Mittwoch , 28. Oktober 2020
Werum IT Solutions wächst. Auf dem Firmencampus wird das Areal zwischen Parkplatz und Bäumen mit zwei „Cubes“ nach Art des Gebäudes in der Mitte bebaut. Die Container links werden abgebaut. In knapp drei Jahren plant die Firma, die flachen Gebäude der Schwesterfirma Werum Software & Systems im Hintergrund zu übernehmen. Foto: t&w

Werum baut auf dem Firmencampus an

Lüneburg. Überall auf der Welt bereiten sich Pharmafirmen darauf vor, Unmengen von Impfdosen gegen Corona herzustellen, sobald die Waffe gegen die Seuche bereitsteht. Überall auf der Welt nutzen Pharmafirmen dafür Software, die aus Lüneburg kommt. Von der Werum IT Solutions GmbH. „Wir wachsen seit Jahren stetig“, sagt Jens Woehlbier, CEO, also Geschäftsführer des Weltmarktführers aus Lüneburg-Moorfeld. Ein Wachstum, das nun sichtbar wird. Ab dem 2. Oktober mischen sich Handwerker unter die IT-Experten, bauen zwei zweigeschossige Bürogebäude mit einem eingeschossigen Übergang.

Optisch folgen die Neubauten den hellen, lichtdurchfluteten „Cubes“, die den Firmencampus schon jetzt prägen. Sie bieten Platz für 150 Arbeitsplätze und machen so die „Container-Village“ genannte Notlösung aus dreifach gestapelten Containern überflüssig. Neu ist auf dem Campus auch, dass die Werum IT Solutions GmbH seit August unter dem Logo des Körber-Konzerns auftritt, der die Lüneburger im Jahr 2014 übernahm.

„Wir sind damit Teil der Pharma-Sparte Körbers“, erläutert Woehlbier, „und die wuchs in der Corona-Krise stärker als erwartet.“ Grund: Schon jetzt decken sich Pharmafirmen mit Transport- und Verpackungsmaschinen ein, um profitieren zu können, wenn das El Dorado gefunden wurde – der Impfstoff gegen Covid19.

Arbeitsabläufe auf Papier sind fehleranfällig

Das Virus habe nochmals die Vorteile der Werum-Produkte belegt, berichtet Woehlbier. Die Arbeitsabläufe in einer Pharmafirma lassen sich zwar auch auf Papierbasis organisieren, doch das sei fehleranfällig und kaum aus der Ferne lenkbar. „Die Firmen, die ihre Medikamentenproduktion mit unserer Software digitalisiert haben – neben den Giganten wie Merck und Bayer auch innovative Firmen, die an Zelltherapien forschen –, haben dagegen auch in der Corona-Phase eine ungestörte Herstellung.“

120 von insgesamt 450 Lüneburger Mitarbeitern werkeln derzeit in den gestapelten Containern. Sie sollen zu Silvester 2021 in die neuen Gebäude umziehen können, „in denen auch Arbeitsplatzmodelle der Zukunft umgesetzt werden“, wie Dirk Ebbecke, Head of Global Marketing & Communications, sagt. „Denn Corona hat uns gezeigt, dass wir auch aus dem Homeoffice und mit hybriden Modellen – also teilweise zu Hause, teilweise auf dem Campus – gut arbeiten können.“

Auch Biotechniker sind mit an Bord

Der Blick auf die Zukunft der Firma und des Lüneburger Standortes stimmt Jens Woehlbier optimistisch: „Wir werden dieses Jahr wie geplant zweistellig wachsen. Wir produzieren an 14 Standorten mit global über 700 Mitarbeitern, aber Lüneburg bleibt die Basis. Hier werden die Produkte entwickelt.“ Flankenschutz beim Wachstumskurs erhalte die Firma von der Stadt Lüneburg, „die unglaublich schnell unser Bauprojekt genehmigt hat“, vom Kreis und vom Land.

Weil in Moorfeld nicht nur Informatiker, sondern auch Naturwissenschaftler wie etwa Biotechniker arbeiteten, fließe einiges an Branchenwissen in die Software, was diese einzigartig mache. „Wir wollen in Zukunft die Wertschöpfungskette unserer Pharmakunden mit unserem Softwareangebot noch umfassender abdecken, sagt Woehlbier. „Deshalb suchen wir passende Champions aus anderen Bereichen, um integrierte Lösungen anbieten zu können.“

Platz für 30 neue Mitarbeiter

Wenig verwunderlich, dass bei Werums Expansionsplänen in den neuen Gebäuden Platz für 30 neue Mitarbeiter eingeplant ist. Damit Woehlbiers stolzes Resümee Bestand hat: „Wir haben in Lüneburg das weltweit größte Software-Zentrum für die Produktion von Impfstoffen und Medikamenten aufgebaut.“

Von Joachim Zießler