Freitag , 30. Oktober 2020
„Auch über der Nase“: Aufklärungsarbeit bei der Bahn in Zeiten von Corona. Foto: t&w

„Gespräche auf Augenhöhe helfen“

Lüneburg. Die kalte Jahreszeit beginnt, viele Menschen sind aus dem Urlaub zurückgekehrt, einige hatten Corona sicherlich auch schon abgehakt. Die Folge: Die Zahlen steigen wieder, maskierte Gesichter werden noch einige Zeit Alltag sein. Das Nichttragen des Mund-Nase-Schutzes in öffentlichen Verkehrsmitteln ist mit einem Bußgeld belegt, um die Sicherheit der Fahrgäste weiterhin zu gewährleisten, verstärkt die Deutsche Bahn nochmal die Kontrollen.

Mitte September hatten Bund, Länder, Verbände der Verkehrswirtschaft, Gewerkschaften, kommunale Spitzenverbände und Verkehrsunternehmen am „Runden Tisch zur Umsetzung der Maskenpflicht im öffentlichen Personenverkehr“ regelmäßige Schwerpunktkontrollen vereinbart. Ganz besonders präsent ist das DB-Sicherheitsteam nun am Wochenende und zu späterer Stunde, wo das Partyvolk durch den Alkoholkonsum oft gleichgültiger wird.

Ein Paket Masken ist immer griffbereit

Zum DB-Sicherheitspersonal gehört seit Mai Beatrice Aslan. Seither ist es ihr Job, ein Auge darauf zu haben, dass auch jeder Fahrgast den Mund-Nase-Schutz trägt.„Der Großteil trägt sie sowieso, ansonsten genügt oft ein kurzer Blick“, sagt sie. Große Diskussionen gebe es selten, die meisten Menschen zeigten Verständnis. „Dass jemand gar nicht will, ist die Ausnahme. Und wenn jemand sich nicht einsichtig zeigt, hilft es meist, ihn abzuholen: ,Wir wissen, wie Sie sich fühlen, auch wir müssen die Masken den ganzen Tag über tragen, haben manchmal Kopfschmerzen.‘ Gespräche auf Augenhöhe helfen.“

Beatrice Aslan (l.) und Murat Kurtcu (r.) kontrollieren die Maskenpflicht in den Zügen der Deutschen Bahn. Unterstützt werden sie dabei regelmäßig von Beamten der Bundespolizei.

Auf der Strecke von Lüneburg nach Lübeck gibt Aslan einem jungen Mann den Tipp, das Gummi über Kreuz zu tragen, damit die Maske besser sitzt. „Mir war schon am Bahnhof aufgefallen, dass seine Maske beim Sprechen immer von der Nase rutscht. Dann geben wir Hilfestellung. Als Brillenträgerin finde ich es auch praktisch, die Maske direkt unter dem Wimpernkranz zu tragen, das ist zwar erstmal ungewohnt, aber die Brille beschlägt nicht.“

„Ey, diese Maskenpflicht ist richtig eklig. Und Corona gibt es nicht“, sagt ein Fahrgast zu den Mitarbeitern der DB. Aslan: „Wenn das seine Meinung ist, bitte. Aber zumindest trägt er seine Maske.“Für den Fall, dass jemand seinen Schutz vergessen hat oder keinen besitzt, ihn verloren oder er kaputt gegangen ist, haben Aslan und ihr Kollege Murat Kurtcu immer eine Fuhre dabei.

Sie leisten Aufklärungsarbeit

Auch Nicole Riedel, Kundenbetreuerin im Nahverkehr, hat immer einen kleinen Vorrat dabei. „Die wenigen, die nicht mitmachen, haben in der Regel Atteste dabei“, berichtet sie. Wie ist es für Riedel, den ganzen Tag die Maske zu tragen? „Anstrengend, ich muss lauter sprechen, meine Kehle ist trocken, ich schwitze mehr. Ich muss deutlich mehr trinken als sonst und bin am Abend erschöpfter.“

Ihre Kollegin Cornelia Uecker-Moos erzählt, dass sie manchmal das Gefühl hat, Aufklärungsarbeit leisten zu müssen. „Ich habe hier manchmal Jugendliche im Zug, die gar nicht viel über Corona wissen. Denen versuche ich es dann zu erklären, sage, ich bin über 50, tut es für mich, wenn Ihr die Maske tragt, schützt Ihr vor allem uns. Das fruchtet dann meist.“

Es gibt aber auch weniger schöne Situationen. „Du bist alt, Du kriegst Corona, wir nicht. Sowas muss ich mir leider auch manchmal anhören. Und vor allem Freitag und Sonntag, wenn die Nachtschwärmer unterwegs sind, wird es manchmal unangenehm. Aber das war schon immer so.“ Im Großen und Ganzen sagt aber auch Uecker-Moos: „Die Allermeisten machen mit.“

Andere Regeln in Schleswig-Holstein

Auch viele der Fahrgäste empfinden sowohl die Maskenpflicht als auch die Kontrollen als positiv. „Ich beobachte oft, dass Leute die Maske nur kurz tragen, wenn jemand kommt und sie dann wieder absetzen, das ärgert mich“, sagt Jonas Krüger, der beruflich jeden Tag Zug fahren muss. Auch seine Kollegin Sarah-Jane Ebert sagt: „Ich finde es unfair, wenn ich Rücksicht auf andere nehme, es den anderen aber völlig egal ist, ob sie mich gefährden. Mir fehlt da das Gemeinschaftsgefühl.“

Unterstützt wird die DB bei ihren Anstrengungen von der Bundespolizei, die versucht in Zügen und auf Bahnhöfen – wann immer es möglich ist – präsent zu sein. „Spätestens, wenn wir ins Spiel kommen, kramt eigentlich jeder nach seiner Maske“, sagt der Lüneburger Polizeihauptkommissar Armand Huber. „Die meisten haben dann ein schlechtes Gewissen, weil sie wissen, dass ihr Verhalten falsch ist.“ Huber ärgert vor allem eines: „Bei uns in Niedersachsen gilt am gesamten Bahnhof die Maskenpflicht, kaum sind wir ein paar Kilometer weiter in Lauenburg, gilt sie nur noch in den Zügen. Einheitliche Regelungen würden helfen.“

Von Lea Schulze