Samstag , 31. Oktober 2020
Der Lüneburger Kreistag will ein Wassermanagementkonzept erstellen lassen. Foto: t&w

Wasserentnahme soll neu geregelt werden

Bardowick. Der Lüneburger Kreistag hat bei seiner Sitzung am Montag im Bardowicker Schützenhaus einen ersten Schritt getan, um das derzeit heiß diskutierte Thema Grundwasserentnahme neu zu ordnen. Zum einen beschlossen die Abgeordneten einstimmig, ein Wassermanagementkonzept für den Landkreis Lüneburg erstellen zu lassen. Zum zweiten verabschiedeten die Kommunalpolitiker mit breiter Mehrheit eine Resolution, in der die Landesregierung aufgefordert wird, die Möglichkeiten der unteren Wasserbehörden bei der Grundwasserbewirtschaftung zu verbessern.

In den Umweltausschuss verwiesen wurde dagegen ein Ergänzungsantrag der SPD-Fraktion. Darin fordern die Sozialdemokraten ein unabhängiges Gutachten zu den Auswirkungen der Wasserentnahme durch die Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands GmbH für ihre Vio-Produktion bei Gut Brockwinkel. „In den anderen Fraktionen gibt es noch Beratungsbedarf, und wir wollen eine gute Basis für diese Entscheidung“, erklärte die SPD-Landtags- und Kreistagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers.

Zusammenarbeit mit Nachbarkreis Uelzen

Beim Wassermanagementkonzept sucht Lüneburg den Schulterschluss mit den Nachbarn aus Uelzen. Hintergrund ist, dass das Land einmalig die Entwicklung von entsprechenden Konzepten fördert. Einen entsprechenden Antrag würde der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände in Uelzen für die Kreise Lüneburg und Uelzen erstellen – auch weil beide einen gemeinsamen Grundwasserkörper nutzen. Zudem ist die Kooperation in der Region eine Fördervoraussetzung. Laut Verwaltung beliefe sich die Fördersumme auf 300 000 Euro bei einem Eigenanteil von 10 Prozent. Dieser soll in Höhe von 15 000 Euro plus 10 000 für mögliche Sonderleistungen in den Haushalt 2021 eingestellt werden.

Erfasst werden sollen in dem Konzept unter anderem die Wasserentnahmen und -flüsse – auch kreisübergreifend. Zudem ist geplant, verschiedene Zukunftsszenarien für die Nutzung zu entwickeln, die auch den Klimawandel berücksichtigen. Gleichzeitig sollen Einsparpotenziale für die unterschiedlichen Nutzungen erarbeitet werden.

Entnahme von Grundwasser unterlag schon vorher strengen Kontrollen

Sowohl Norbert Thiemann (CDU) als auch Ralf Gros (Grüne) verwiesen darauf, „dass das Rad nicht neu erfunden werden müsse“, die Ergebnisse bereits laufender Projekte und Dokumentationen in das Konzept einfließen könnten. „Nie war das Thema Wasser so häufig in den Schlagzeilen der LZ wie in diesem Jahr. Doch unterlag die Entnahme von Grundwasser schon vorher strengen Kontrollen“, sagte Thiemann. Schon 2019 habe die Verwaltung angemahnt, dass die Neubildung von Grundwasser ein Problem sei, dringender Handlungsbedarf bestehe.

Gros freute sich vor allem darüber, dass „die Verwaltung das Thema aufgegriffen hat, nachdem etliche Anträge der Grünen zuvor abgelehnt worden sind“. Gleichzeitig riet der Grüne, Kontakt zur Landwirtschaftskammer aufzunehmen, „die schon etliche Projekte zur Grundwassernutzung durchgeführt und Konzepte erstellt hat“.

Flankiert wird die Erstellung des Wassermanagementkonzepts durch eine Resolution an die Landesregierung. Ziel ist es, den Handlungsspielraum des Landkreises bei der Genehmigung von Wasserentnahmen zu erweitern und die rechtlichen Rahmenbedingungen aktuellen Entwicklungen anzupassen. Gefordert wird unter anderem, der öffentlichen Trinkwasserversorgung im Wasserhaushaltsgesetz des Bundes deutlich mehr Gewicht zu geben und die Höhe der Gebühren für Wasserentnahmen so anzupassen, dass Sparanreize geschaffen werden.

Von Malte Lühr