Freitag , 30. Oktober 2020
Bis zu 1,1 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr laufen durch die Anlagen der Firma Lohmann am Lüneburger Hafen. Foto: t&w

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Lüneburg. Die zentrale Frage lautet: Wird das Unternehmen Dr. Paul Lohmann auch über 2024 hinaus einer der größten Verbraucher des Lüneburger Grundwassers sein? Zu dieser Frage gab es kürzlich einen nichtöffentlichen Scoping-Termin, also gewissermaßen ein erstes „Abtasten“. Klar ist, dass die Firma die bisherige Fördermenge nicht antasten lassen möchte. Sie will weiterhin 1,1 Millionen Kubikmeter Grundwasser entnehmen. Pro Jahr.

Die Stadt hatte zu dem Termin Vertreter des Unternehmens, der Genehmigungsbehörde und von beteiligten Fachbehörden geladen, hinzugezogen wurden Vertreter von Forstämtern, Gemeinden und Samtgemeinden, Nabu und BUND. Der Scoping-Termin sei der „Start für ein sehr umfangreiches und detailliertes Antragsverfahren“, teilte Suzanne Moenck, Pressesprecherin der Stadt Lüneburg, mit. Der Termin diene dazu, für die im Wasserrechtsverfahren erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung Art und Umfang der vom Vorhabenträger beizubringenden Unterlagen über die Umweltauswirkungen eines Vorhabens festzulegen. Es folge ein mehrstufiger Planungs- und Zulassungsprozess.

„Wir werden abarbeiten, was gefordert wird.“ – Lohmann-Betriebsleiter Christian Hennigs

In den nächsten zehn bis zwölf Wochen werde der „Untersuchungsrahmen für die Umweltverträglichkeitsprüfung abgestimmt, festgelegt und dem Antragsteller durch die Stadt Lüneburg aufgegeben“. „Wir werden abarbeiten, was gefordert wird“, sagte Lohmann-Betriebsleiter Christian Hennigs gegenüber der LZ. Zu den „Hausaufgaben“ gehört auch der Bau weiterer Grundwassermessstellen.

Damit soll eine „genauere Beurteilung des Wassereinzugsgebietes“ ermöglicht werden. „Derzeit sind sieben zusätzliche Bohrungen mit bis zu drei Messstellen geplant“, teilte die Stadt mit. Doch das ist noch nicht alles. Es könnten „ergänzende flache Grundwassermessstellen im engeren Untersuchungsraum“ notwendig sein. Die Messstellen sind für die Erstellung des Hydrogeologischen Gutachtens erforderlich. Eine Messstelle ist in Wendisch Evern geplant.

Wie geht es weiter?

Die von der Firma Lohmann beauftragten Experten bereiten Gutachten für Hydrogeologie, Umweltverträglichkeitsbericht und Wasserrechtsantrag vor. Was dann kommt, könnte für Lohmann eine Hürde sein. Denn die zuständige Wasserbehörde wird einen eigenen Gutachter hinzuziehen. Dieser soll Möglichkeiten zum Einsatz wassersparender Verfahren beurteilen. Anschließend werden alle Unterlagen auch vom Gewässerkundlichen Landesdienst (GLD) gesichtet. Das dürfte, falls nicht nachgebessert werden muss, rund drei bis vier Monate dauern. Erst danach geht es dann in die öffentliche Beteiligung.

Klar ist, dass das Unternehmen Lohmann, das in Lüneburg mit 114 Mitarbeitern unter anderem Mineralsalze herstellt, rund 90 Prozent des entnommenen, kostbaren Grundwassers für Kühlungszwecke bei der Produktion benötigt. Dieses Wasser wird anschließend in den Elbe-Seitenkanal gepumpt. „Wir wären froh, wenn es eine andere Lösung, einen anderen Abnehmer dieses Wasser und andere Einsatzzwecke geben würde“, betonte Christian Hennigs.

Was hat sich geändert?

Die wasserrechtliche Erlaubnis für die Firma Lohmann begann 1994 und endet am 31. Dezember 2024. Ein neuer Antrag liegt der Stadt noch nicht vor. Aber im Vergleich zu 1994 gibt es viele rechtliche Veränderungen. Dazu gehört die europäische Wasserrahmenrichtlinie von Dezember 2000. Sie schreibt „eine ganzheitliche Betrachtung“ der Gewässer – einschließlich des Grundwassers – vor. Daraufhin wurde das deutsche Wasserhaushaltsgesetz (WHG) neugefasst. Demnach soll für neue Genehmigungen unter anderem auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt werden. Der Antragsteller soll sich verschiedene Varianten und Alternativen überlegen, wie der Wasserbedarf gedeckt oder auch gesenkt werden kann.

Aufgrund der Fördermenge der Firma Lohmann ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung und ein Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung zwar nicht zwingend vorgeschrieben. „Die Stadt hat jedoch darauf hingewirkt, dass solche Verfahren trotzdem durchgeführt werden“, sagte Suzanne Moenck.

Wo kann gespart werden?

Im wasserrechtlichen Verfahren wird auch der Stand der Technik bei wassersparenden Technologien und alternativen Möglichkeiten zur Kühlung von Prozessen betrachtet. „Da es sich hierbei um komplexe Vorgänge bei der industriellen Produktion von Mineralsalzen handelt, wird sich die Hansestadt in einem solchen Verfahren zusätzlich externer Sachverständiger bedienen“, sagte die Stadt-Pressesprecherin. Auch die Möglichkeiten des Ersatzes von Grundwasser bei der Produktion werden „intensiv betrachtet“.

Sollte die Stadt ab 2024 die erlaubte Entnahmemenge reduzieren, müsste sich die Firma Lohmann umstellen. „Wir müssten dann Alternativen prüfen und finden“, sagte Betriebsleiter Hennigs. Welche Konsequenzen das für den Standort hätte, lässt sich noch nicht sagen. Hennigs betonte aber, dass man alles daran setzen werde, um am Standort Lüneburg bleiben zu können. Und: „Wir werden weiterhin sorgsam und sparsam mit dem Wasser umgehen.“

Von Werner Kolbe