Freitag , 30. Oktober 2020
Katharina Thurmann will anderen Frauen helfen. Foto: t&w

Endometriose: Ein langer Weg bis zur Diagnose

Lüneburg. Es begann mit Unterleibsschmerzen, die im Umfeld der Regel auftraten und von Monat zu Monat krampfartiger bis ins Unerträgliche wurden. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis bei Katharina Thurmann die Diagnose stand: Endometriose. Bundesweit leiden laut Europäischer Endometriose Liga etwa sechs Millionen Frauen an dieser Erkrankung, durchschnittlich vergehen sechs Jahre vom Anfang der Beschwerden bis zur Diagnosestellung. Katharina Thurmann möchte nun eine Selbsthilfegruppe für Betroffene gründen. Das erste Gruppentreffen soll am Mittwoch, 14. Oktober, um 19 Uhr im Heilhaus stattfinden. Anmeldungen unter endometrioselueneburg@gmail.com.

Nachdem erstmals während des Eisprungs bei der damals 26-Jährigen Beschwerden auftraten, suchte sie ihren Gynäkologen auf. Der habe zu ihr gesagt, leichtes Ziehen sei ganz normal. In den folgenden Monaten nahmen die Schmerzen zu.

Katharina Thurmann hatte inzwischen im Internet recherchiert, war dabei auf Endometriose gestoßen. Bei dieser Erkrankung treten Zysten und Entzündungen (Endometrioseherde) auf, die sich zum Beispiel an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell ansiedeln. Ihr Gewebe ähnelt dem der Gebärmutterschleimhaut und die Herde können mit dem hormonellen Zyklus wachsen und bluten. Die Krankheit geht oft mit starken Schmerzen einher.

Die Schmerzen nahmen immer weiter zu

Thurmann war überzeugt, dass sie von der Erkrankung betroffen sei. Aus Sicht ihres Frauenarztes sprach dagegen, dass sie keine starken Schmerzen während der Regelblutung hatte. Im April 2020 suchte sie ihn erneut auf, weil es rechtsseitig sehr weh tat. „Mein Arzt meinte, die Entzündungswerte seien okay. Er machte einen Ultraschall, tastete mich ab und sagte: nichts Auffälliges.“ Sie bekam Schmerzmittel, doch die Schmerzen blieben. Und sie nahmen zu. Als sie es eines nachts nicht mehr aushalten kann, ruft sie die Rettungssanitäter.

In der Notfallambulanz sind die Befunde der Untersuchung zwar unauffällig, aber die untersuchende Ärztin konnte eine Endometriose nicht ausschließen und empfahl eine Laparoskopie, also eine Bauchspiegelung zur Abklärung der Diagnose und entsprechender operativer Behandlung bei Bedarf. Da es sich nicht um einen medizinischen Notfall handelte, durfte das Klinikum wegen der coronabedingten Auflagen des Landes Niedersachsen diese Operation zum damaligen Zeitpunkt nicht durchführen. Der Patientin wurden eine baldige Terminvereinbarung bei ihrem Frauenarzt und eine erneute Vorstellung am Klinikum empfohlen.

„Wenn ich daran denke, muss ich weinen, weil ich mich so allein gelassen fühlte.“

Die Vertretung ihres Frauenarztes habe allerdings mit Blick auf den Bericht aus dem Klinik gesagt, da sei nichts. Katharina Thurmann war verzweifelt. „Wenn ich daran denke, muss ich weinen, weil ich mich so allein gelassen fühlte.“

Letztendlich half die Recherche ihrer Mutter, die im Internet entdeckte, dass es ein Endometriosezentrum am Albertinen Krankenhaus in Hamburg gibt. „Bei einem Termin im Mai hat dort die untersuchende Ärztin übers Abtasten einen Endometriose-Herd entdeckt.“ Da im Zuge der Lockerungen auch wieder Bauchspiegelungen möglich waren, bekam die Lüneburgerin einen Termin dafür. Im Rahmen dessen wurden die Wucherungen entfernt. „Als ich aus der Narkose aufwachte, erklärte mir die Ärztin, dass eine Menge gemacht werden musste.“

Unsicherheit, dass es erneut zu Wucherungen kommt

Die starken Schmerzen sind seither verschwunden, aber sie leidet teilweise unter starker Müdigkeit und Zyklusproblemen. Außerdem bleibt die Unsicherheit, dass es wieder zu Wucherungen kommen könne, meint die Lüneburgerin. Da sie selber erlebt hat, dass sich eine Diagnose hinziehen kann, begleitet von Zweifel und Ängsten, möchte sie eine Selbsthilfegruppe gründen zum Austausch. „Darüber reden, sich verstanden fühlen, hilft auch.“

Von Antje Schäfer