Mittwoch , 28. Oktober 2020
Robert und Mika gehören dem Organisationsteam des Klimacamps im Kurpark an. Auf der Wiese hinter ihnen sollen ab dem 8. Oktober Zelte für bis zu 300 Personen aufgebaut werden. Foto: t&w

Klimacamp im Kurpark: „Jetzt schon die Utopie leben“

Lüneburg. Anfang Oktober ist eigentlich nicht der beste Zeitpunkt zum Zelten. Es könnte regnen, die Nächte werden schon recht kalt. Und doch haben sich die Organisatoren des Klimacamps Lüneburg explizit für diese Zeit entschieden. Der Grund: Ein paar Tage später beginnt das neue Semester und die jungen Leute hoffen, dass möglichst viele Erstsemestler an dem Zeltlager im Kurpark teilnehmen. In Workshops soll es vier Tage lang vor allem um Klimaschutzthemen, Rassismus und Geschlechtergerechtigkeit gehen.

Die Idee für das Camp entstand Ende Juni, als sich die Gruppen Extinction Rebellion, Fridays for Future, Klimakollektiv, Junepa und Janun zusammensetzten und beschlossen, gemeinsam eine Veranstaltung zu organisieren. „Wir sind das dann auch gleich angegangen“, erzählt Mika (20), die eine der etwa 20 Organisatoren ist. Das oberste Ziel dabei sei, die Klimathematik den Menschen näher zu bringen, die sich nicht politisch engagieren, und gleichzeitig verschiedene Lüneburger Initiativen zu vernetzen.

Das gehe am besten, wenn man direkt mehrere Tage zusammen lebt, meint Mikas Kollege Robert (23). „Dieses Camp bietet natürlich einen ganz anderen Rahmen, als zum Beispiel eine Klimademo“, verdeutlicht er. Diese wäre spätestens nach mehreren Stunden wieder vergessen, „bei unserem Camp ist die Präsenz viel stärker. Da bleibt das Thema länger hängen“.

Bis zu 300 Personen können am Klimacamp teilnehmen

Genehmigt ist die Veranstaltung für bis zu 300 Personen, bisher haben sich etwa 50 angemeldet. „Die Anmeldung ist aber auch freiwillig“, erklärt Mika. Sie diene den Organisatoren lediglich dazu, die Menge an benötigten Nahrungsmitteln besser einschätzen zu können. „Wir werden eine solidarische Küche haben“, sagt Robert.

Alle könnten gemeinsam kochen und essen, kosten würde das die Teilnehmer nichts – wenn sie nichts zahlen wollen. „Wir hoffen aber natürlich auf Spenden.“

Vier Tage lang soll es im südlichen Teil des Kurparks also ein „solidarisches Zusammenleben“ mit Workshops, Vorträgen, Musik und Bewegung geben. Themen sind neben dem Klimawandel und Klimagerechtigkeit unter anderem die Energiewende, Atomkraft, Polizeirecht, Seenotrettung, Rohstoffverbrauch oder „nachhaltige Utopien“.

Und für Mika ist das Klimacamp genau das: „Das ist eine Chance, um jetzt schon ein bisschen die Utopie leben zu können.“ Gemeinsam, klimagerecht und hierarchiefrei. Denn letzteres liegt den Organisatoren sehr am Herzen. „Wir wollen mit der Veranstaltung auch zeigen, dass Menschen ohne Hierarchien einiges auf die Beine stellen können. Man muss es nur wollen“, betont Mika.

Wer an dem Camp teilnehmen möchte, es ist auch möglich nur einen Tag dort zu übernachten, muss ein eigenes Zelt mitbringen. Auf dem Gelände herrscht Maskenpflicht. Weitere Informationen zum Programm: www.klimacamp-lueneburg.de/

Von Lilly von Consbruch