Dienstag , 27. Oktober 2020
Am aktuellen Standort wird der Betrieb der Kleiderkammer Ende Dezember eingestellt. Foto: Michael Behns

Kleiderkammer des DRK droht das Aus

Lüneburg. Eine Institution des DRK-Kreisverbandes schließt zum Jahresende ihre Pforten: „Wir werden den Betrieb der Kleiderkammer Ende Dezember einstellen“, bestätigt der kaufmännische Leiter des DRK-Kreisverbandes, Joachim Elspaß. Doch diese Entscheidung der DRK-Geschäftsführung stößt nicht bei allen Betroffenen auf Verständnis: „Wir sind traurig, unendlich traurig und schockiert, weil unsere jahrelange Arbeit und die Sorgen und Nöte unserer Kunden beim DRK-Kreisverband Lüneburg wohl bald keine Rolle mehr spielen werden“, heißt es in einem Schreiben an die LZ. Die DRK-Geschäftsführung indes sieht sich zu diesem Schritt gezwungen.

„Der Keller ist feucht, zum Teil hat sich schon Schimmel gebildet“, erklärt Elspaß. Deshalb plane man nun die Sanierung und Trockenlegung des Gebäudesteils.

Rettungsdienst muss ausgeweitet werden

Doch das sei nicht der einzige Grund: „Wir müssen unseren Rettungsdienst gemäß den Auflagen des Landkreises ausweiten“, erklärt der kaufmännische Leiter des DRK-Kreisverbandes. Das bedeute, dass zusätzliches Personal für die Rettungswache eingestellt werden müsse. Dabei sei die Rettungswache am Schnellenberger Weg schon jetzt zu klein und nicht mehr zeitgemäß. „Wir platzen aus allen Nähten“, verdeutlicht Elspaß. Deshalb soll, sobald der Keller saniert worden ist, die Kleiderkammer als Lager für den Rettungsdienst genutzt werden. Nur so schaffe man den dringend benötigten Platz für die Kollegen in der Rettungswache.

Und die Zukunft der Kleiderkammer? „Ich hoffe, dass wir an anderer Stelle, möglichst in Innenstadtlage, eine geeignete Räumlichkeit finden“, sagt Elspaß – „die Miete muss allerdings bezahlbar bleiben“.

Denn das Angebot der Kleiderkammer am Schnellenberger Weg wird nach wie vor gut angenommen: Seit 2016 wurden die Ausgabezeiten sogar noch einmal ausgeweitet, montags bis freitags in der Zeit zwischen 9.30 Uhr und 12.30 Uhr können Bedürftige und Menschen mit schmalen Einkommen nach gebrauchter, aber gut erhaltener Kleidung stöbern. Ob Mäntel und Jacken, Kleider und Anzüge, Blusen und Hemden, oder legere Freizeit- und Kinderkleidung in fast allen Größen – selbst Bettwäsche , Schuhe und zuweilen auch Kinderspielzeug und Kinderbücher warten hier auf ihre neuen Besitzer. Dabei handelt sich bei allen Artikeln um Spenden“, erklärt Irene Skrobanek vom DRK-Kreisverband.

170 Menschen nutzen im Monat das Angebot der Kleiderkammer

Sie leitet unter anderem die Kleiderkammer und sagt: „Im Schnitt nutzen rund 170 Menschen im Monat unser Angebot.“ Zu den Hauptkunden zählen Menschen, die von Hartz IV leben müssen, aber auch Rentner, alleinerziehende Mütter oder Väter, kinderreiche Familien und Migranten.

Doch auch wenn die Kleiderkammer des DRK-Kreisverbandes am Schnellenberger Weg in wenigen Wochen schließen wird, „wir haben noch eine zweite Kleiderkammer in der Stadt“, betont Joachim Elspaß – nämlich die des DRK-Ortsvereins „An den Reeperbahnen.“ Gut erhaltene Kleiderspenden können deshalb auch künftig am Schnellenberger Weg abgegeben werden: „Die werden bei uns weiterhin sortiert – und dann an die Kleiderkammer des DRK-Ortsvereins weitergegeben“, verspricht Elspaß.

Von Klaus Reschke