Freitag , 30. Oktober 2020
Neele Bünning weiß jetzt viel mehr über Finanzen. Foto: Privat

Eine Frage des Geldes

Lüneburg. Ich und ein Finanzberater? Das allein klingt schon verrückt. Steuerseminare und Geldanlage gehörten bislang nicht zu meinem Vokabular. Jetzt höre ich Robert sprechen. Er wird in den kommenden Stunden ein Steuerseminar geben. Er sagt: „Ein trockenes Thema, ich weiß. Aber vielleicht werden manche von euch sogar Spaß dabei haben.“ Es klingt nach einem großen Versprechen.

So wie mir geht es vielen. Laut der Schuldenwelten-Studie aus dem Jahr 2017 ist das Finanzwissen der Deutschen im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich. Über 50 Prozent der Befragten geben an, dass sie mit Banken und Versicherungen nur halbwegs gut zurechtkommen. Und auch wenn sehr viele Versicherungen und Anlagen in Deutschland abgeschlossen werden: 13 Prozent der Teilnehmenden haben gar kein Wissen über die Finanzwelt.

In diese Gruppe würde auch ich mich einordnen. Wieso also beschäftige ich mich, Studentin der Umweltwissenschaften, Kunstbegeisterte und Finanz-Desinteressierte, mit diesem Thema?

Mit sieben Jahren kam ich das erste Mal in Kontakt mit dem Thema Finanzen, als meine Eltern und meine Oma beschlossen, mir ein Sparbuch anzulegen. Ein rotes, geheimnisvolles Büchlein, voll mit Zahlen und dünnen Seiten, welches meine Zukunft besser machen sollte. Das erste Mal aktives Geldmanagement betrieb ich zwei Wochen später, als ich aus Sicherheitsgründen mein Sparbüchlein so gut versteckte, dass wir es eine ganze Weile nicht mehr wiederfanden. Meine erste Giro-Karte bekam ich mit 14. Nach meinem 18. Geburtstag hatte ich ein Gespräch bei meiner Sparkassenberaterin über das Thema Bausparverträge. Sonderlich interessiert hat mich das Thema nicht. Auch nicht zu Beginn meines Studiums.

Dennoch begann ich, in den ersten Monaten nach meinem Auszug von Zuhause erste Kalkulationen aufzustellen: Wie viel Geld brauche ich im Monat zum Leben? 150 Euro? Wie viel Geld möchte ich sparen, um in den nächsten Semesterferien wegfahren zu können? 30 Euro im Monat? Wie sollte ich mich am besten Krankenversichern? Und sollte ich jetzt nicht schon anfangen, mein Geld anzulegen, damit ich später mehr davon habe?

Fragen über Fragen. Heute, ein Jahr später, bin ich gegen Berufsunfähigkeit versichert. Ich habe einen monatlichen Überlaufsparplan inklusive dreiteiligem Spar-Kontenmodel. Ich setze meinen Laptop von den Steuern ab und konnte vor ein paar Monaten mein erstes Geld in einem nachhaltigen Fond anlegen. Was ist passiert?

Ich traf ihn bei einem kostenfreien Steuerseminar

Im Frühjahr lernte ich Robert kennen, ich würde sagen, er ist jetzt mein Finanzberater. Ich traf ihn bei einem Steuerseminar, das momentan nur noch online angeboten wird. Darauf aufmerksam wurde ich durch AIESEC, der größten deutschen studentischen Initiative für soziale Projekte. Die Steuerseminare von Robert und seinen Kolleginnen und Kollegen werden von verschiedenen studentischen Initiativen, Fachschaften und der Finanzberatung MLP organisiert. Die Dozierenden sind unabhängige Finanzberaterinnen und Finanzberater.

Robert hat Wirtschaftswissenschaften studiert, danach eine eigene Finanzberatung mit zwei Kommilitonen gegründet. Seit gut zwei Jahren arbeitet er bei MLP. Das ist, nach eigenen Angaben, das größte unabhängige Finanzdienstleistungsunternehmen in Deutschland. Unabhängig, weil es keine eigenen Produkte verkauft.

Robert macht witzige und spannende Steuerseminare, die für Studierende kostenlos sind. Ich bin inzwischen Kundin bei ihm, habe nach dem Steuerseminar einen privaten Beratungstermin gehabt und kann mich jetzt bei Fragen bei ihm melden.

Hinter dem deutschlandweiten Andrang auf Versicherungen, Geldanlagen und Rentenplänen steht vor allem das Bedürfnis nach Sicherheit. So auch bei mir. Deutschland ist nach den USA und China 2018 der drittgrößte Versicherungsmarkt der Welt gewesen, Lebensversicherungen ausgenommen. Das hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft festgestellt.

Fortschritt als Risiko, nicht als Sicherheit

Warum ist das so, dass wir ein so großes Sicherheitsbedürfnis haben? Und ist es überhaupt sinnvoll? Nach einer Erhebung des Institutes für Demoskopie Allensbach aus 2015 sehen mehr Menschen im wissenschaftlichen Fortschritt ein Risiko, als dass sie im Fortschritt mehr Sicherheit sehen. Außerdem gibt die Hälfte der Befragten an, dass sie ein größeres Sicherheitsbedürfnis haben als aktuell befriedigt wird. Das stellte das Statista Research Department 2011 fest. Sicherheit hat etwas mit Selbstsicherheit zutun. Wenn ich mich absichere für meine Zukunft, dann sorge ich für mich, übernehme Verantwortung und lege erste Bausteine, auch später ein sicheres Leben führen zu können.

Das heißt nicht, dass wir alle sofort Bausparverträge, Lebensversicherungen und einen fondgebundenen Tierhalter-OP-Schutz abschließen sollten. Das erklärt mir Robert. Und natürlich ist die Schaffung von Sicherheit generell auch nicht für jede und jeden etwas. Für mich jedoch bedeutet Sicherheit Freiheit.

Jetzt aber!

5 Tipps für deine Finanzen

  1. Rechne einmal deine Ausgaben und Einnahmen durch. Überprüfe, wobei du sparen kannst: Kann man für den Strom-, Internet- und Mobilfunkanbieter günstigere Alternativen finden? Allein zehn Euro pro Monat sparen reichen aus, um am Ende des Studiums von dem Geld zu verreisen.
  2. Überlege, wie viel Geld du zurücklegen solltest. Für einen neuen Laptop, ein neues Fahrrad oder eine größere Reise.
  3. Eine Möglichkeit, Geld zu sparen, ist ein mehrteiliges Kontenmodell. Hierbei stellst du dir selbst ein monatliches Taschengeld zur Verfügung und alles, was du nicht ausgibst, wird automatisch zum Monatsende gespart.
  4. Denk mal darüber nach, Geld anzulegen. Es gibt etliche Wege, viele davon sind ohne hohe Einstiegskosten und du hast auch kurzfristig Zugriff auf dein Geld. So lässt sich etwa über Direktbanken wie Comdirect oder DKB ein Depot einrichten, es gibt eine große Zahl günstiger ETF-Sparpläne oder auch Nachhaltigkeitsfonds.
  5. Suche dir qualifizierte Hilfe, bevor du dich stundenlang durch Internetforen klickst. Studentische Beratungsinitiativen und professionelle Finanzberatung bei unabhängigen Beratungshäusern sind kostenlos und helfen dir dabei, dich langfristig gut aufzustellen.

 

Von Neele Bünning