Mittwoch , 21. Oktober 2020
Matthias Oppermann und Ute Flemming stellen ihre Bilder unter dem Titel "Fremd_Körper" vor. Foto: t&w

Ausstellung „Fremd_Körper“ im Scharnebecker Galerie Kulturboden

Scharnebeck. Zwei Kunstschaffende, eine Leidenschaft: Ute Flemming und Matthias Oppermann verbindet die Liebe zur Natur. Immer wieder treffen sie sich zu gemeinsamen Mal-Ausflügen – in freier Wildbahn sozusagen. Sie fertigen Skizzen an, besprechen bereits vollendete Werke. Die Vollendung oder Umsetzung auf der Leinwand erfolgt solo im heimischen Atelier. Ergebnisse dieser Aktionen sind ab Sonnabend, 10. Oktober in der Scharnebecker Galerie Kulturboden zu sehen, Titel „Fremd_Körper“. Kurator Anton Bröring hat die mobile Stellwand diagonal in die Mitte rücken lassen, sodass mehr Fläche für die Hängung zur Verfügung steht.

An dem Thema Fremdkörper arbeiten die beiden seit Ende der 90er-Jahre. Matthias Oppermann hat früher körperliche Akte gemalt, denn der Schwerpunkt seines Studiums bei Wilhelm M. Busch an der FH für Gestaltung lag auf figürlichem Zeichnen. Dann wechselte er zur Landschaftsmalerei und schließlich vereinte er beides, wie der gebürtige Gießener erzählt.

Besucher sollen Werke auf sich wirken lassen

Diese Symbiose prägt die Ausstellung in Scharnebeck. „Wir wollen eigentlich gar nicht so viel über unsere Bilder erzählen. Lieber ist es uns, wenn die Besucher die Werke auf sich wirken lassen, eigene Gefühle und Gedanken entwickeln“, betont Ute Flemming, die schon mehrfach im Heine-Haus, aber noch nie auf dem Kulturboden ihre Bilder gezeigt hat.

Kunsthistorisch gesehen ist der oder die Nackte in der Landschaft ein altes Thema. Oppermann und Flemming aber geht es nicht um Aktmalerei, beide deuten die Körper nur an, meist durch dicke Konturen, die sich wie eine zweite Schicht auf landschaftliche Untergründe legen oder sich in sie hineinschmiegen. Das klingt harmonisch, doch es gibt auch Kritisches zu entdecken, denn der mitunter rücksichtslose Umgang mit der Natur hinterlässt Spuren. So zeigt das Bild mit dem ironisch gemeinten Titel „Die schöne Aussicht“ eine Frau, die auf einem Berg steht, der zerbröckelt, auseinander bricht. Ausschlaggebend für dieses zu einer Dreier-Serie gehörende Werk war ein Plakat mit dem Aufruf „Don‘t kill your mother“, das Oppermann auf einer Fridays-for-Future-Demo entdeckte, wie der Maler erklärt. Das hat bei ihm Assoziationen zu Mutter Erde, aber auch zu zwischenmenschlichen Beziehungen geweckt.

Materialauswahl unterstreicht die Naturverbundenheit

Sowohl Flemming als auch ihr Malerkollege verwenden Mischtechniken. Acrylfarben sorgen für die Farbigkeit, Ölkreiden und Kohle für Andeutungen/Umrisse. „Linien und Flächen sollen sich verbinden, eine neue Einheit bilden“, ist Flemmings Idee. Es gehe ihr nicht um realistische Aktzeichnung, sondern um Verfremdung, um die Verbindung von menschlicher Gestalt und Form mit Farbe und Natur. Ein Beispiel dafür ist eine Kleinserie in Grün, die erst dieses Jahr entstanden ist. „Im Grünen mit Kreuz“, „Dialog mit dem Grünen“ und „Im Grünen“ lauten die unverfänglichen Titel, die dem Betrachter Raum für eigene Sichtweisen geben. Ein besondere Acrylfarbe mit Glitzeranteilen sorgt für zusätzlichen Reiz, denn je nach Lichteinfall changiert das Bild von düster bis hell leuchtend. Flemming betont ihre Naturverbundenheit auch durch die Materialauswahl: So verarbeitet sie Baumrinde oder zartes Seidenpapier und Ähnliches, um Strukturen zu schaffen.

Die Bilder, mit denen die Kunstfreunde auf der Einladung zu ihrer Ausstellung werben, sind in diesem Jahr entstanden, sind vielleicht auch der Corona-Pandemie geschuldet, denn sowohl der weibliche Körper, der quasi in die Natur wächst, als auch der Mann, der sich die Hände vors Gesicht hält, deuten die Verletzlichkeit von Körper beziehungsweise Mensch und Natur an.

Zur Vernissage am Sonnabend, die coronabedingt ohne Einführung stattfindet, sind die Künstler von 14 bis 18 Uhr vor Ort.

Öffnungszeiten: Freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends von 15 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr. Die Ausstellung endet am 31. Oktober.

Von Dietlinde Terjung