Freitag , 30. Oktober 2020
Salü-Geschäftsführer Dirk Günther vor dem Sportbad. Foto: Andreas Tamme

Jeder will ein Stück vom Sportbad

Lüneburg. Einen Moment lang kräuselt sich keine Welle auf der Wasseroberfläche. Die drei blauen Bahnen des Sportbads liegen ruhig da. Sie scheinen darauf zu warten, dass jemand die glatte Fläche mit einem Köpper durchbricht und die 25-Meter-Strecke durchkrault. Das Problem ist: Das wollen sie alle. Die Frühschwimmer, die Spätschwimmer, die gemütlichen Bahnenzieher und nun auch nach den Herbstferien die Schwimmvereine und Schulklassen. Letztere hatten deutlich länger auf ihre Badezeit warten müssen als die Allgemeinheit. Nun sollen sie alle unter einen Hut gebracht werden – unter dem Kredo der Abstandsregeln. Für die Vereine sollen drei einstündige Zeit-Slots zwischen 18 und 21 Uhr zur Verfügung stehen. Die Schulklassen können ab 9 Uhr bis zum Nachmittag schwimmen.

„Unsere Herausforderung ist das Nadelöhr am Eingang“, sagt Geschäftsführer Dirk Günther. Die Salztherme ist bekanntlich eine Großbaustelle, der Vereins-Eingang ist nun der allgemeine Eingang zum Sportbad. Und auch gleichzeitig der Ausgang. An der engen Tür dürfe es nicht zu Staus kommen.

Weniger Zeit im Wasser pro Stunde

„Das bedeutet, dass sich die tatsächliche Schwimmzeit reduziert. Früher war eine Stunde für Schulklassen eine Stunde im Wasser – jetzt bedeutet die Stunde, man hat 60 Minuten Anwesenheitszeit im Salü, also mit reinkommen, umziehen und wieder rauskommen, damit sich keine Gruppen im Durchgang begegnen.“ Bei den Vereinen habe man es zudem so geregelt, dass die unterschiedlichen Gruppen, je nach gerader oder ungerader Startzeit, entweder die Sport-Umkleide oder die Salü-Umkleide nutzen.

Die Logistik bei den Schulen sei besonders kompliziert. „Die Schulen haben ihre Schüler ja in Kohorten aufgeteilt. Die dürfen sich nicht im Bad begegnen. Klassen aus dem selben Jahrgang können zwar meist zusammen hier rein, aber nur, wenn sie nicht unsere Maximalanzahl von 52 Personen überschreiten. Das alles muss gut geplant werden“, sagt Günther. Auch die Busanreise müsse vor allem bei den Schulen aus dem Umland noch ausgefeilt werden. Hier gebe es bei einigen Schulen arge logistische Probleme. Denn die Busse können sich nicht immer nach Schul- und Schwimmbadzeit richten.

Aufsichtsperson bei den Kinderschwimmkursen erforderlich

Eine Besonderheit gibt es nun auch bei den meisten Kinderschwimmkursen im Kursbad. Hier muss pro Kind immer ein Elternteil mit dabei sein, um auf die Abstände der Kids zu achten.

Die Eltern sehen das mit gemischten Gefühlen. „Ich bin ja wirklich froh, dass mein Kind überhaupt schwimmen lernen kann, aber da gibt es auch noch einen jüngeren Bruder und der darf nicht mit rein ins Bad, den muss ich dann immer für die Zeit woanders unterbringen, das ist schon ein logistischer Mehraufwand“, sagt Dorothe Kelle.

Seit dem 31. August hat das Sportbad im Salü wieder geöffnet. Geschlossen war es traditionell in der Zeit der Sommerferien, in der Badegäste auf das Freibad ausweichen konnten. „Wir haben in dieser Zeit im Sportbad die üblichen Reparaturen durchgeführt, zum Beispiel Fliesen ausgetauscht“, betont Günther. Zusätzlich sind die üblichen fünf Bahnen auf drei Bahnen reduziert worden – dadurch ist jede Bahn nun breiter und Badegäste können pro Bahn in einem Kreisverkehr schwimmen, um sich nicht in die Quere zu kommen.

Nachgefragt

Zahl der Gäste musste begrenzt werden

Angelika Rauche bemängelt eine Preissteigerung für Schwimmer, dass Vereine ihre Übungsstunden nicht wahrnehmen können und „normale“ und ältere Badegäste seit der Wiedereröffnung Ende August diskriminiert würden. SaLü-Chef Dirk Günther stellt klar: „Aktuell hat mit nahezu allen Vereinsvertretern ein Abstimmungstermin stattgefunden. Unsere Vorgehensweise mit Blick auf die Hygienekonzepte stieß größtenteils auf Verständnis.“ Durch Corona habe man die Anzahl der Gäste reduzieren müssen. Für Gäste, die sich nicht online anmelden könnten, gebe es ein Karten-Kontingent. Im Sportbad galt seit über acht Jahren derselbe Preis. Corona habe bei Personal und Material zu erheblichen Mehraufwendungen geführt. „Selbst beim Angleichen der Erwachsenen-Standardtarife im Freibad und Sportbad auf je 3,50 Euro ist eine Wirtschaftlichkeit kaum möglich.“

Von Laura Treffenfeld