Dienstag , 27. Oktober 2020
Abonniert auf kantige Typen: Herbert Schäfer spielt in der ARD-Dauerserie die Rolle des Andreas Schröder, der ein geheimes Doppelleben führt. Auf dem Bildschirm zu sehen ist er ab Mitte Oktober. Foto: Michael Behns

Rote Rosen: Ein Leben, aufgebaut auf Lügen

Lüneburg. Er ist eloquent, charmant und kann sich gut verkaufen. Er ist ein Kümmerer und bemüht sich redlich, es allen recht zu machen. Mit seiner Lebensgefährtin Mona hat er deren kleine Halbschwester adoptiert und beiden ein liebevolles Zuhause in Münster bereitet. Doch Andreas Schröder hat noch ein Leben, eines, von dem Mona nichts weiß. Eine zweite Familie, mit einem leiblichen Kind, in einer anderen Stadt. Jahrelang kann der Vertriebler für Bettwäsche sein Doppelleben geheim halten. Doch dann bricht sein Lügengebäude zusammen.

Andreas Schröder ist die zentrale männliche Figur in der 18. Staffel der Roten Rosen, gespielt wird er von Herbert Schäfer. Der 51-Jährige mag seine Rolle, auch, weil sie nicht dem Klischee des klassischen Rosenkavaliers entspricht. Dass er jemanden spielen muss, der zwei Frauen über Jahre hinters Licht geführt hat, tut seiner Motivation keinen Abbruch: „Ich versuche immer, eine Figur lieben zu lernen. Ich kann das nicht angehen, wenn ich sie hasse und sage ‚Was für ein A…‘ Außerdem sehe ich Andreas auch nicht so einseitig, wie er zunächst erscheinen mag. Er ist sehr vielschichtig und ein kantiger Typ. Und auf kantige Typen bin ich abonniert. Früher habe ich es als Makel gesehen, nicht klassisch schön auszusehen, aber das ist heute nicht mehr so. Wer mich bucht, sucht immer einen Typen mit Ecken und Kanten.“

Im zweiten Versuch klappt‘s gleich in der ersten Runde

Ein solcher Typ war schon vor drei Jahren mal gefragt bei den Rosen, damals hatte Schäfer schon einmal vorgesprochen für die Serie. Was damals nicht sein sollte, hat nun gleich auf Anhieb geklappt, ganz ohne sonst durchaus übliche Extra-Runden. „Ich war jetzt nur einmal zum Casting hier“, sagt der gebürtige Bonner, der heute in Augsburg lebt – und Lüneburg schon in den ersten Wochen seines Wirkens bei den Rosen etwas kennen und zu schätzen gelernt hat.

„Ich bin wahnsinnig gern draußen und fahre täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dabei nehme ich immer andere Wege, weil ich es liebe, Orte und Menschen zu entdecken.“ So sei er jüngst beispielsweise auf die Kulturbäckerei gestoßen. „Ich laufe auch permanent durch Lüneburg. Noch kann ich das ja, ohne erkannt und angesprochen zu werden. Ich bin zum Beispiel wahnsinnig gern am Stint, obwohl es mich sonst eher nicht dorthin zieht, wo die ganzen Touristen sind.“

Doch natürlich sind ihm auch Dinge aufgefallen, die nicht zu den größten Pluspunkten Lüneburgs zählen. „Dieser Komplex am Handwerkerplatz war ja ein echter Schandfleck. Gut, dass der jetzt abgerissen wurde. Und der eine oder andere Radweg könnte sicher mal eine neue Teerdecke bekommen.“

Gut gefalle ihm hingegen die Atmosphäre am Set („Es macht richtig Spaß, mit diesem Team zu arbeiten“) und der „trockene Humor“ der Norddeutschen, der verträgt sich mit meinem Humor. Der kommt auch im Gespräch immer wieder durch, etwa wenn er augenzwinkernd verrät: „Ich stelle mein Fahrrad am Studio immer so ab, dass es jeder sehen kann und denkt ,Boah, ist der sportlich‘.“ Obwohl im Rheinland aufgewachsen ist ihm dagegen eine andere Facette des Humors ein Graus: der Karneval: „Dieses Verkleiden und Kamelle schmeißen – absolut lächerlich.“

Karrieredaten

Nie wieder den pädophilen Familienvater

Herbert Schäfer hat nach seiner Schauspielausbildung zunächst vor allem am Theater gespielt, darunter Klassiker wie den Hamlet und König Ödipus. Er hat als Sprecher fürs Fernsehen, für Radiostationen und Hörbuchverlage und für Computerspiele gearbeitet. Im Fernsehen war er unter anderem in Serien wie „Lindenstraße“, „Die Rosenheim-Cops“, „Der Lehrer“, „Hubert und Staller“ und „SOKO München“ zu sehen. Bei „Aktenzeichen XY …ungelöst“ spielte er häufig den Vater, der um seine Tochter trauert.
Eine herausfordernde Rolle übernahm er im Münchner Tatort, wo er Ende 2018 als pädophiler Familienvater zu sehen war. „Da hatte ich wirklich Bedenken“, sagt Schäfer. „Schon weil ich befürchtete, dass ich mich danach wochenlang nicht auf die Straße trauen könnte. Aber dem war dann nicht so. Dennoch: Einen Papa, der sich an seinem Sohn vergreift, würde ich nie wieder spielen.“
Auf seiner Facebookseite veröffentlicht der Schauspieler regelmäßig Videos mit literarischen Inhalten – eine Passion, für die er kein Geld bekomme: „Es ist mir aber ein großes Anliegen, Menschen mit Shakespeare und Co. vertraut zu machen, die sonst eher nicht zu den klassischen Theatergängern zählen.“

Von Alexander Hempelmann

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