Freitag , 30. Oktober 2020
Retter der „1000 Steine“ (v.l.): Projektbetreuer Johann Bruhn (Sparkassenstiftung), Michael Eddy Büttner und Jürgen Thiele. Foto: t&w

„1000 Steine“ rollen weiter

Lüneburg. Erst rockten sie im alten Jugendzentrum, 2001 rollten sie Drums, Mikros und Co. in einen Bunker an der Konrad-Zuse-Allee. Rock statt Drogen lautet seit gut 30 Jahren das Konzept des Projekts „1000 Steine“. Ende 2019 aber musste das Team raus aus dem Keller, ein Bauträger hat dort andere Ideen. Was erst nach einem Aus für „1000 Steine“ aussah, wendet sich nun ins Positive. Die Treuhandstiftung Jürgen Thiele hat mit der Sparkassenstiftung einen Plan geschmiedet. Der Bauantrag ist genehmigt.

„1000 Steine“ wird von der Drogenberatung der Diakonie und der Stadt getragen. Ziel ist es, jungen Menschen Musik zu vermitteln, auch wenn sie kein Instrument besitzen, keine Vorkenntnisse haben. 1989 hatte vielen voran Bernd Loehn das Lüneburger „Musik statt Drogen“-Projekt auf den Weg gebracht.

Loehn starb im Mai 2013, über Achim „Maschi“ Pelz ging das Projekt weiter zu Michael „Eddy“ Büttner. Er ist selbst in der Rockszene aktiv, spielt Bass bei der Bigband Reloaded und bei der Ska-Band Skaramanga.

Metall-Sänger Henning Basse war Teil des Projekts 

Um die zehn Formationen sind in der Regel bei „1000 Steine“ aktiv, rückblickend haben zahlreiche Musiker dort an ihrem Weg gebaut. Der heute international aktive Metal-Sänger Henning Basse gehört dazu, in der Region erfolgreiche Bands wie Schwimmer, Unumgänglich und Damn Escape.

Die nun gesicherte 1000-Steine-Lösung liegt nur ein paar hundert Meter vom Bunker entfernt. An der Lise-Meitner-Straße hat vor sieben Jahren Jürgen Thiele, der die Firma Profi Musik groß machte, den zweiteiligen „Let’s Rock“-Bau geschaffen. Die Not, einen Ort zum Proben zu finden, hat seither für viele Rockmusiker ein Ende. 15 Bands und ein Einzelmusiker teilen sich dort zurzeit sieben schallisolierte Räume zum Proben. Die Nachfrage ist konstant hoch.

Für „1000 Steine“ entsteht angrenzend ein weiterer Bau mit zwei Studios: 100 Quadratmeter, schalltechnisch perfektioniert, inklusive Lagerraum und Toiletten. Der Rohbau könnte noch in diesem Jahr stehen, der Starttermin im Februar sein – optimistisch betrachtet.

„Das ist ein Traum, eine tolle Möglichkeit, die Jürgen da schafft.“

„Mir lag das 1000-Steine-Projekt immer am Herzen, ich kenne es seit den Anfängen“, sagt Thiele. Er betont die eigenen Wurzeln in der Lüneburger Szene, als er mit seiner Firma Thiele Tontechnik Kabelsalat bei Bands wie Subway entwirrte. Mit Profi Musik baute Thiele ein bundesweit erfolgreiches Unternehmen für Veranstaltungstechnik auf. Das hat er mittlerweile verkauft, das Interesse an Rock, Jazz und an der Lüneburger Szene aber nicht verloren.

„Das ist ein Traum“, sagt Eddy Büttner, „eine tolle Möglichkeit, die Jürgen da schafft.“ Das 1000-Steine-Equipment für die Bands ist zurzeit in einem Container gelagert. „Es ist alles startbereit, es muss nichts angeschafft werden“, sagt der Projektleiter. Übergangsweise nutzt Büttner das Jugendzentrum Kaltenmoor. Aber das ist ein Provisorium. Im kommenden Jahr können die 1000 Steine besser denn je rocken und rollen.

Von Hans-Martin Koch