Freitag , 30. Oktober 2020
Sie verkörpern die Kirche an der Uni: Barbara Hanusa (Mentorat, von links), Silke Ideker (Evangelische Hochschulgemeinde) und Michael Hasenauer (Katholische Hochschulgemeinde). Foto: t&w

„Eine Sehnsucht nach analoger Begegnung“

Lüneburg. In einem oberen Stockwerk im Leuphana-Zentralgebäude kann man mit der Kirche in Kontakt treten. Hier gibt es einen hellen Raum der Stille, der zur Uni gehört, aber für Andachten oder Meditationen genutzt werden kann. Hier sitzen auch Vertreter der Katholischen und der Evangelischen Hochschulgemeinde (KHG und EHG) und hier ist Barbara Hanusa zu finden, die das Mentorat für Lehramtsstudierende der Theologie betreut.

Rund 200 Studentinnen und Studenten fasst dieser Lehramtsstudiengang. Sie alle können sowohl in fachlichen Fragen zu Hanusa kommen, etwa um ein Thema für eine Hausarbeit zu besprechen, als auch in persönlichen Angelegenheiten. „Da geht es um ganz individuelle Fragen: Werde ich eine gute Religionslehrerin sein oder wie stehe ich zur Kirche?“

„Was wir bemerken, ist eine Sehnsucht nach analoger Begegnung und Beratung.“ – Barbara Hanusa

Auch die Beziehung, die sexuelle Identität oder eine persönliche Krise durch Krankheit oder Todesfall seien Themen, die bei ihr landen. „Ich muss sagen, das hat sich auch in den letzen Monaten nach dem Beginn der Corona-Pandemie nicht viel verändert. Es sind meist die gleichen Themen geblieben. Was wir jedoch bemerken, ist eine Sehnsucht nach analoger Begegnung und Beratung.“

Sich zu sehen, sei nach den Monaten des Lockdowns sehr wichtig geworden. Das empfinden auch die Kollegen von der EHG, Silke Ideker, und von der KHG, Michael Hasenauer so. „Wir haben anfangs viel ins Digitale verschoben, und das war auch toll, aber jetzt versuchen wir meist, Andachten, Treffen und Veranstaltungen als Hybrid zu organisieren, sprich mit einer kleinen Teilnehmeranzahl analog und für eine breitere Gruppe zu Hause digital“, sagt Hasenauer.

„Wir haben anfangs viel ins Digitale verschoben.“ – Michael Hasenauer

Am 1. Oktober wurden zum Beispiel alle neuen Studenten mit einem „interreligiösen Willkommen“ begrüßt, einem Film, der gemeinsam mit einem Rabbi, einem Islamwissenschaftler, einem buddhistischen Lehrer und Studenten gedreht und zu Beginn der Startwoche ausgestrahlt wurde. Für die kirchlichen Ansprechpartner an der Uni sei das eine tolle Erfahrung gewesen, die gezeigt habe, „wie Spirituelles, Interreligiöses und Digitales auf gelungene Weise an die Stelle von analogen Begegnungen treten kann“, sagt Hasenauer.

Er und seine Kollegin Silke Ideker bieten ebenfalls Beratungen an – jedoch für alle Lehrenden und Studenten an der Leuphana, die ein Bedürfnis danach haben. Bei Barbara Hanusa liegt der Fokus auf den Theologie-Lehrämtlern. Das Mentorat besteht dabei neben der Seelsorge auch aus verschiedenen inhaltlichen Angeboten, von Seminaren über theologische Positionen bis zu Veranstaltungen zum Pilgern. Ihre Stelle wird von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers finanziert. Weitere Stellen gibt es darüberhinaus auch an den Hochschulen in Göttingen, Hannover, Osnabrück und Hildesheim.

„Das wird in diesem Jahr auch für viele ein ganz anderes Fest werden.“ – Silke Ideker

„Das letzte Semester war hart, aber es wird nicht das einzige Corona-Semester gewesen sein. Corona geht jetzt auf Strecke“, sagt Hanusa. Der große Run auf ihr seelsorgerisches Angebot sei in den letzten Monaten zwar ausgefallen, aber man wisse auch, dass Corona weiter auf die Psyche schlagen werde. Silke Ideker fügt hinzu: „Zudem steht nun bald Advent und Weihnachten vor der Tür, das wird in diesem Jahr auch für viele ein ganz anderes Fest werden.“ Wer reden möchte, kann sich bei allen Kirchenvertretern melden. Termine werden dann nach Absprache gemacht.

„Wir müssen aber auch sagen, dass die Studenten hier viel aus eigenem Antrieb auf die Beine stellen“, sagt Hasenauer. Eine Gruppe wolle etwa am Vorabend von St. Martin erstmalig einen Laternen-Umzug über den Campus veranstalten. Mit vorherigem Laterne-Basteln. „Das haben die meisten sicher auch zuletzt in der Kindheit gemacht, aber solche Aktionen unter freiem Himmel sind gerade eine wertvolle Antwort auf die Sehnsucht der Studenten nach analoger Begegnung.“

Informationen zum aktuellen Programm von EHG und KHG finden sie unter www.ehg-khg.de – das Programm des Mentorats unter www.mentorat.plus

Von Laura Treffenfeld