Dienstag , 27. Oktober 2020
Im Rathaus Amelinghausen arbeitet nun mehr Personal, um die in den vergangenen Jahren angefallenen Überstunden abzubauen. Foto: t&w

Verwaltung setzt Rotstift an

Amelinghausen. Die Politik hatte gefordert, die Verwaltung geliefert: Nach mehreren Anläufen und zahlreichen Kürzungen konnte Amelinghausens neuer Kämmerer Stephan Kaufmann dem Samtgemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung in der Lopautalhalle einen zumindest ansatzweise ausgeglichenen Haushaltsplan für das kommende Jahr vorlegen. Die Fraktionen haben nun bis November Zeit, das Zahlenwerk unter- und miteinander zu besprechen.

„Das waren dicke Bretter, die wir intern gebohrt haben“, meinte Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) in Hinblick auf die gut 1,1 Millionen Euro, um die der Etat verschlankt werden musste, um die Zielvorgabe zu erreichen – was trotz der „Rasenmähermethode“, wie Kaufmann sie bezeichnete, nicht ganz gelang. Im ordentlichen Ergebnis weist der Etat nach wie vor ein Defizit auf: Mit nun 198.000 Euro fällt dieses mittlerweile aber geringer aus als ursprünglich geplant, könnte durch die Veräußerung eines Fahrzeugs noch auf 182.000 Euro gesenkt werden. Kalisch meinte: „Wir können nur noch unsere Pflichtaufgaben erfüllen.“

Samtgemeindeumlage wird angehoben

Erstmals habe man mit so genannten Eckwertbeschlüssen gearbeitet, erklärte der neue Kämmerer, bei denen sich die Verwaltung vom Rat Vorgaben hat machen lassen, bis zu welcher Höhe Mittel für die einzelnen Bereiche ausgegeben werden dürften. „Die Finanzansätze sind besser geworden, letztlich konnten wir die Ziele aber nicht ganz einhalten.“ Unter anderem wird die Samtgemeindeumlage um zwei Prozentpunkte auf 60 Prozentpunkte angehoben sowie pauschal bei den Personalkosten jener Betrag im Ansatz abgezogen, für den im Plan zwar Stellen vorgesehen, diese aber gar nicht besetzt sind.

Darüber hinaus wurden bei den verschiedensten Posten pauschal der Rotstift angesetzt: So sollen unter anderem die geplanten Ausgaben für Unterhaltungskosten um 20 Prozent, für Fahrzeugunterhaltung um 15 Prozent oder für Dienst- und Schutzkleidung sowie für Aus- und Fortbildung um jeweils 10 Prozent niedriger angesetzt werden.

Wohlwollend zur Kenntnis genommen

Die geplanten Investitionen ließen hingegen wenig Spielraum zu, so der Kämmerer: Allein 800.000 Euro muss die Samtgemeinde für die Erweiterung der Kindertagesstätte in Soderstorf ausgeben, weitere 640.000 Euro für die Sanierung des Stauwehrs, 170.000 Euro für die Neugestaltung des Wohnmobilstellplatzes und 120.000 Euro für den Neubau des Feuerwehrhauses in Rehlingen. Insgesamt belaufen sich die investiven Ausgaben auf rund 2,2 Millionen Euro, etwa 500 000 Euro können durch Zuschüsse und andere Einnahmen dagegen gerechnet werden, wodurch ein Kreditbedarf von immer noch 1,73 Millionen Euro verbleibt.

So ganz zufrieden war Kaufmann mit seinem Werk am Ende nicht, formulierte aber deutlich, wo in seinen Augen der Hund begraben liegt: „Im Kita-Bereich liegen wir mit 1,7 Millionen Euro im Minus, und das macht uns den Haushalt kaputt.“

Der Rat hingegen nahm das neue Zahlenwerk wohlwollend zur Kenntnis. Wolfgang Marten (SPD) meinte: „Wir werden uns mit dem Haushaltsplanentwurf vernünftig beschäftigen.“ Detlev Schulz-Hendel (Grüne) sagte: „Ich habe lange nicht mehr so viel Vertrauen in einen Kämmerer gehabt wie jetzt.“ Am 12. November soll der Etat final beschlossen werden.

Von Ute Lühr

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