung: „Jeder soll seine Sorgen und Nöte loswerden, wir wollen alle Betroffenen mit ins Boot holen, eine offene Basis bieten. So wollen wir innerhalb eines Jahres ein ganz breites Meinungsbild bekommen, damit die Politik dann entscheiden kann.“

Für ihn sei klar, dass die Bedürfnisse der Kinder Priorität haben müssten, sagte Luhmann. „Wirtschaftliche Fragen stehen nicht im Vordergrund, aber wir müssen sie trotzdem abklopfen, denn es wird mit Sicherheit ein zweistelliger Millionenbetrag auf uns zukommen.“

Der stellvertretende Verwaltungschef Arndt Conrad erklärte, dass es anders als kolportiert keine Vorfestlegung auf eine der Varianten gebe. „Dieser Vorwurf ist falsch. Wir haben nur den Plan für einen Dialog entwickelt, den wir führen müssen. Das gehört sich so bei großen Entscheidungen wie der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz.“

Die Bitte um Aussprache nahmen die Ratsmitglieder dankend an. Manfred Mundt (SPD) machte klar: „Die Schule gehört ins Dorf, weil sie wichtig für ein gesundes Dorfleben ist. Eine Schule auf der grünen Wiese ist hingegen nichts anderes als ein unlebendiger Körper.“ Silke Rogge ergänzte, auch im Namen ihres Radbrucher Bürgermeister-Kollegen Rolf Semrok (CDU), dass eine Schule im Ort unverzichtbar für eine Gemeinde sei. „Sie ist wichtiger Bestandteil der Infrastruktur, trägt zur Integration der Neubürger bei, verhindert zusätzliche Verkehre durch Schulbusse und Elterntaxis.“

Daher müssten die Standorte in Vögelsen und Radbruch erhalten bleiben. „Ohne Schule ist ein Ort eine Schlafgemeinde“, meinte sie.

Achim Gründel (SPD) sagte, es seien zwei prosperierende Schulen, die jede für sich ausreichend Ausbau- und Entwicklungspotenzial habe. „Deshalb ist es richtig, dass wir genau jetzt ein Statement für beide Standorte abgeben, bevor wir später vielleicht nichts mehr kontrollieren können.“ Günther Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) meinte, die Spekulation, dass die Entscheidung durch die Hintertür getroffen werden soll, hätte die Verwaltung verhindern können. „Indem sie von vorneherein alle Ratsfraktionen offen informiert hätte.“

Bislang wurden erst einmal Ideen auf den Markt gebracht

Markus Grube (CDU) gab sich entspannt. „Es ist nichts beschlossen, es wurde nur informiert“, sagte er. Das Thema gehöre in den Schulausschuss. Da könne dann besprochen werden, was alles beachtet werden muss. „Wir wissen doch noch gar nicht, was auf uns zukommt.“

Roland Krause (CDU) versuchte, die Diskussion einzufangen. „Wir sollten ein bisschen auf die Bremse treten und erst einmal fachliche Informationen einholen, um dann zu sehen, wie es weitergeht.“ Bislang sei nichts anderes passiert, als erste Ideen auf den Markt zu bringen. „Nun machen wir in Ruhe weiter und diskutieren ergebnisoffen darüber, was das Ziel sein soll.“

Von Stefan Bohlmann

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