Freitag , 30. Oktober 2020
In Lüneburg gibt es sechs öffentliche Toiletten. Foto: Philipp Schulze / phs

Öffentliche Toiletten: Wo soll ich hin?

Lüneburg. Ein Morgen am Hamburger Hauptbahnhof. Es ist 7.51 Uhr, ich stehe an Gleis 13 A-C, warte auf den Regionalexpress nach Lüneburg. Mein Frühstück habe ich dabei, auch einen Kaffee. Es musste mal wieder schnell gehen heute. Wie eigentlich jeden Morgen.

Unser Alltag ist von einem Hin und Her geprägt: Pendeln zur Arbeit, pendeln zur Uni, pendeln zum Zahnarzt, 40 Kilometer in die Heimat. So auch meiner. Mein Leben spielt an wechselnden Orten. Da fehlt manchmal die Zeit für ein ruhiges Frühstück.

Es ist 8.14 Uhr. Durchsage: Nächste Station ist Winsen. Ich habe Porridge gegessen und den Kaffee getrunken. Jetzt muss ich auf die Toilette. Ich suche ein Zug-WC auf. Erster Versuch: Gesperrt. Zweiter Versuch: Besetzt. Es ist 8.27 Uhr. Durchsage: Nächste Station ist Lüneburg. Ich muss raus. Es muss raus. Nur wo?

Pro Tag scheidet ein Mensch ca. 1,5 Liter Urin aus

Die menschliche Harnblase hat ein Fassungsvermögen von 300 bis 500 Millilitern. Pro Tag scheiden wir etwa 1,5 Liter Urin aus, im Schnitt müssen wir vier bis sieben Mal am Tag auf die Toilette. Doch wohin damit, wenn man viel unterwegs ist?

Laut Service des Toilettenfinders Pee Place gibt es in Deutschland 17 014 öffentliche Toiletten. Im Durchschnitt soll es demnach alle 400 Meter eine entsprechende Einrichtung geben. Doch die öffentliche Toilette ist bedroht, immer häufiger werden Anlagen geschlossen. Wie kann man sich zukünftig in Städten erleichtern?

Für Lüneburg zeigt mir der Pee-Place-Service 15 Toiletten an. Es ist 8.46 Uhr. Ich laufe durch die Lüneburger Altstadt. Langsam drängt es. Wo soll ich hin? Laut Toilettenfinder gibt es ein WC am Glockenhaus, ganz in meiner Nähe. Die Toilette ist kostenfrei – und erstaunlich sauber. Toilettenpapier, Handtücher, Seife, alles ist vorhanden. Es ist 8.53 Uhr. Ich bin erleichtert.

In Lüneburg gibt es sechs öffentliche Toiletten

In Lüneburg gibt es laut Pressestelle sechs öffentliche Toiletten. Weitere Einrichtungen gebe es in Kaltenmoor, in Kooperation mit dem ökumenischen Gemeindezentrum am St. Stephanus-Platz und an den Friedhofskapellen. Die sechs Toiletten im Zentrum würden täglich gereinigt und regelmäßig kontrolliert. Problematisch wird es allerdings am Abend. Die Toiletten im Zentrum schließen nämlich um spätestens 19 Uhr, lediglich die Toilette im Kurpark hat bis 22 Uhr geöffnet. Wohin also, wenn es spät dringend wird? In den Busch? Oder in die nächste Bar, meist mit schamerfülltem Blick? Ist das der einzige Ausweg?

Eine Alternative bietet das Konzept „Die nette Toilette“. Dabei können Gastronomen und Händler WCs zu Verfügung stellen, die Passanten kostenfrei nutzen können. Das Projekt startete im Jahr 2000 in der Stadt Aalen. Heute nehmen mehr als 280 Städte an der Aktion teil. Für Stadt, Gastronomie und Bevölkerung sollen sich dabei folgende Vorteile ergeben: Die Stadt spart hohe Kosten für die Baumaßnahmen und Instandhaltung öffentlicher Toiletten. Laut Pressematerial von Nette Toilette liegen die im Schnitt bei 130 000 Euro pro Toilette plus 15 000 Euro Wartungskosten pro Jahr. Gastronomiebetriebe erhalten im Gegenzug eine Aufwandsentschädigung von der Stadt. Die Stadtbevölkerung profitiert von einem breiten Netzwerk an Toiletten, und die Stadt muss keine unansehnlichen Toilettenkabinen bauen. Einziger Wermutstropfen: Lüneburg nimmt bislang nicht an der Aktion teil.

Von Nick Pompetzki