Freitag , 30. Oktober 2020
Insgesamt zehn Rohre mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern sorgen am Stauwehr Geesthacht für die neue Lockströmung, damit Wanderfische den Weg zu Fischtreppe und damit zu ihren Laichgebieten in der Oberelbe finden. Foto: tja

Geesthacht: Neue Strömung lockt Fische

Geesthacht. Fast 14 Monate lang war nach einem schweren Dammbruch am Stauwehr bei Geesthacht der Fischaufstieg blockiert. Jetzt, rechtzeitig zur Wanderung von Meerforellen und Lachsen in ihre Laichgebiete in der Oberelbe, ist eine provisorische Lockströmung als Wegweiser für die Fischaufstiegsanlage fertig. 300 000 Euro gab die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes dafür aus, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg kümmerte sich um die Umsetzung des Projekts.

Der Dammbruch hatte die Anbindung per Schiff von und nach Hamburg getroffen. Tagelang ging im August 2019 nichts mehr, Binnenschiffe stauten sich, weil die Oberelbe nicht mehr befahrbar war. Naturschutzverbände wie der Nabu liefen Sturm, als im Zuge der Sicherungsarbeiten die Lockströmung für die Fischaufstiegsanlage, die der Energiekon­zern Vattenfall als Kompensation für sein Kohlekraftwerk Moorburg errichtet hatte, versiegte. Zur Dammsicherung wurden Überlaufrinnen verfüllt. Fische fanden ihren Weg nicht mehr.

Vattenfall soll für dauerhafte Lösung sorgen

Nach etlichen Beratungs- und Planungsrunden konnte gestern eine Heberleitung in Betrieb genommen werden. Allein durch per Vakuum erzeugten Unterdruck sprudeln durch zehn Rohre (60 Zentimeter Durchmesser) je 1000 Liter Wasser pro Sekunde über den Damm elbabwärts und erzeugen eine neue Lockströmung. „Wir sind mit dieser Lösung jetzt sehr zufrieden und waren mit dem WSA auch in ständigem Austausch“, sagte Heike Kramer, Vorsitzende des Nabu in Geesthacht. Sie hofft, dass die Wanderfische ihren Weg jetzt wieder finden.

300 000 Euro kosten Umsetzung und Betrieb der Anlage die WSV für ein Jahr. „Das ist eine temporäre Lösung, perspektivisch muss Vattenfall für eine dauerhafte neue Lösung sorgen“, berichtete WSA-Leiter Tilman Treber. Das dürfte schwierig werden, denn Experten vermuteten die Lockströmung als Auslöser des Dammbruchs 2019. „Wir sind da schon dran und fordern von Vattenfall mit Nachdruck eine Lösung“, sagte Björn Ruge von der Wasserbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg.

„Innerhalb kürzester Zeit und über die eigene Zuständigkeit hinaus hat das WSA Lauenburg den Wanderfischen am Wehr Geesthacht den Weg frei gemacht“, teilt Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, mit. Möglich sei dies durch die kooperative und lösungsorientierte Zusammenarbeit zwischen dem Bund und dem Land Schleswig-Holstein geworden.

Situation der Wanderfische erheblich verbessert

Ferlemann: „Das Ergebnis ist ein Plus für die Umwelt und den ökologischen Zustand unserer Gewässer.“ Hans-Heinrich Witte, der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes, lobt die Umsetzung. „Der Einsatz der Beschäftigten des WSA Lauenburg ist vorbildlich. Auf flexible und unbürokratische Weise hat das Amt am Wehr Geesthacht mit dem schnellen Bau der zusätzlichen Lockströmung, für die Zeit bis zu einer endgültigen technischen Lösung an der Nordseite des Wehres durch Vattenfall, die Situation der Wanderfische erheblich verbessert“, so Witte.

Darüber hinaus laufen an der südlichen Fischaufstiegsanlage, für die die WSV zuständig ist, die Planungen. Laut Treber sollen die Instandsetzungsarbeiten dort 2023 erfolgen.

Von Timo Jann