Sonntag , 25. Oktober 2020
„Historiker im Unruhestand“: Rolf-Dieter Mentz mit seinem Buch. Foto: t&w

Buch über das Forsthaus Rote Schleuse

Lüneburg. Dreieinhalb Jahre hat Rolf-Dieter Mentz an seinem Buch gearbeitet. Jetzt ist es endlich fertig – und das Forsthaus Rote Schleuse hat seine eigene Chronik. Die Geschichte rund um die Entstehung des Buches ist beinahe so interessant wie das Buch selbst. 40 Jahre lang war der gebürtige Lüneburger Mentz seiner Heimatstadt fern geblieben. Studierte Geschichte und Sport und lehrte in Oldenburg an verschiedenen Gymnasien. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2008 kam er mit seiner zweiten Frau Jutta zurück und kann seitdem nicht von seiner alten neuen Heimat lassen. So sehr habe sich Lüneburg verändert. So interessant sei seine Geschichte.

Alles begann 2017 als Rolf-Diter Mentz auf der Suche nach einem Veranstaltungsort für eine Sommerfeier auf das Forsthaus stieß und der Tatendrang in ihm geweckt wurde. Plötzlich war er „Historiker im Unruhestand“. In der Vergangenheit veröffentlichte er bereits Bücher, hauptsächlich Vereinschroniken. Dies aber sei ein besonderes Herzensprojekt; Erinnerungen aus Kindertagen. Die Recherchen führten ihn in das Lüneburger Stadtarchiv und auch in das Archiv der Landeszeitung. 100 Jahre Berichterstattung, beginnend noch mit den „Lüneburgschen Anzeigen“ habe er durchforstet. In „detektivischer Kleinarbeit“ habe er die Folianten nach allem durchsucht, was auch nur entfernt mit der Geschichte der Roten Schleuse zu tun hatte.

Eine Zeitreise mit Geschichte und Geschichten

Das Buch verspricht „Eine Zeitreise mit Geschichte und Geschichten um ein Ausflugslokal an der Ilmenau“. Und genau das ist es. Wer an Chroniken denkt, befürchtet oft eine schnöde Aneinanderreihung von Fakten und Daten. Nicht so bei Rolf-Dieter Mentz, der es versteht, mit Humor und sich einer Vielzahl interessanter Personen bedienend, die Geschichten entlang der Lebensrealität seiner Protagonisten zu erzählen, ohne dabei langwierig oder -weilig zu wirken.

Für die Führung durch die Historie des Forsthauses bemühte Mentz unterschiedliche Zeitreiseführer. Vom erdachten Fuhrmann Henning Claasen, der den Leser auf seinem Fuhrwagen ein Stück mitnimmt, über das Lüneburger Original Vadder Luersen und die Juweliersfrau Elisabeth Süpke bis zum heutigen Besitzer der Lüneburger Urgaststätte Zum Kreideberg, Ulrich Bernhardt. Abwechselnd und sich gegenseitig vor der imaginierten Zeitreisegruppe vorstellend, führen uns diese und weitere Persönlichkeiten mit Verbindung zur Hansestadt durch die Jahrhunderte und Jahrzehnte der Geschichte des Forsthauses und der umliegenden Landschaften.

Mit viel Bildmaterial und einem breiten Konvolut Hintergrundinformationen vollzieht Mentz die Umstände und Ereignisse im Gasthaus an der Roten Schleuse nach. Gibt immer wieder Auskunft darüber, was zur jeweiligen Zeit in der Stadt vor sich ging und wie sich dies auf das Forsthaus auswirkte. Nicht wehmütig, nicht zerknirscht, aber mit Begeisterung und etwas Humor.

Das Buch „Das Forsthaus Rote Schleuse – Eine Zeitreise mit Geschichte & Geschichten um ein Ausflugslokal an der Ilmenau“ ist im Verlag der von Stern‘schen Druckerei erschienen (ISBN: 978-3-923603-20-6), 19,99 Euro.

Von Kevin R. Thomas