Freitag , 30. Oktober 2020
Flächen entlang des Ilmenaukanals bei Handorf sollen Teil der neuen Stiftung werden. Foto: Gert Reiling

Landkreis will eigene Naturschutzstiftung gründen

Lüneburg. Der Heidekreis hat eine, die Landkreise Cuxhaven, Harburg, Rotenburg/Wümme und viele andere Regionen auch: eine landkreiseigene „Naturschutzstiftung“. In seiner jüngsten Sitzung hat der Lüneburger Kreistag jetzt beschlossen, ebenfalls eine solche Stiftung auf den Weg zu bringen. „Mit der Naturschutzstiftung wollen wir zum einen etwas für den Naturschutz erreichen“, sagt Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis. Zum anderen solle ein Flächenpool für künftige „Ausgleichsmaßnahmen“ aufgebaut werden.

Der Hintergrund: Wer in Deutschland baut, ob Häuser, Straßen oder Fabriken, soll nach geltendem Naturschutzrecht Eingriffe in Natur und Landschaft durch Baumaßnahmen möglichst vermeiden oder minimieren. Wenn ihm dies nicht möglich ist, müssen die nachteiligen Auswirkungen auf den Naturhaushalt an anderer Stelle „kompensiert“, das heißt ersetzt oder ausgeglichen, werden.

Das kann künftig die Naturschutzstiftung des Landkreises Lüneburg als „Rundum-Sorglos-Paket“ anbieten, so Stefan Bartscht. Natürlich gegen Bezahlung – die Erlöse sollen die Stiftung dann in die Lage versetzen, ihre Flächen zu erweitern und ihre Aktivitäten im Naturschutz zu intensivieren. Bisher intensiv genutzte Flächen „können dann aufgewertet werden, etwa durch das Anlegen von Gewässern, Hecken oder Streuobstwiesen, den Umbau von Nadel- in Mischwald oder die Anlage von Magerrasenflächen“, so Bartscht. Die Natur mit ihrer biologischen Vielfalt zu erhalten und zu stärken, sowie für Tiere und Pflanzen zusätzlichen Lebensraum zu schaffen, sei ein Ziel der Stiftung.

Anfang 2019 wurde Gründung beantragt

Was auch angestrebt wird: vorhandene Biotope beispielsweise so miteinander zu verbinden, dass Pflanzen und Insekten wandern und sich ausbreiten können. Dazu sucht die Stiftung, wenn sie ihre Arbeit aufgenommen hat, Grundstücke und Flächen, die sie über Tausch, Pachtung oder Ankauf für die Landschaftspflege und als Flächenpool für Kompensationsmaßnahmen nutzen kann.

Anfang 2019 hatten die Kreistagsfraktionen der CDU und der Grünen die „Gründung einer eigenständigen, nicht in die Organisation der Kreisverwaltung eingegliederten ‚Naturschutzstiftung im Landkreis Lüneburg‘“ beantragt. Seitdem sind Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt, und seine Mitarbeiter bei der Arbeit, haben sich auch in anderen Landkreisen ausführlich informiert.

Als Stiftungskapital wird der Landkreis zunächst zwei eigene Naturschutzflächen in der Samtgemeinde Bardowick in die künftige Naturschutzstiftung einbringen: eine Brachfläche am Ilmenaukanal in der Gemeinde Handorf mit einer Größe von rund 17 Hektar sowie eine Grünlandfläche im Bereich Radbruch/Mechtersen mit einer Größe von knapp fünf Hektar.

150 000 Euro sind für das Jahr 2021 eingeplant 

Während andere Landkreise für ihre Naturschutzstiftungen schon ansehnliche Mitarbeiterstäbe beschäftigen, fängt der Landkreis Lüneburg klein an: 150 000 Euro sollen in den Haushalt 2021 eingestellt werden. Die sollen für 1,5 Mitarbeiterstellen sowie Sachkosten reichen. Welche Aufgaben die Naturschutzstiftung später noch übernehmen kann, ob Baumpflege, Wiesenmahd oder die Aufstellung eines eigenen Pflegetrupps, sei abzuwarten.

Bevor die Einrichtung ihre Arbeit aufnehmen kann, müssen noch die entsprechenden Genehmigungen bei der Stiftungsaufsicht eingeholt werden, das Finanzamt muss seine Zustimmung geben. Wenn auch der Haushalt 2021 des Landkreises genehmigt ist, schätzt Stefan Bartscht, könnte die Naturschutzstiftung mit ihrer Arbeit im kommenden Sommer beginnen. Bartsch erwartet sich einiges von der neuen Stiftung – er sagt: „Ich erhoffe mir, dass die Stiftung ein weiterer starker Partner im Naturschutz wird, mit dem wir gemeinsam viele Maßnahmen im Artenschutz und Biotopverbund umsetzen können und dass durch ihn gezielt Maßnahmen für den Naturschutz richtig gelenkt werden können. Und ich hoffe, dass die Stiftung auch viele andere Partner für den Naturschutz gewinnt, die dann an unseren Zielen mitwirken können.“

Von der Heide bis zur Elbe

Naturschutzflächen immer im Blick

Der Landkreis Lüneburg verfügt über rund 40 Naturschutzflächen in der Größe von etwa 2200 Hektar, von den Bauernseewiesen in Bleckede über die Teichanlage Radenbeck und die Naturschutzfläche Ilmenauniederung mit Tiergarten in Lüneburg bis hin zur Naturschutzfläche Gülze in Amt Neuhaus.
Zu den Flächen zählen die „Große und kleine Marsch“ in Alt Wendischthun mit 42 Hek-tar und das Naturschutzgebiet Walmsburger Werder mit 31 Hektar. Kleinste Fläche ist die Naturschutzfläche Ilmenau „Am alten Klärwerk“ in Deutsch Evern mit gerade einmal 2989 Quadratmetern. Die Flächen sind in verschiedene Schutzkategorien, Pflege- und Entwicklungszustände unterteilt.  

Von Ingo Petersen