Mittwoch , 28. Oktober 2020
Embsens Bürgermeister Stefan Koch und Kerstin Sternitzke von der IGS sind gespannt auf die Ergebnisse, die die Erforschung des Hügelgrabs mit sich bringen. Foto: t&w

Embsen: Welche Geheimnisse birgt das Hügelgrab?

Embsen. Die Geheimnisse rund um das Hügelgrab in Embsen werden immer sagenumwobener. Denn was selbst Bezirksarchäologe Dr. Mario Pahlow bislang offensichtlich nicht wusste: Die frühe rund 3000 Jahre alte Kultstätte aus der Bronzezeit wurde Anfang der 1950er-Jahren wohl schon einmal untersucht. Und dabei wurden offenbar auch Fotos gemacht.

„Das sind sehr spannende Infos“, schrieb der Denkmalschützer jetzt in einer Mail an den Embsener Bürgermeister Stefan Koch sowie an Kerstin Sternitzke von der IGS Embsen und fügte hinzu: „In den Akten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ist eine solche Maßnahme (…) durch Dr. Körner nicht dokumentiert.“ Dr. Gerhard Körner war der ehemalige Direktor für das Museum für das Fürstentum Lüneburg.

Der ehemalige Berufsschullehrer Hans-Peter Meyer aus Lüneburg hatte vergangene Woche in der LZ den Bericht über das Hügelgrab in Embsen gelesen und sich an die Grabungsarbeiten Anfang der 1950er-Jahre erinnert. Er selbst sei damals mehrfach mit dem Fahrrad nach Embsen gefahren, um die Arbeiten am Hügelgrab zu beobachten“, berichtet der heute 83-Jährige im Gespräch mit der LZ. Auch an den Anlass für die damalige Erforschung des Grabhügels kann sich der pensionierte Metalltechnik- und Chemielehrer noch erinnern: „Der Hügel war von zahlreichen Löchern durchzogen, die Mäuse und Hasen gebuddelt hatten.“ Wohl deshalb habe man sich zu dieser Notgrabung“ entschlossen, glaubt Meyer.

Suche nach den alten Fotos

Die Aktion fototechnisch festgehalten habe seinerzeit sein Onkel Hans Beu-Schmidt, berichtet Hans-Peter Meyer weiter. Auch vom Inneren der Kultstätte seien Fotos entstanden. Wo diese abgeblieben sind, kann Meyer aber nicht mit Bestimmtheit sagen. „Vermutlich im Lüneburger Museum und dort im Fachbereich Vorgeschichte.“

Für Bezirksarchäologe Pahlow ein wichtiger Hinweis: „Ich werde diesbezüglich bei meinem Kollegen, dem Kreisarchäologen Dietmar Gehrke nachfragen“, sagt Pahlow. Die Fotos, so der Bezirksarchäologe weiter, könnten nämlich bei der Interpretation des Grabhügels sehr hilfreich sein. Bislang gehen die Experten davon aus, dass der Grabhügel aus der Bronzezeit stammt, „womöglich stammt er aber sogar aus der Steinzeit“, will Pahlow zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen. Aufschluss sollen bald die Forschungsarbeiten an dem Grabhügel geben, an dem sich – wie berichtet – auch Schüler des Geschichts-Wahlpflichtkurses beteiligen werden.

Ein noch so komplett erhaltenes Hügelgrab sei auch für die Archäologen etwas Besonderes, glaubt Kerstin Sternitzke von der IGS. Viele Hügelgräber seien in früherer Zeit als „Baustofflager“ missbraucht worden, die Findlinge und Feldsteine für den eigenen Haus- und Hofbau abtransportiert worden. Ein Schicksal, das dem Embsener Hügelgrab nach derzeitigem Kenntnisstand offenbar erspart geblieben ist. Näheres sollen aber die Erkundungen in den nächsten Monaten ergeben.

Hügelgrab soll wieder ins Bewusstsein geholt werden

Wie berichtet, sollen am und auf dem Hügelgrab Bodensondierungen stattfinden, etwa eine Bodenwiderstandsmessung, mit der oberflächennahe Baustrukturen, Fundamente und Schutttansammlungen geortet werden können. Geplant ist auch die Sondierung mit Hilfe von Eisenstangen, die vorsichtig ins Erdreich geschoben werden. Ob diese Methode allerdings von größerem Erfolg gekrönt sein wird, bezweifelt nicht nur Embsens Bürgermeister Koch. „Das Wurzelwerk der Buchen, das sich auf dem Hügelgrab entwickelt hat, könnte dieses Vorhaben doch mächtig erschweren.“

Doch unabhängig vom Grabungserfolg soll die Kultstätte wieder ins Bewusstsein der Neuzeit geholt werden. Dafür haben sich alle Beteiligten viel vorgenommen, denn: „Schulgemeinschaft, Landkreis, Bezirksarchäologen, Samtgemeinde und Gemeinde stehen vereint hinter dem Vorhaben, dem Hügelgrab die Aufmerksamkeit zu geben, die es aufgrund seines historischen Kontextes verdient“, freut sich Kerstin Sternitzke.

Von Klaus Reschke