Freitag , 30. Oktober 2020
Weißer Ring
Ein Mann für spektakuläre Fälle: Jürgen Schubbert ist seit 45 Jahren bei der Polizei tätig. Foto: t&w

Land mit Pensionierung des Chefermittlers befasst

Lüneburg. Die bevorstehende Pensionierung des schillernden Lüneburger Kripo-Ermittlers Jürgen Schubbert beschäftigt jetzt auch die niedersächsische Landesregierung: In einer Kleinen Anfrage wollen die FDP-Abgeordneten Marco Genthe und Jörg Bode von Innenminister Boris Pistorius wissen, warum der Leiter der Ermittlungsgruppe „Göhrde“ nicht, wie gewünscht, ein Jahr länger als vorgesehen im Dienst bleiben darf.

Für den 61-Jährigen steht eigentlich regulär im Februar die Versetzung in den Ruhestand an. Doch weil die alten Spuren der spektakulären Doppelmorde in der Göhrde aus dem Sommer 1989 erst zur Hälfte aufgearbeitet wurden, möchte Schubbert gerne länger im Staatsdienst bleiben. Die Polizeidirektion Lüneburg hat das abgelehnt, Gründe nennt sie mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Dagegen klagt der Erste Kriminalhauptkommissar jetzt vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg und wird dabei durch den Bund Deutscher Kriminalbeamter unterstützt.

Wichmann als Täter sehr wahrscheinlich

Die Göhrde-Morde gehören zu sogenannten Cold Cases, also alten, ungeklärten Mordfällen, deren erneute Bearbeitung und Aufklärung Pistorius hohe Priorität einräumt. Zwar gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der zwischenzeitlich verstorbene Gärtner Kurt-Werner Wichmann die Taten begangen hat. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass er Mitwisser oder gar -täter hatte.

„Dieser Altfall ist wie ein Puzzle, deren Teile verdeckt auf dem Tisch liegen.“ – Jürgen Schubbert

„Dieser Altfall ist wie ein Puzzle, deren Teile verdeckt auf dem Tisch liegen, wir müssen sie umdrehen und schauen, wie sie zusammenpassen. Und das haben wir etwa zur Hälfte geschafft“, erklärt Schubbert seine Motivation, die Pensionierung um ein Jahr zu verschieben. Ihn als Leiter der achtköpfigen Ermittlungsgruppe jetzt mitten in der Arbeit dort herauszureißen, sei „aus kriminalistischer Sicht nicht nachvollziehbar“. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht das genauso.

Die FDP-Abgeordneten Genthe und Bode verweisen in ihrer kleinen Anfrage auch darauf, dass der Innenminister noch im Jahr 2017 dafür geworben habe, „dass Polizeibeamte über das Pensionsalter hinaus im Dienst bleiben und sogar ein extra Programm dafür aufgelegt hat“. Sie wollen jetzt von Pistorius unter anderem wissen, wie die Landesregierung „den Leitungswechsel bei der Ermittlungsgruppe Göhrde aus kriminalistischer Sicht bewertet“. tm