Dienstag , 27. Oktober 2020
Der kurzsichtige Maulwurf sucht seinen Geburtstagskuchen, aber den haben die gierigen Pinguine längst gefressen. Foto: tonwert21.de

Kindertheater im T.3: „Pinguine können keinen Käsekuchen backen“

Lüneburg. Stefanie Schwab kann ein ganzes Schiller-Drama allein spielen, das beweist sie wieder am 14. Oktober. Sie kann aber auch Pinguin. Christoph Vetter kann ebenfalls Pinguin, ab 18. Oktober aber auch in Becketts „Endspiel“ ziehen. Britta Focht kann Huhn und Martin Skoda sogar Maulwurf. Schauspieler können also, wenn sie nur wollen, garantiert wirklich bestimmt alles spielen. Dieses Quartett will, und darum ist das erste Kinderstück seit Corona ein turbulenter bzw. tierischer Spaß im T.3: „Pinguine können keinen Käsekuchen backen“.

Die Kostüme sind echte Hingucker

Ulrich Hub schreibt in seinem Kinderstück aus dem Jahr 2001 über Gier, Neid und darüber, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Er treibt die im Grund gar nicht so lustige Geschichte mit szenischem Witz voran. Den greift Regisseurin Sabine Bahnsen auf, es ist viel los auf der Bühne, entsprechend viele Lacher gibt es aus dem Saal.

Ein paar Quader gliedern die Spielfläche, der größte in der Mitte glotzt die Besucher an wie ein geschnitztes Kürbisgesicht. Petra Maria Wirth hat die Bühne entworfen, vor allem aber hat sie fantasievolle Kostüme ersonnen, allein das Federkleid des Huhns ist ein echter Hingucker.

Als es losgeht, leuchtet nur ein Karton, der auf dem Podest in der Mitte den Käsekuchen abdeckt. Die beiden Pinguine tanzen und wanzen sich an den Teller heran, zögern kurz, aber schwupps ist der Kuchen weg. Das ist ja verständlich, wenn er so einsam herumsteht. Oder? Dass sie ihn geklaut haben, ist den Pinguinen endgültig klar, als der fast blinde Maulwurf auf die Bühne tapert, er hat sich den Kuchen zum Geburtstag bestellt.

Stück folgt nicht immer klassischer Logik

Die Pinguine lügen dem Maulwurf die Hucke voll, zergeln ordentlich an ihm rum, um ihn abzulenken. Sie würden dem grummeligen Maulwurf eigentlich ja gern einen neuen backen, aber Pinguine können das nun mal nicht. Auch nicht das angeberische Huhn, das ein wenig wie ein Fremdkörper in die streckenweise absurde, nicht immer klassischer Logik folgende Produktion stolziert.

Das Huhn ist ohnehin mehr als mit dem fehlenden Kuchen mit seinem selbstständigen Staubsauger befasst. Der lässt ab und an etwas Öl und gehorcht nicht so recht. Na ja, so ein Staubsauger ist auch nur ein Hund ­– und die sind bei Kindern sehr beliebt. Ist der Sauger der heimliche Star im Stück?

Christoph Vetter hat für das einstündige Spiel eine Menge Musik aufbereitet. Es wird sogar satt gerappt, das kommt beim jungen Publikum immer gut an. Für den Maulwurf gibt es ein mitsingbares Geburtstagsständchen – nur nichts Süßes.

Kleine Provokationen lockern das Spiel auf

Gespielt wird frisch nach vorn von einem homogenen Team, niemand nimmt sozusagen den anderen den Kuchen vom Teller. Sabine Bahnsen hat die Rollen entsprechend gleichwertig angerichtet. Sie sorgt mittendrin plötzlich für mächtig Rumms, und die Frage, ob der Maulwurf nun tot ist oder nur so rumliegt, stellt sich auch mal. Kleine Provokationen bis in die Sprache lockern das unterm Strich immer unterhaltsame Stück weiter auf.

Ob das ja durchaus ernste Thema hinter Slapstick und Action durchlugt, das können Eltern, Lehrer oder wer immer mit ins T.3 kommt, mit den jungen Besuchern besprechen. Empfohlen ist das Stück für Kinder ab sechs Jahren.

Die Pinguine Schwab und Vetter werden noch 14-mal Käsekuchen im T.3 verschlingen, an manchen Tagen gleich zweimal. Dann sind sie entweder süchtig oder allergisch. Die Kinder, die ihren Spaß mit dem Stück gehabt haben, werden ihren Eltern das Programmheft zeigen. Da steht’s nämlich drin: Man nehme 75 Gramm Margarine, 750 Gramm Quark, ein Paket Vanillepudding, Sahne darf natürlich nicht fehlen…

Von Hans-Martin Koch