Dienstag , 27. Oktober 2020
Die neue Arena an der Lüner Rennbahn: Der Landkreis baut dort jetzt doch selbst eine Küche ein. Damit kostet der Hallenbau noch einmal eine halbe Million Euo mehr als zuletzt geplant. Foto: be

Halbe Million Nachschlag

Bardowick. Die Kosten für den Bau der Multifunktionshalle an der Lüner Rennbahn erhöhen sich um weitere 500.000 Euro auf nunmehr aktuell geplante 21,9 Millionen Euro netto. Mit dieser zusätzlichen Summe sollen Küche und Gastronomiebereich ausgestattet werden.

Auf der Sitzung des Kreistags im Schützenhaus Bardowick wurde zumindest rhetorisch einmal mehr scharf geschossen. Und das Ergebnis war knapper als bei den Entscheidungen zuvor. 30 Befürwortern aus den Reihen von SPD und CDU standen 21 Gegenstimmen der Fraktionen Grüne, Linke, AfD und FDP/Unabhängige gegenüber, Johannes-Peter Marker (CDU) enthielt sich der Stimme.

Detlev Schulz-Hendel (Grüne) monierte als erster den Richtungswechsel, da die Verwaltung noch bis Anfang September argumentiert hatte, an den Plänen festhalten zu wollen, dass der künftige Pächter der Gastronomie die Einrichtung selbst tragen solle. Jetzt würde wieder „ein panikartiger Beschluss gefasst“, der ein Blankoscheck ohne schlüssige Bedarfsplanung darstelle.

Hans-Georg Führinger (CDU) verteidigte den neuen Kurs. Niemand habe erahnen können, dass eine derart schwierige Zeit kommen würde, verwies er auf die Corona-Folgen und sieht hier den Kreis „in der Verantwortung für Ersatz zu sorgen“.

AfD-Fraktionschef Christian-Eberhard Niemeyer regte dagegen an, „sich nicht dem Zeitdiktat zu unterwerfen“ und die Einrichtung der Küche um ein Jahr zu verschieben. In der Zwischenzeit könnten örtliche Caterer die Versorgung in der Halle übernehmen. Linke-Fraktionschef Markus Graff warnte ebenfalls davor, in dieser Frage nach dem Motto „Augen zu und durch“ zu agieren und prophezeite den Befürwortern: „Die Arena wird Ihnen auf die Füße fallen.“

Investition soll mit der Miete verknüpft werden

Da hielt es den erklärten Hallen-Fan Hinrich Bonin nicht mehr auf seinem Platz. „Es geht uns darum, einen Gastronomen zu gewinnen, der die Halle zum Brummen bringt.“ Oft habe der Kreistag sich „Dinge erträumt“, räumte er ein. Nun aber gehe es um den erfolgreichen Betrieb der Halle.

„Die Suppe wird immer breiiger“, konstatierte Tanja Bauschke (Grüne), hier würden „überforderte Kreistagsmitglieder in einer Sicherheit gewogen, die es nicht gibt“. SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp hielt dagegen: „Da entwickelt sich etwas Gutes.“ Kamp bezeichnete die Entscheidung als Vorratsbeschluss, der eine Obergrenze bestimme und versprühte Optimismus – „die guten Zeiten werden zurückkommen“.

Kreisrätin Sigrid Vossers warb abschließend für ein positives Votum, „da wir gemeinsam das Interesse haben, die Halle gut und funktionsfähig zu machen“. Die Verwaltung möchte die Ausschreibung „anpassen an Zeiten, die wir uns nicht gewünscht haben“. Sie folge damit ihren Beratern, die darauf verwiesen hätten, dass in der derzeitigen Situation kaum ein Gastronom Kredite bekommen werde. Die Investition werde jedoch mit der Miete verknüpft.

Den genauen Vertragstext für die europaweite Ausschreibung wird jetzt ein Frankfurter Fachanwaltsbüro erarbeiten und dem neuen Beirat der Arena-Betriebsgesellschaft zur Freigabe vorlegen, aber nicht dem Kreisausschuss, wie es zunächst vorgesehen war. Aus Zeitgründen heißt es. Während im Kreisausschuss auch Arena-Kritiker sitzen, entsandte der Kreistag in den Beirat am Montag zwei erklärte Befürworter aus den Reihen von SPD und CDU.

Update, 1. Oktober 2020: 

Dubber: Kritikerin der Arena berufen

Lüneburg. Die in den neuen Beirat der Arena-Betriebsgesellschaft von der CDU nominierte Ulrike Walter habe in den entscheidenden Sitzungen des Kreistags, in denen über den Weiterbau der Multifunktionshalle entscheiden wurde, stets mit Nein gestimmt, betonte CDU-Fraktionschef Günter Dubber. „Sie ist ausdrücklich keine erklärte Befürworterin der Halle“, reagierte der Christdemokrat auf den obenstehenden Artikel, begleite den jetzigen Prozess aber konstruktiv.
Im Kreistag hatten am Montag SPD und CDU einen weiteren Nachschlag um eine halbe Million Euro für die Küche und den Gastrobereich beschlossen – mit den Stimmen von Ulrike Walter und Hinrich Bonin (SPD), den Kreistag in dem neuen Beirat vertreten. Einer dessen erster Entscheidungen wird die Freigabe der europaweiten Ausschreibung des künftigen Pächtervertrages für den Gastrobetrieb sein. mr

Von Marc Rath