Montag , 26. Oktober 2020
Schon 2014 wurde an der Scharnebecker Straße gebaut. Foto: be

Brietlingen soll weiter wachsen

Brietlingen. Kita-Neubauten haben in der Samtgemeinde Scharnebeck Konjunktur. Nachdem Hohnstorf/Elbe und Scharnebeck bereits die Planungen fertig haben, schließt sich jetzt die Gemeinde Brietlingen dem Reigen an.

Bei seiner jüngsten Sitzung beschloss der Rat bei einer Enthaltung den Entwurf für den Bebauungsplan „Kindergarten und Wohnen“ östlich des Ortskerns an der Scharnebecker Straße. Die gegenwärtig noch als Acker genutzte 2,3 Hektar große Fläche liegt im Bereich Riekenweg und einem landwirtschaftlichen Wirtschaftsweg, dem Maststätter Weg. Das künftige Neubaugebiet schmiegt sich unmittelbar an das aktuelle am Ritzkamper Weg an, in dem gegenwärtig Bauherrn Häuser errichten.

150 Namen auf der Warteliste

Stadtplanerin Silke Wübbenhorst erläuterte Kommunalpolitikern und Zuhörern, was die Gemeinde vorhat. In dem kleinen Neubaugebiet sollen zwölf Einzel- und Doppel- sowie drei Mehrfamilienhäuser für insgesamt 26 Wohneinheiten entstehen. Die Grundstücksgrößen liegen zwischen 650 Quadratmeter für Einfamilienhäuser und maximal 1100 Quadratmeter für Mehrfamilienhäuser.

Dass der Bedarf an Bauland in Brietlingen vorhanden ist, ergibt sich nicht nur in der Theorie aus der Wohnungsmarktanalyse 2016 sowie dem Demografiegutachten 2018 des GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung, das in der Begründung für die Aufstellung des Bebauungsplanes angeführt wird. Rebecca Alt, Geschäftsführerin der Scharnebecker Erschließungs- und Baugesellschaft (SEB), untermauert das Ergebnis mit Zahlen aus der Praxis. Sie berichtet auf LZ-Nachfrage, dass sich momentan 150 Namen von Interessenten auf einer unverbindlichen Warteliste finden, die in Brietlingen bauen wollen.

Großer Bedarf an Kita-Plätzen

Doch nicht nur der Nachfrage nach Bauplätzen soll der künftige Bebauungsplan Rechnung tragen, zudem dem hohen Bedarf an Kindergartenplätzen. Daher plant die Gemeinde, in dem Neubaugebiet einen Kindergarten zu errichten.

Die Fortschreibung der Bauleitplanung erfolge zum richtigen Zeitpunkt, meinte Angela Lütjohann (SPD). In der Vergangenheit habe die Gemeinde sich beim Schaffen von Wohnraum auf den Ortsteil Moorburg konzentriert, damit einhergehend für die benötigte Infrastruktur im Ort gesorgt. „Da aber jetzt die Nachfrage steigt, ist der neue Bebauungsplan in seiner Form und Größe angemessen für unsere Eigenentwicklung.“

Kritik wurde im weiteren Verlauf der Diskussion am Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Lüneburg laut, das seit 2003 gilt, das der Kreistag 2010 fortgeschrieben hat und das voraussichtlich 2022 in neuer Fassung in Kraft treten soll.

Entwurf vor Ratssitzung noch überarbeitet

Die in der Raumplanung derzeit gültigen Daten und Prognosen seien längst überholt beziehungsweise basierten auf falschen Zahlen, hieß es. Ein Beispiel dafür lieferte Tobias Twesten (SPD) anhand der Versorgungsstruktur im Einzelhandel: „Die Vorgabe, dass Scharnebeck für unsere Versorgung zuständig sein soll, entspricht nicht der Realität. Wir Brietlinger orientieren uns nicht nach Scharnebeck“, erklärte er.

Kurz vor der Ratssitzung hatte der Verwaltungsausschuss noch Hand an den Entwurf gelegt. Die Traufhöhe für Gebäude senkten die Mitglieder von 6,50 Meter auf 4,50 Meter. Ziel ist, den Bau von sogenannten Stadtvillen zu verhindern. Das sei keine gute Idee, befand Ratsfrau Susanne Burmester (CDU). Sie sagte, es gebe durchaus Bauherrn, die genau diesen Stil bevorzugten, um Schrägen im Obergeschoss zu verhindern. Burmester enthielt sich daher der Stimme für den Entwurf, der nun in die öffentliche Auslegung geht.

Einstimmig passierte hingegen die Ergänzungssatzung für den Schierenweg im Ortsteil Moorburg den Rat. Eine bisherige Außenbereichsfläche im Südosten der Straße darf künftig bebaut werden: maximal zwei Wohneinheiten sind dann erlaubt, das entspricht einem Einfamilienhaus.

Von Stefan Bohlmann