Dienstag , 27. Oktober 2020
Zeit für eine Pause, denn unterwegs gibt es für die Radfahrer viel zu entdecken. Foto: Landkreis

Auf „Zeitreise“ ins Mittelalter

Lüneburg. Altmark, Wendland, Lüneburger Heide – schon die Namen dieser Kulturlandschaften lassen das Herz bei vielen Natur- und Fahrradbegeisterten höher schlagen. Auf einer Länge von 163 Kilometern, durch zwei Bundesländer, drei Landkreise und drei Städte verbindet der neue „Hanse-Wendland-Radweg“, der am Wochenende eröffnet wurde, die einzigartigen Landschaftsräume.

Auf meist abgeschiedenen Wegen werden dichte Wälder und grüne Auen durchquert. Schatten spendende Straßenbaumalleen breiten ihr Blätterdach schützend aus und führen durch malerische Dörfer. Störche, Wildgänse und andere Wald- und Wiesenbewohner lassen sich vom Fahrrad aus beobachten. Naturidylle pur – und es gibt noch mehr zu entdecken.

Dass die Hanse, das mittelalterliche Schutz- und Handelsbündnis, Namensgeber des neuen Radfernwegs wurde, mag überraschen.

Doch ohne die „Zuarbeit“ der Landbevölkerung in Heide, Wendland und Altmark hätte manche Hansekogge nicht in See stechen können. Die ganze Region hatte sich aufgrund der großen Nachfrage auf die Textilwirtschaft (Flachsanbau, Leinweberei und Tuchhandel) spezialisiert. Uelzen und Salzwedel wurden Hansestädte, und auch das wendländische Lüchow profitierte durch seine verkehrsgünstige Lage vom Warenumschlag.

Im ländlichen Umfeld erinnern vor allem die Kirchen und Kapellen entlang des „Hanse-Wendland-Radwegs“ an die Hansezeit. Man findet sie in fast jedem Dorf, denn den Menschen außerhalb der Stadtmauern blieb angesichts marodierender Raubritter, Krieg, Krankheiten, Naturkatastrophen und anderer Alltagsgefahren oft nur das Gebet.

Ein Lehrpfad zur Medizingeschichte

Für den Bau nutzte man die aus der Eiszeit reichlich vorhandenen Feldsteine. Heute zählen diese Kirchen zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Deutschlands und sind zudem, aufgrund ihres Baustoffes, eine regionale Besonderheit.

Die „Zeitreise“ auf dem „Hanse-Wendland-Radweg“ wäre unvollständig ohne einen Besuch der ehemaligen Wasserburg in Bad Bodenteich. Die teils restaurierte, teils wieder errichtete Anlage bietet mit dem Burgmuseum, Robin-Hood-Schloss, einem Lehrpfad zur Medizingeschichte und dem „400 Wasser-Barfußpfad“ vielfältige Möglichkeiten, um in die Vergangenheit einzutauchen. Jeweils am letzten Wochenende im April vermittelt ein mehrtägiger Markt mit Händlern, Gauklern und Ritterspielen Einblick ins mittelalterliche Wirtschaftsleben.

Sich über Kreis- oder Ländergrenzen zu bewegen, wie es auf dieser Radtour geschieht, war einst vollkommen undenkbar. Im Gegenteil wurden im 14./15. Jahrhundert an strategisch günstigen Stellen, zum Beispiel bei Schafwedel, „Landwehren“, angelegt.

Die oft mit Dornen bewachsenen Erdwälle mit vorgelagertem Graben besaßen nur recht wenige Durchlässe, sodass man den Verkehr kontrollieren und Zoll einnehmen konnte. Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei, und außer vielleicht etwas Gegenwind werden sich den Radlern auf dem „Hanse-Wendland-Radweg“ höchstwahrscheinlich keine Hindernisse in den Weg stellen.

Zur Sache

160 Kilometer langer Radfernweg

Zur Eröffnung des neuen „Hanse-Wendland-Radwegs“, einem rund 160 Kilometer langen Radfernweg zwischen Uelzen, Bad Bodenteich, Salzwedel und Lüchow, sind alle Fahrradbegeisterten am Sonnabend, 26. September, eingeladen. Anlässlich der Einweihung in Thune/ Lüchow-Dannenberg wird es mehrere Fahrradtouren zur zentralen Festveranstaltung der am Projektteam beteiligten Landkreise Uelzen, Lüchow-Dannenberg und dem Altmarkkreis Salzwedel geben. Neben Landrat Dr. Heiko Blume (Landkreis Uelzen), den Samtgemeindebürgermeistern Michael Widdecke (SG Rosche) und Hubert Schwedland (SG Lüchow) und der Bürgermeisterin der Hansestadt Salzwedel, Sabine Blümel, wird das Planungsteam über den neuen Radfernweg informieren. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Für die Teilnahme an der Fahrradtour von Uelzen oder Bad Bodenteich nach Thune und/oder für die Nutzung des Fahrrad-Busses wird um Anmeldung bei der Stadt- und Touristinformation Uelzen, (05 81) 8006172 oder tourismusinfo@stadt.uelzen.de gebeten.