Montag , 26. Oktober 2020
Kinder und Jugendliche haben kleine Kunstwerke am Straßenrand des Radbrucher Weges in Höhe des Pferdehofes aufgestellt. Sie hoffen, Autofahrer zum Langsamfahren zu animieren. Foto: t&w

Mit Kunst gegen Raser

Vögelsen. Der bunte Pulk trotzt tapfer dem Dauerregen. Mehrere Dutzend Kinder und Jugendliche lassen sich nicht vom ungemütlichen Wetter abhalten. Die Aktion wird zu Ende gebracht. Sie montieren, unterstützt von Eltern und Bürgern aus Vögelsen, Radbruch und Mechtersen, Kunstwerke am Straßenrand des Radbrucher Weges in Vögelsen. In Höhe des Reiterhofes Trapp.

Die jungen Leute hoffen, dass sie den Verkehr durch das Aufstellen von selbstgebastelten Blitzkästen und kunstvoll gestalteten Warn-Plakaten entschleunigen können. Sie setzen auf die Vernunft der Autofahrer, die den Verbindungsweg von Vögelsen nach Radbruch gerne als Abkürzung zur A 39-Auffahrt Winsen-Ost nutzen – und dabei oft gefährlich schnell unterwegs sind.

Die kreative Arbeit der Acht- bis 14-Jährigen lief als Programmpunkt im Sommerferienprogramm. Doch eigentlich ist sie ein Projekt in der Dorfregion Mechtersen, Radbruch, Vögelsen. Die drei Gemeinden wurden in das Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen, ein Förderprogramm des Landes. Die Kinder und Jugendlichen widmen sich dem Thema „Verkehrsberuhigung Mechtersen, Radbruch und Vögelsen“.

„Hier rollt ziemlich viel Verkehr durch.“ – Rolf Semrok, Bürgermeister von Radbruch

„Eine tolle Aktion ist das. Es ist super, wie die Kinder und Jugendlichen selber die Initiative für mehr Verkehrssicherheit ergreifen“, lobt Rolf Semrok (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Radbruch. Eben weil sie besonders gefährdet seien an dieser Strecke. „Hier rollt ziemlich viel Verkehr durch“, weiß er.

Martin Trapp, Inhaber des Pferdehofes, und Linda Brock, Eigentümerin der benachbarten Reitschule für Islandpferde, bestätigen das und schildern ihre täglichen Erlebnisse. „Schrecklich. Manche rasen rücksichtslos durch, ohne Abstand zu halten“, berichten sie.

Pferde sind Fluchttiere

Kinder, die auf dem Rücken der Pferde abseits der Straße auf dem Reitweg unterwegs sind, würden von Autos mit hohem Tempo überholt. „Das ist schon gefährlich genug, doch manche Fahrer hupen dann auch noch. Es sollte doch jeder wissen, dass Pferde Fluchttiere sind“, sagen sie kopfschüttelnd. Das Verhalten dieser Autofahrer bringe Reiter und Tiere in Gefahr, kritisieren sie. „Wir haben jeden Tag Reitbetrieb mit Teilnehmern von unter zehn Jahren bis zum Alter von 16“, erzählen sie.

Besonders kribbelig sei es zu den Zeiten, wenn bei Amazon im Gewerbegebiet Luhdorf Schichtwechsel ist. „Das merken wir sofort. Der Verkehr nimmt dann erkennbar zu.“

Auch Martin Hillmer von der Polizeiinspektion Lüneburg hat seine Erfahrung auf dem Radbrucher Weg gemacht. Bei einer Fahrradtour mit seinem Sohn. „Es ist gefährlich, weil die Straße schmal ist. Trotzdem lädt sie zum schnellen Fahren ein, weil sie so schnurgerade ist“, sagt der Polizeibeamte am Rande der Aktion der jungen Leute. Sein Appell an die Autofahrer: „Fahrt langsam, vor allem, weil hier viele Kinder unterwegs sind!“

Bauliche Maßnahmen fast unmöglich

Dem schließt sich Vögelsens Bürgermeisterin Silke Rogge (SPD) an. Der Versuch der Kinder und Jugendlichen, den Verkehr auf dem Samtgemeinde-Verbindungsweg zu bremsen, sei gut. „Hoffentlich trägt es dazu bei, dass sich mehr Fahrer als bislang an das vorgegebene Tempo von 50 Kilometer in der Stunde halten“, sagt sie.

Schwierig sei es, bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung zusätzlich zu realisieren. „Auf dem Radbrucher Weg sind viele Landwirte mit ihren Gefährten unterwegs. Wegen der Größe der Fahrzeuge ist es so gut wie unmöglich, Schikanen oder Verschwenkungen in die Fahrbahn einzubauen“, erklärt Rogge.

Von Stefan Bohlmann