Freitag , 30. Oktober 2020
Hügelgrab
Bürgermeister Stefan Koch und Kerstin Sternitzke sind gespannt, was die Erforschung des Hügelgrabes ergeben wird. (Foto: t&w)

Hügelgrab auf dem Schulhof

Embsen. Von der Gegenwart zurück in die Bronzezeit: Für Schüler und Lehrer der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Embsen sind das nur wenige Schritte. Eine Zeitmaschine, wie sie Autor H.G. Wells in seinem gleichnamigen Science-Fiction-Roman einst beschrieben hatte, ist dazu nicht nötig – die Jugendlichen und Pädagogen müssen dazu nur über den Schulhof gehen. Direkt am Oberstufenpausenhof – zwischen Schule und Kreisstraße – befindet sich ein Hügelgrab, vermutlich aus der Zeit um 1000 vor Christus. Dass diese rund 3000 Jahre alte Kultstätte ein wenig in Vergessenheit geraten ist, kann sich weder Embsens Bürgermeister Stefan Koch (UWI), noch Kerstin Sternitzke von der IGS so recht erklären. Aber jetzt soll das Hügelgrab erforscht werden.

„Daran werden auch Schüler eines Geschichts-Wahlpflichtkurses an Handausschachtungen und Sondierungen unter Aufsicht des Bezirksarchäologen Dr. Mario Pahlow beteiligt sein“, freut sich Kerstin Sternitzke.

Ein noch so komplett erhaltenes Hügelgrab sei auch für die Archäologen etwas besonderes, glaubt Sternitze. Viele Hügelgräber seien in früherer Zeit als „Baustofflager“ missbraucht worden, die Findlinge und Feldsteine für den eigenen Haus- und Hofbau abtransportiert worden. Ein Schicksal, das dem Embsener Hügelgrab nach derzeitigem Kenntnisstand offenbar erspart geblieben ist.

Bodensondierungen und Handgrabungen

„Somit hat Embsen mit dem fast vollständig erhaltenen Hügelgrab einen richtigen archäologischen Schatz“, freuen sich Sternitzke und Koch. Die Größe lasse gar auf ein Mehrpersonengrab schließen. „Ursprünglich wurden die Verstorbenen in Baumsärgen bestattet, später kamen womöglich noch Urnenbestattungen dazu“, weiß Sternitzke. Und da die Archäologen davon ausgehen, dass das Grab noch unbeschädigt ist, könnten bei den geplanten späteren Handausgrabungen auch noch Werkzeuge und Grabbeigaben aus der Bronzezeit gefunden werden.

Bevor gebuddelt wird, sollen Bodensondierungen stattfinden, etwa eine Bodenwiderstandsmessung, mit der oberflächennahe Baustrukturen, Fundamente und Schuttansammlungen geortet werden können. Bei der sogenannten Geoelektrik wird mittels künstlicher Stromzufuhr der elektrische Widerstand, beziehungsweise die Leitfähigkeit des oberflächennahen Untergrundes untersuchen. Geplant ist die Sondierung mit Hilfe von Eisenstangen, die vorsichtig ins Erdreich geschoben werden. Ob diese Methode allerdings von größerem Erfolg gekrönt sein wird, bezweifelt nicht nur Bürgermeister Koch. „Das Wurzelwerk der Buchen, das sich auf dem Hügelgrab entwickelt hat, könnte dieses Vorhaben doch mächtig erschweren.“

20 Sitzsteine auf der Pausenhofseite 

Unabhängig vom Grabungserfolg soll die Kultstätte aus der Bronzezeit wieder ins Bewusstsein der Neuzeit geholt werden. Dafür haben sich alle Beteiligten viel vorgenommen, denn: „Schulgemeinschaft, Landkreis, Bezirksarchäologen, Samtgemeinde und Gemeinde stehen vereint hinter dem Vorhaben, dem Hügelgrab die Aufmerksamkeit zu geben, die es aufgrund seines historischen Kontextes verdient“, betont Kerstin Sternitzke.

Angelehnt an den historischen Steinkranz der Hügelgräber sollen zur Pausenhofseite 20 Sitzsteine aufgestellt werden, die Bürgern Platz zum Verweilen bieten und Oberstufenschülern als Sitzgelegenheit in der Pause dienen. Zudem sollen die Granitquader, jeweils 45 x 45 Zentimeter groß, als „Outdoor-Klassenzimmer“ für Geschichtsprojekte der Grund- und Gesamtschule genutzt werden können. Zudem werden Schüler professionelle Schautafeln erstellen, die über die Geschichte des Hügelgrabes informieren sollen.

Das alles kostet freilich Geld: Kerstin Sternitze hat deshalb das Projekt unter dem Motto „Aufwertung des Embsener Hügelgrabes“ bei der „Das tut gut“-Aktion der Sparkasse eingereicht. Es ist nun im Rennen zur Abstimmung im November. In diesem Zeitraum können Kunden der Sparkasse für das Gemeinschaftsprojekt abstimmen – „und somit dazu beitragen, dass Embsen ein historisches Highlight erhält“, hofft Kerstin Sternitzke.

Von Klaus Reschke