Freitag , 30. Oktober 2020
Der Kreisausschuss berät über die fraktionsübergreifende Kritik an der Umsetzung des Nahverkehrsplans. Damit beauftragt ist die KVG als privatwirtschaftlicher Partner des Landkreises. (Foto: be)

Krisengespräch über den Nahverkehr

Lüneburg. Hinter verschlossenen Türen hat der Kreisausschuss am Freitag in einer Sondersitzung unter anderem über die weitere Umsetzung des Nahverkehrsplans (LZ berichtete) beraten. Mit dabei sein werden die Geschäftsführung der Kraftverkehr GmbH & Co. KG (KVG) sowie als Berater des Kreises die Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen mbh (VNO). Ein Grund ist die fraktionsübergreifende Kritik an der Umsetzung des Nahverkehrsplans (NVP). Damit beauftragt ist die KVG als privatwirtschaftlicher Partner des Landkreises.

Neben SPD und Linken haben auch die Grünen einen Antrag gestellt, um „den Landkreis fit zu machen für die Mobilität der Zukunft“. Ein Bestandteil aller drei Anträge ist die Prüfung der Einrichtung einer kommunalen Verkehrsgesellschaft im Bereich des Busverkehrs. Vorgeworfen wird der KVG aus den Reihen der Kreispolitik unter anderem mangelnde Innovationskraft und Flexibilität. Hier erwarten sich die Abgeordneten von einer kommunalen Gesellschaft deutlich mehr Impulse.

Zu diesem Ergebnis kommt auch die Kreisverwaltung: „Die kommunale Eigengesellschaft würde eine direkte strategische und operative Steuerung des ÖPNV ermöglichen“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Gleichzeitig warnt die Verwaltung jedoch vor den Unwägbarkeiten eines Umstiegs. „Dieser wäre mit einem erheblichen Aufwand und mit praktischen Risiken verbunden.“ Ein wesentlicher Faktor sei der Mangel an betrieblicher Fachkompetenz sowie an personellen und sachlichen Ressourcen. Daher dient das heutige Gespräch hinter verschlossenen Türen auch der Lösungssuche mit dem Partner KVG.

Im Antrag der Grünen ist die Gründung einer kreiseigenen Verkehrsgesellschaft lediglich ein Baustein. „Nur eine kommunale Verkehrsgesellschaft zu beantragen, ist konzeptionell zu kurz gesprungen“, erklärt Detlev Schulz-Hendel, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Kreistag. Das übergeordnete Ziel ist deshalb weiter gefasst. Dazu sagt Grünen-Fraktionssprecherin  Petra  Kruse-Runge: „Sowohl die erste Stufe des Mobilitätskonzeptes als auch der derzeit gültige Nahverkehrsplan sind für uns fortlaufende Prozesse, die es gilt weiterzuentwickeln und zu optimieren.“

Dabei liegt für die Grünen ein Fokus auf dem weiteren Ausbau von Mobilitätsstationen insbesondere in den ländlichen Räumen. Neben der Bus-, Bahn- und Radinfrastruktur sollen Mietangebote beispielsweise für Fahrräder und CarSharing-Angebote im ländlichen Raum des Landkreises entwickelt werden. Am Stadtrand von Lüneburg sollen Park-and-Ride-Angebote mit einem entsprechenden Shuttle-Service in die Stadt ebenso geprüft werden wie verbesserte digitale Angebote zur Verkehrslenkung.

Von Malte Lühr