Montag , 26. Oktober 2020
Ein Berliner in Lüneburg: Martin Luding spielt die Rolle des Jens Reichard – hinten mit ard. Foto: Michael Behns

Rote Rosen: Endlich mal nicht der Bösewicht

Lüneburg. Ohne Corona wäre Martin Luding nicht wieder bei den Roten Rosen gelandet. Denn der 49-Jährige ist im Normalfall ein viel beschäftigter Schauspieler am Theater. 150 bis 250 Vorstellungen im Jahr als Caveman waren keine Seltenheit in den vergangenen 18 Jahren. Fernsehen hat er zwar auch immer schon gemacht, auch ein eintägiges Gastspiel bei den Rosen im Jahr 2015 steht in seiner Vita.

Doch ein derartig langfristiges Engagement wie die gut zehn Monate, die seine Rolle als Jens Reichard in der 18. Staffel der ARD-Dauerserie jetzt bedeutet, hätte seine Bühnenpräsenz nicht zugelassen. „Das wäre überhaupt keine Option gewesen. Ich habe auch andere Anfragen absagen müssen, beim Bergdoktor zum Beispiel. Doch die derzeitige Situation hat mir die Möglichkeit bei den Rosen jetzt eröffnet, denn am Theater ging ja zuletzt gar nichts.

Rote Rosen ist eine neue Erfahrung für ihn 

Als Notlösung möchte der in Berlin aufgewachsene Schauspieler das aber nicht verstanden wissen. Die Telenovela sei vielmehr eine Erfahrung, die ihm bislang noch fehlte. „Ich habe eigentlich fast alles andere schon gemacht, aber das eben noch nicht. Auch deshalb wollte ich das.“ Bereut hat er seine Entscheidung in den ersten Wochen des Drehs nicht. „Ganz im Gegenteil, wir haben echt Schwein gehabt, weil wir uns alle, die hier jetzt zusammen arbeiten dürfen, super verstehen. Und ich glaube, dass die Zuschauer das auch sehen werden.“

Bei all dem Spaß bedeutet eine Daily natürlich auch harte Arbeit. Noch lasse das Pensum ihm etwas Luft, „aber ich glaube, ich werde auch noch richtig rangenommen“. Seine Rolle, die bereits in den vergangenen Tagen zum Ende der 17. Staffel eingeführt wurde, skizziert er so: „Jens Reichard – hinten mit ard natürlich – ist ein Leichtbauingenieur, getrennt lebend und mit einer erwachsenen Tochter Ellen. Er ist befreundet mit Merle und Ben und verliebt sich unsterblich in Mona Herzberg. Ein Blick, dann ist es um ihn geschehen. Er ist ihr Fels in der Brandung.“

Für Luding ist es nicht nur wegen der Dauer des Engagement eine neue Fernseherfahrung: „Ich wurde bisher immer, immer als Bösewicht besetzt – entweder als böser Schwiegersohn oder als Bänker im Dreiteiler-Anzug, der irgendeinen über den Tisch zieht. Dies hier ist eigentlich das erste Mal, dass ich einen freundlichen, verlässlichen Typen spiele. Wahrscheinlich musste ich erst fast Fünfzig werden, bis man mir das glaubt.“

Luding pendelt von Lüneburg nach Stuttgart

Er war Ende 20, als der Beruf ihn aus Berlin zunächst nach Fürth verschlug, ehe ihn seine beste Freundin Esther Schweins („Sie ist wie eine Schwester für mich“), vielen noch bekannt aus der RTL-Show „Samstag Nacht“, für Caveman nach Stuttgart lockte. „Da bin ich dann 18 Jahre lang kleben geblieben. Als Berliner in Stuttgart: Wahrscheinlich habe ich gespürt, dass zu viele Schwaben nach Berlin rüberschwappen und habe nur versucht, ein gesundes Gegengewicht zu den Prenzlschwaben zu setzen.“

In all den Theaterjahren habe er viel reisen müssen. „Stuttgart, Flensburg, München – da fragt man sich manchmal schon, welcher Idiot das geplant hat. Aber den habe ich morgens immer im Spiegel gesehen“, scherzt Luding. Umso glücklicher sei er, dass nun auch diese permanente Fahrerei quer durch Deutschland vorerst ein Ende hat – zumindest die aus beruflichen Gründen. Privat muss der Vater von vier Kindern dagegen schon pendeln, um seine Familie zu sehen. Lüneburg-Stuttgart, das ist keine Kurzstrecke. Aber Bahnfahren sei ja auch prima, um Text zu lernen, gewinnt er dem etwas Positives ab.

Abseits von Beruf und Familie zieht es ihn in die Natur: „Ich finde es unglaublich entspannend, auf Berge zu steigen. Da mein Vater passionierter Segler ist, bin ich auch gerne auf dem Wasser.“ Ein anderes Talent dagegen war nie echte Leidenschaft: „Ich war immer ein sehr guter Läufer, hasse es aber. In der Schule bin ich so mit 17 die tausend Meter unter drei Minuten gelaufen. Auch Waldläufe haben wir viele gemacht, aber trotzdem muss ich sagen: Ich jogge einfach nicht gerne, auch damals schon nicht. Dafür habe ich das sportliche Radfahren für mich entdeckt – aber ohne bunte Kluft und Wurstpelle.“

Von Alexander Hempelmann