Dienstag , 27. Oktober 2020
Die Kita Dorfstraße in Deutsch Evern leidet unter Personalmangel. Eltern monieren, dass deshalb die Betreuung reduziert werde. Foto: t&w

Deutsch Evern: Personalmangel sorgt für Ärger in Kita

Deutsch Evern. Personalmangel sorgt für Ärger im Kindergarten Dorfstraße in Deutsch Evern: In einem Schreiben an die Eltern hatten Gemeindedirektor David Abendroth und Kita-Leiterin Manja Bunse darüber informiert, dass „aufgrund eines hohen Krankenstandes und Personalmangels“ eine lückenlose Ganztagsbetreuung in der Zeit von 28. September bis 9. Oktober nicht gewährleistet werden könne. „Die Betreuungszeit“, so hieß es weiter, ende an diesen Tagen statt um 16 Uhr schon um 14 Uhr.

Diese Ankündigung aber ist für einige Eltern der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: „Wir erwarten eine Dienstleistung mit einem verlässliches Angebot und einer lückenlosen Ganztagsbetreuung von 8 bis 16 Uhr mit“, konterten fünf Mütter ihrerseits in einem Schreiben an Gemeindedirektor David Abendroth, das der LZ vorliegt. Andernfalls, so heißt es in dem Brief der Eltern weiter, werde man sich rechtliche Schritte vorbehalten.

Eine der Initiatorinnen des Elternschreibens, Carina Ossarek erklärt gegenüber der LZ, warum die fünf Mütter so harte Geschütze auffahren: „Das ist nicht das erste Mal“, ärgert sich die alleinerziehende Deutsch Evernerin, die zudem deutliche Kritik an der Personalpolitik übt. „Ich frage mich wirklich, wie und wo die Gemeinde Personal rekrutiert?, fragt sie provokativ.

„Der Markt ist wie leergefegt“

Antwort darauf geben David Abendroth und Manja Bunse: „Man habe alle nur erdenklichen Plattformen genutzt, um neues Personal zu finden, angefangen von Stellenanzeigen in der LZ und in den Nachbarzeitungen, auf der Homepage der Gemeinde bis hin zur Jobbörse bei der Bundesagentur für Arbeit sowie speziellen Fachportalen…. „Der Markt ist wie leergefegt, Personal nicht so einfach zu finden“, beteuert Bunse.

Carina Ossarek überzeugt das nicht: „Warum wendet man sich nicht an das Jugendamt und bittet darum, das man auch mit Tagesmüttern den Personalengpass beseitigt? Oder mit Honorarkräften oder Zeitarbeitsfirmen?“, nennt sie aus ihrer Sicht Alternativen. Für die Bemühungen der Kita-Leitung jedenfalls zeigt sie kein Verständnis, verweist auf die eigene Situation: „Bedingt durch die Corona-Pandemie habe man einschneidende Maßnahmen hinnehmen müssen“, listet sie auf. „Hierzu gehörten etwa über Monate keine Betreuung in der Kita, Kurzarbeit, Überstunden und Urlaubsabbau, Minusstundenaufbau, befristete Arbeitsverträge etc.“

Dass die Kita-Mitarbeiter aufgrund der Personalsituation selbst am Limit arbeiten, ficht die Kritikerinnen offenbar nicht allzu sehr an: „Die persönlichen Befindlichkeiten der Kita-Leitung interessieren mich nicht“, macht Ossarek gegenüber der LZ deutlich – „was wir fordern, ist eine Dienstleistung, die zuverlässig ist und die funktioniert!“

Mitarbeiter stellen persönliche Bedürfnisse zurück 

„Wir tun alles Menschenmögliche“, verteidigt sich Manja Bunse. Kollegen würden Urlaube absagen, beziehungsweise verschieben, um die Betreuung zu gewährleisten. So konnten wir die verkürzten Öffnungszeiten auf nur noch fünf Tage reduzieren“, berichtet sie, „außerdem haben wir fünf ‚Notplätze‘ im Kindergarten Moorfeld“.

Dieses Engagement würdigt auch Abendroth: „In Zeiten von schwierigen gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen aufgrund der Corona-Pandemie stellen unsere Mitarbeiter ihre persönlichen Bedürfnisse zurück.“ Dass trotzdem Stimmung gegen die Kita-Bediensteten gemacht und mit juristischen Schritten gedroht werde, kann er nicht nachvollziehen: „Das halte ich nicht für zielführend!“

Und in noch einem gewichtigen Punkt widerspricht der Gemeindedirektor den fünf Frauen. Die nämlich monierten auch die erweiterte Sommerschließung der Kitas in Deutsch Evern im nächsten Jahr. In ihrem Schreiben rechnet Ossarek vor, dass es sich dabei um fünf Wochen handle.

„Stimmt nicht!“, kontert Abendroth, es seien nur vier Wochen – und damit erfülle man den gesetzlichen Anspruch.

Ob Ossarek und ihre Mitstreiterinnen sich mit dieser Erklärung zufrieden geben, bleibt allerdings abzuwarten.

Von Klaus Reschke